Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1843)
- Article
- Warschau: Widerlegung der hämischen Angriffe der A.A.Z.
- Date
- 1843-03-21
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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tionalruffen in ihrer NationaLtracht, in ihrem Schmutze, mit ihren Barren und ihrer Bornirtheit in den kleinen Städten Altrußlands gesehen, der wird es gewiß nicht läugnen, -aß die Juden des Russenthums gar nicht unwürdig erscheinen. Uebrigens hat sich die A. A. Zeitung mit den Judenbärten etwas aufbinden lassen - der Nationalrusse, der Jude, der Tatar und Kirgise verliert mit der Aushebung zum Soldaten nicht nur den Bart, sondern auch, das Haupthaar ganz und gar, .indem das erste Zeichen, daß ein. russischer Unterthan dem Mars verfallen sein, darin besteht, daß ihm Bart und Haupthaar abrasirt wird. ..Es sind aber in Bezug auf jüdische Soldaten noch zwei andere-Lhatsachen bekannt, welche die A. X Zeitung bei jedem hoher» russischen Offizier erfahren könnte und irr Rücksicht auf welche die vornehme, judengehässige Aeußerung ihres Korrespondenten in nackter Lieblosigkeit erscheint. — Diese Khatsachen sind: daß über Soldaten jüdischen Glaubens in Rußland — und -es giebt deren, wie erwähnt, seit 16 Jahren ■— die Militairchefs sich nie beklagen, im Gegentheile wird oft' ihre Gelehrigkeit, Nüchternheit und Ausdauer gerühmt; und endlich, daß faktisch ein jüdischer Soldat, wenn er eingekleidet und vereidet ist, nur höchst selten desertirt, wenigstens weiß man sich nur höchst selten eines solchen Beispiels zu erinnern. Mandat hier Gelegenheit gehabt, hohe Militairs von der kaukasischen Armee über die Juden zu bedefragen, von welchen einige Hundert in dem blutigen Kampfe gegen-die Bergvölker dienen, und sie sagten es offen, daß es höchst selten sei, daß ein jüdischer Soldat wegen jüdischer Unarten bestraft wird. Aber auch von der Desertion beim Herannahen der Aushebung, die freilich-wahr ist und auch diesmal in Warschau oder vielmehr an der polnischen Grenze ftattgefundcn, ist nicht der Schluß zu ziehen, den der erwähnte menschenfreundliche Korrespondent daraus zieht. Die Militairpflrcht der Juden in Rußland lastet, abweichend von den Einrichtungen in andern Staaten, auf den Individuen und den Gemeinden, und nach einem frühern Ukas, der mit ungemeiner Strenge gehandhabt wird, har die betreffende Gemeinde für ihre Deserteurs einzustehen und, wenn sie darum gewußt, außer andern Strafen noch für je einen Deserteur zwei Soldaten zu stellen. Daher hat auch jede der 1007 conftituirten Judengemeindm oder Kahals Rußlands ein jüdisches Comitee, das im Einverständnisse mit der Regierung für die gesetzliche Zahl 'der jüdischen Soldaten sorgt Was schadet es dem Kaiser Und was nützt es der Gesammtheit. der Juden, wenn Individuen vor der Konscription desertiren? Vor 2 Jahren hatten zwei jüdische Vorsteher irr einem Galizien nahen Städtchen (Radziwilow) in ihrer Noth, die gesetzlich eingeforderte Zahl der jüdischen Rekruten zu stellen; Zwei arme, aber kräftige Burschen aus Brody gemiethet, die sich zu diesem Zweck angeboten, aber es wurde der Behörde, verrathen und die Vorsteher selbst wurden unter das Militair gesteckt und zum Dienste für ihr ganzes Leben verurteilt. So steht es mit dem Desertiren der Juden, oder wenn sie gar aus den Mitgliedern der nicht betreffenden Gemeinden Supplenten suchen wollten, die jüdischen Vorsteher selbst müssen es verhindern oder verrathen. Der Militärdienst wird von den Juden freilich, so lange sie nicht das kleinste bürgerliche Recht