Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1843)
- Article
- Prag : Aussicht zum Bessern [Nachricht]
- Date
- 1843-03-21
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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93 wenn sie uns ein schönes und heilbringendes Beispiel geben? Ein schönes Vorbild, wo es sich auch finden mag, verdienet Nachahmung. PvttH, 22. Febr. Wenn die Angelegenheiten unserer Gemeinde keinen Stoff zur besondern Besprechung für jetzt darbieten, indem Alles sich im gewöhnlichen Geleise bewegt, so will ich Sie und diejenigen Leser, welche für jüd. Wiffenschaft sich interessiren, mit den neuesten literarischen Werken, die zum Theil hier erscheinen werden und zum Theil hierartige Gelehrte zu Verfassern haben, bekannt ma^ chm. — Der siebente Band des Kerem Chemed, der so lange auf sich warten ließ, ist endlich der Censuc übergeben worden. Natürlich wird Las wiffenschaftliche Publikum, das auf das Erscheinen dieses Bandes so so sehr gespannt ist, seine Wißbegierde noch eine ziemlich lange Zeit unbefriedigt lassen müssen, da von der österreichischen Censur die Maxime unseres Staates, das „nach und nach", sehr treu und sorgfältig beobachtet wird und Eilfertigkeit gewiß nicht zu ihren Fehlern gerechnet werden kann. Dieser siebente Jahrgang soll auch, wie ich vernommen habe, einen neuen Mitarbeiter an unserem geistreichen Prediger, Herrn Dr. M. Sachs, gewonnen haben. — Won demselben Gelehrten erscheinen, Ostern die in Ihrem Blatte schon erwähnten religiösen Poesien. Diese Ueberfetzungen sollen, nach den einzelnen Proben, die hier bekannt sind, sowohl bei der christlichen als jüdischen Welt allgemeinen Beifall finden. —- Auch das Gebiet der Exegese wird von Hm. Dr. Sachs durch einen Kommentar über die Psalmen bereichert werden. Der Kommentar ist wahrscheinlich die Frucht der Vorlesungtn über dieses Buch, welche er vor mehren Rabbinats- und Lehramtskandidaten seit einem Jahre hier hält. Rußland und Polen. Petersburg, 23. Febr. Nach einer so eben erschienenen Verordnung dürfen die asiatischen Israeliten, wie die Bocharen.und Khiwinzen auf der Orenburgischen Linie Handel treiben. (Berl.Nachr.) Leipzig, 12. Marz. Oben in einer Nummer des Oc. haben wir die neuesten Mittheilungen über die Juden in Polen und Rußland aus der L.A.K. gegeben, es wird wohl für das Publikum vonJnteresse sein, wenn wir hier die Vertheidigung des Korrespondenten' gegen die Angriffe der A. A. A. mittheilen, zumal sie auch manches Neue enthält, das noch in keinem Blatte einen Platz gesunden. Warschau, im Febr. Die A. A. Zeitung suchtm Nr. 21 und 22 d. I. die vom 12. und. 14. Dec. v. I. Ihnen von hier aus übersendeten ausführlichen. Mittheilungen über die neuen Vorgänge in Betreff der Juden Polens in einem angeblich von der polnischen Grenze datirten Raisonnement dadurch zu entkräften,, daß sie die polnischen Juden lächerlich macht und sie als so miserabel darstellt, daß es höchst ungereimt von der russischen Regierung wäre, wenn sie diese entartete Menschenrace dem Ackerbau zuführen oder militairpflichtig machen wollte. Ich will es gern der galanten Augsburgerin überlassen, an dem Judenbart aus Kurzweil zu zupfen und ihre Leser mit Karikaturen von polnischen Juden zu ergötzenes scheint ihr trauriges Amt seit langer Zeit, die Juden bei jeder Gelegenheit zu hudel.n, was freilich sehr leicht ist, da sie. dabei keine Gefahr läuft, in einem christlichen Staate verboten zu werden. Es kommt mir nicht in den Sinn, die Juden vertheidigen zu wollen,....aber ich halte es für sehr unklug, sich über Judenbärte lustig zu machen, während die Regierung, ungeachtet der Bärte, die zwei Millionen russischer Unterthanen jüdischen Glaubens mit großen Opfern aus ihrer politischen und daher auch moralischen Niedrigkeit zu erheben sucht. Ohne in den Ton jener Zeitung einzustimmen, halte ich es doch für Pflicht, die Widerlegung von der polnischen Grenzehier kurz zurückzuweisen und auf die bloßen Witzeleien zurückzuführen. Dem eigentlichen Inhalte meines oben angeführten Berichts, nämlich über den Mas, die Militairpflichtigkeit den Juden betreffend, die spätere Suspendirung desselben und über die Aufmunterung der Juden zum Betreiben des Ackerbaues, wagt der Korrespondent nicht zu widersprechen, aber wohl meinen dort angegebenen Motiven, indem er vorgiebt, dass die russische Regierung die Militairpflichtigkeit der Juden nicht deshalb an befohlen, um die Juden den Russen naher zu bringen und mit dem russischen Nationalcharakter zu versöhnen, wie ich angegeben, sondern aus falscher Politik und Unerfahrheit, da die Negierung doch wissen mußte, daß die polnischen oder russischen Juden durch ihre Feigheit, Kleidung, durch ihre Bärte und durch ihren Schachergeist ' zum Militairstande gar nicht paffen. DieseUnklugheit, meint der Korrespondent der A. A. A., hätte die Regierung dann wirklich später eingesehen, worauf sie durch eine Karicarur in einer Jndusterieausstellung geführt wurde, und habe daher das Gesetz suspendirt. Gegen diese inhumane Ansicht, sowohl von der Negierung als von den Betheiligten, muß ich, insoweit der Korrespondent etwas Lhatsächliches ausgesprochen zu haben meint, erwidern,, daß erstens die Suspension des Ukases vor der Ausstellung bekannt wurde, und zweitens ist die ganze Geschichte von der Ausstellung mit einer dort gewesenen Karikatur eine müßige Erfindung. Was aber die ausgesprochene Gesinnung der Negierung anlaAgt, so ist sie freilich nicht eigne Erfindung, da schon die große Katharina gesagt, daß sie unmöglich zulaffen könne, daß das heilige Blut der Russen auf dem Schlachtfelde von dem jüdischen verunreinigt werde - aber der Korrespondent der A. A. Zeitung von der polnischen Grenze sollte so viel wenigstens von der russischen Geschichte wissen, daß die Grundsätze der jetzigen Regierung gar nicht so ängstlich das Seelenheil. der Russen im Auge haben, daß seit 16 Jahren, nämlich seit 1826, die Juden in Lithauen, Podolien, Wolhynien, Ukraine, Neurußland rc. thatsächlich militairpflichtig sind und auch nicht im Mindesten geschont werden, so daß die nach 16 Jahren erfolgende Ausdehnung auf Polen nur mit der Russisieirung Polens Zusammenhängen kann. Daß die Juden seit so. vielen Jahren trotz ihrer Bartes ihres Schachers undihrer Feigheit zum Dienst in der russischen Armee gezwungen werden, kann der A.A. Zeitung wohl als Beweis dienen, daß unser Kaiser sich durch Karikaturen nicht abschreckcn läßt. Und mir Recht.. Denn, wer die Na-