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Der Orient · 1843-03-21 · 12 (21.3.1843) · p. Spalte 189-190

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
12 (21.3.1843)
Article
Samuel Ben Adija
Date
1843-03-21
Page
Spalte 189-190 (sequence 1)
Language
German
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189 190 Lit..Analekten. Samuel b. Adij». Jüdische Rellgionsphilosophie. Literarische Analekten. Samuel Ben ÄdijA., der arabische Dichter. Auf dem Markte zu Okhas hörten die Mohammedaner den Juden Samuel B. Aadijü Verse Leklanuren. Dieser Samuel ist derselbe, der in der Lebensgeschichte von Amri-ol-käis eine so ehrenvolle. Rolle spielt, indem die Treue, womit er die vom Dichter, bei dessen Reise nach Konstantinopel, ihm anvertrauten Panzer bewahrte, sprichwörtlich geworden; von den Griechen, welche die Herausgebung derselben forderten, belagert und bedroht, daß seinem gefangenen Sohne, wenn er die Panzer nicht Herausgabe, der Kopf vor den Mauern des Schlosses abgeschlagen werden solle, lief er lieber die Drohung in Erfüllung gehen, als daß er die Panzer herausgab." — So weit v. Hammer in Wiener Jahrb. f. Lit. 1842. Bd. X0VU. S. 114. — Die Gedichte dieses Samuel (über dessen Namen und jüdische Abkunst s. Prof. Fleischer im LB. des Orients 1841. Col. 52) befinden sich in der Hamasa ecl. Frey tag p. 49 (f. Geiger a. a. O.) und im „Kitab el Aghän", welches jetzt von Prof. Kosegarten herausgegeben wird, aber uns nicht zugänglich ist*). Die Nachricht verdanken wir dem Aufsatze über dieses Buch in der Zeitschr. f. d. Kunde des Morgenlandes 1840 von Prof. Rödiger. Aus Prof. Weites „die poet. Lit. d. Araber u. s. w. Stuttg. 1837" gab Dr. Fürst eine Notiz in der Allg. Zeit, d. Jud. 1837. S. 312. Ein von Nückert übersetztes Gedicht (vgl. a. a. O. S. 11) enthält das Morgenblatt vom 27. Juli 1842 (nach dem Orient 1842. S. 269. Col. 2). Sonst fand ich auch diesen Dichter erwähnt in Jost's Index zur Gesch. d. Israeliten Bd. 9. S. 21. 152. Delitzsch, zur Gesch. d. jüd. Poesie '(s. Index) und desselben Kunst, Wissenschaft und Judenth. oder Schild« und Krit. S. 249. Sider. Jüdische Religionsphilosvphie. Die Wissenschaft ist weder eine Demokratie noch Ochlokratie, sondern eine Aristokratie in der edelsten Bedeutung des Wortes. Wenn daher ein Plebejer es wagt, in den Regionen der Wissenschaft sich zu habilitiren, d. h. den Tonangeber zu spielen, und aufgeblasen die Zeit zuchtmeisterud, sich als Schiedesrichter aufwerfen will, und hie und da auf Geister, deren Produkte ihm unzugänglich sind, anspielt (aber freilich immer unglücklich); da ist es Pflicht, einem Solchen kein Plätzchen auf dem Boden der Wissenschaft zu gönnen, und ihm seine Arroganz vorzuhalten. Zu diesem etwas herben Gedanken veranlaßte mich ein Artikel „jüdische Rellgionsphilosophie," in der A. Z. d. I. N. 7. Wer über Religionsphilosophie schreibt, muß einen philosophischen Standpunkt einnehmen, aber der religionsphilosophische Verfasser nimmt keinen andern als' den einer *) Vielleicht ist ein Mitarbeiter des Orients im Stande, unsre Notiz zu ergänzen? Unphilosophie ein. Sehr scharfsinnig und mit sonderbarer Originalität ist die tiefe Deduktion der Entstehung der Religionsphilosophie. „So lange Religion und Philosophie friedlich mit einander leben, haben wir keine Religionsphilosophie sdieses abstrahirt der Verfasser aus dem geschichtlichen Gange der Religionsphilosophie]; bricht aber ein Streit zwischen ihnen aus (welcher?), dann geht siegreich eine Religionsphilosophie hervor." Welch' eine originelle Deduktion! Trotz aller Koryphäen deutscher Philosophie! Die Religionsphilosophie wird bedingt von einem Streite, von dem der Religionsphilosoph Nichts zu sagen weiß! Als ob die Religionsphilosophie - nicht ein nothwendig inicgrirender Theil der realen Wissenschaften, die zu einem philosophischen Systeme gehören, wäre; und wenn auch viele Philosophen nicht gerade ausdrücklich unter dem Namen Rellgionsphilosophie schrieben, so wird sie doch der Phisosoph aus ihren Systemen herauszufinden wissen. Und überhaupt ist Philosophie und Religion nicht wie Nord und Süd, die sich einander ewig fliehen und dann suchen, sondern sie leben immer in Frieden mit einander. Die Philosophie beschäftigt sich mit den abstrakten Gedankenbestimmungen der logischen Idee, und gewinnt diese durch ein dialektisches Verfahren, während die wahre Rellgionsphilosophie mit dem Resultate der Philosophie beginnt, und betrachtet die Idee in ihrer aktualen konkreten Manifestation, von ihrer Unmittelbarkeit, Natürlichkeit, A n si ch se i n, bis zum Heraustreten von, dem Ansi ch zum Für sich, d. h. zum Wissen ihrer selbst. Dieses scheint aber dem erw. Res. ein unbekanntes Land zu sein. Aber noch folgender Punkt muß hervorgehoben werden, weil er, jetzt wo doch ein so bedeutender Mann wie Hirsch über Religionsphilosophie gründlich und Epoche wachend schreibt, die Aufgabe der Religionsphrlpsophie auf eine so a l t w e ib i sch e M a n i e r stellt. Wir wollen den Religionsphilosophen selbst sprechen lassen, um den Lesern den Genuß -dieser originellen Flachheit nicht zu versagen. „Das Judeuthum, sagt er, enthält nur ein Moment (?), das dem sogenannten gemeinen Menschenverstände an sich (?) unbegreiflich ist — die Offenbarung Gottes selbst; der weitere Inhalt bietet weiter keine Schwierigkeiten dar. Die jüd. Rellgionsphilosophie hat demnächst nur eine Aufgabe, die Lehre von der O f f e n b a r u n g; hat sie diese d u r ch g e a rb eitet, und die Nothwendegkeit, kalso die Wirklichkeit der Offenbarung erwiesen —so ist sie fertig, und es bleibt nur eine philosophische Bearbeitung der jüd. Theologie übrig." O, welch ein Exempel von Absurdität und logischer Bindigkeit, oder vielmehr Unbindigkeit! Der Religionsphilosoph hätte kein besseres Geschäft als die dem gemeinen Menschenverstände unmöglich zu begreifende wohl aber zu glaubende Offenbarung Gottes selbst (wie sich unser Religionsphilosoph ausdrlickt) begreiflich zu machen! Braucht denn etwa der „gemeine Menschenverstand" eine Offenbarung zu begreifen, oder zu glauben? Beweise Du, erhabener Religionsphilosoph, dem gemeinen

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