erhalten ,' als das größte Unglück betrachtet; aber der Korrespondent von der polnischen Grenze hätte, nur die letzte Aushebung von Nationalrussen mit ansehen müssen, oder die große Rekrutenjagd in dem ganzen Gebiete von Swataja Rusj, dessen heiligen. Boden kein Jude betreten darf, um sich zu überzeugen, welche Abneigung gegen diesen Dienst herrscht, welche Wehklage, welch' ein Jammer die Lüfte , erfüllt, und wie man die Rekruten in Ketten aus den Wäldern holen mußte. Es wäre unbillig, von denJuden eine andere Gesinnung zu fordern; die Schrecken der Konskription äußern sich bei ihnen schon vermöge ihres Naturells noch schauerlicher. In Wilna hackte vor einem Jahr eine Jüdin ihrem eigenen Sohne mit einer Axt die Finger ab, und trat so, verzweifelt und-triumphirend, vor das jüdische Eomitüe. Vor zwei Jahren brachte man im strengsten Winter 12 Leichen auf einem Schlitten nach Wilna gefahren; es waren. 12 jüdische Jünglinge, die vor der Konskription in die Wälder geflohen und dort verhungert und erfroren waren. Dergleichen Scenen wiederholen sich fast in allen Gouvernements, bei Christen und Juden, ohne daß aber deshalb weniger Juden, als das Gesetz verlangt, zum Dienst kommen. Derselbe Korrespondent von der polnischen Grenze zieht meine Mittheilung, daß bereits gegen 10M0 Juden im russischen Militairdienste stehen, in Zweifel, ohne etwas zur Begründung des Zwessels beibringen zu können; ich will ihn also zur Bewahrheitung auf die in jedem Buche über Rußland, angegebene Statistik verweisen, und er wird sich überzeugen., daß nicht einmal die. jüdischen Strafsoldaten, d.h. solche, die wegen Defraudationen, leichter Verbrechen oder dergleichen unters Militair gesteckt werden, mitgerechnet wurden. Gewiß wird jener Korrespondent es überraschend finden, wenn ich ihm erzähle, daß auf der russischen Ostseeflotte gegen 4000 jüdische Matrosen sind, die ihre eignen jüdischen Geistlichen haben, die über ihre Religiosität und - moralischen Aufführung Aufsicht führen und wenn der Dienst es zuläßt, nach einem Commando jeden Sabbat Gottesdienst abhalten. Dasselbe ist auch auf der Flotte des schwarzen Meeres, wo sie ebenfalls, wenn es angeht, ihren besondern Gottesdienst abhalten. Der Korrespondent wird es Vielleicht unglaublich finden, daß in Kronstadt den jüdischen Matrosen auf Kosten des Ka isers ein recht hübscher Betsaal eingerichtet wurde und sie mit ihren Frauen und Kindern daselbst ihre Feste feiern, und doch ist Dem also. Bibliographie von M. Sider in Berlin. Biblische Stud. von Geistlichen des Königreichs Sachsen. Herausgegeben von Dr. I. E. R. Häu fser. 1 Jahrg. 1842. Lpz. Arnold. Enthält Seite 98—115 Einiges zur Sacherklärung im A> T. von -M. Thenius, dem Verfasserdes Samuel in Hitzigs kurzgef. Commentar. — Böttger Comment. cxegetico-crit. m Deborae camicuni. (Bergl. N. I. L. Z. 1842. No. 233;) - ' ' Q. uatremer e's Ausgabe des Maknsi. enthält schätzbare geographische und topographische Notizen über Gaza und Hebron. Die Woche der Israeliten von Urbino da Mantova (?), in Brans Mscellen, Oktober 1842 Seite 59. (Mit einer solchen Ignoranz über Judenthum, die z. B. am Sabbar Tefillin anlegm läßt, macht man sich noch immer in deutschgründlichen Blättern breit. Die judenseindliche Tendenz verantwortet Alles!) . .Nork, (F.), biblische Mythologie des Alt. und Neuen Testaments u. st w. Ir Bd. gr. 8. (XX111. LXXV1. und 411. S.) Stuttgart, Cast. 1841. Philippson, (Dr. L.), wie sich der Statistiker u. s. w. Dr. I. G. Hoffmann. verrechnet u. s. w. Lpz. Baumgärtner. (Lobende kurze Anzeige in Gersdorf's Repertorium. Bd. 33.