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Der Orient · 1843-03-21 · Heft 12 (21.3.1843) · p. Seite 91

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 12 (21.3.1843)
Article
Preßburg : Der nächste Reichstag ... [Nachricht]
Date
1843-03-21
Page
Seite 91 (sequence 2)
Language
German
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91 gleich von Seilen unserer Rabbinen, der doctorirten mit eingerechnet, gar nichts für die Erlangung der bürgerlichen Rechte, ja nicht einmal eine Petition für dieselbe vorbereitet wird. Doch ist der Zweck meiner Mittheilung hier weniger , die Untätigkeit als die ungeschickte Thatigkeit zu rügen, die mehr schadet als nützt und die Herzen der Emanciparionsfreunde den Juden abwendig machen. Der Gras Carl Zay von Csömor, Erb- und Banmrherr. zu Zay-Ugwcz, k. k. Kämmerer und Generalinspektor der evangelischen Kirchen und Schulen augsburger Confession im Königreiche Ungarn, der erste evangelisch-lutherische Graf Ungarns, sprach auf dem Reichstage 1839—40 in der Versammlung der Magnaten für die Juden und ihre bürgerliche Freiheit, wie dre hier aus dem Magyarischen^) mitgerheilte Rede zeigt, und es ist natürlich, daß die hiesigen Juden dem Grafen, der auch zugleich der größte Vorkämpfer des Magyarenthums ist, dafür sehr dankbar waren In ihrer Rctth- und Hirtenlosigkeit haben sie aber die Thorheit begangen, in ihrer Dankbarkeit so unmäßig und ungeschickt zu sein, daß sie den Grafen mehr beleidigten als erfreueten, ja sogar zu öffentlichen Schmähungen Anlaß gaben, daß der Graf Zay sich öffentlich vertheidigen mußte, und selbst nach dieser Vertheidigung noch immer der Spott seiner Feinde übrig geblieben. Als Vorkämpfer gegen das Slaventhum ist er dem Hasse der aufgeklärten Slawen vorzüglich ausgesetzt und in einer erschienenen Schrift gegen die Bestrebungen desielöen beruft sich der Schreiber auf Nr. 18 der A. Z. d. Jl' Jg. 4, wo er an die Seite der ersten Dynasten Europa's gestellt und zum reichsten Manne Europas gestempelt wirv, und macht sich darüber lustig, daß der Graf nach der Krone Ungarns strebe. Bei den vielfachen Gahrungen in Ungarn und bei dem Hasse zwischen den Nationalitäten sollten die Juden vorzüglich in ihren öffentlichen Manifestationen solche Lächerlichkeiten vermeiden. In der erschienenen Apologetik des Grafen, heißt es: „der Werft (ein Slawe) macht sich nämlich darüber lustig, daß die dankbaren Juden den Grafen an die Seite der ersten Dynasten Europas stellen. Doch man verstehe uns recht. Die Emancipation der Juden ist eine so heilige, unerläßliche Pflicht, daß es wahrlich eine Sünde wäre, darüber spötteln zu wollen; allem ein kleines Lächeln zwingt es einem doch ab, daß jene anstatt, was sie aufrichtig wünschten, dem Grafen., als Abtrag einer vermeinten Schuld, Ehre und Ruhm zu bereiten, -- Anlaß geben, sich über ihn lustig zu machen. Sie vermeinten nämlich, dem Grasen nicht -besser lohnen zu können, als .wenn sie ihn zum reichsten Manne Europa's Rempelten (s. A. Z. d. I. 4. Jg. Nr. 18). Einst stand wohl sein Geschlecht auch in Hinsicht des- Besitzthums in den ersten Reihen der magyarischen Großen, allein was die *) Ich werde sie später mittheilen. - R e d. Stürme des Orients, was blinde Religionswuth davon übrig ließen, ist kaum noch der Rede werth, und „für das, was war", giebt ja selbst der Jude Nichts. Nicht doch, keine Regel ohne Ausnahme; hier gab er denn doch etwas — Stoff, sich über den Grafen zu moqui- , ren. — Uebrigens mag man immer des Grafen inniges Mitgefühl für die Leiden dieses unglücklichen Volkes höh- : nisch verspotten, so wird ec dennoch so lange sich ihm j das Herz in der Brust regt, für die in demselben mit Füßen getretenen ewigen Rechte der Menschheit muthig seine- Stimme erheben, und mit den Gleichgesinnten kräftig dahin wirken, daß durch völlige Emanciparwn dieses Volkes ein dunkler Fleck aus der Geschichte des Christenchums getilgt werde." Boskowitz, 17. Febr. „So viel Köpfe, so viel Sinne", bewährt sich bei uns und in Mähren überhaupt in Bezug auf das Landesrabbinat. Seit dem Ableben unseres seligen Landesrabbiners N. Trebitsch kreuzen die verschiedenartigsten Pläne über diese Landesangelegenheit durch die Kopse der wahr. Gemeinden. Doch.will ich die, Lieblingsideen einiger Sonderlinge sowie die Meinungen, welche die Geistessinsterniß zur Mutter und den Aberwitz zum Vater haben, unberücksichtigt lassen, und blos die Ansichten dreier Partheien, von denen jede besonders sich geltend zu machen strebt, den Lesern mittheilen und sie auch einer genauecn Prüfung unterwarfen. — Die Eine Partei sieht neidisch nach dem benachbarten Böhmerlande hin, will die Landesrabbinatswürde abgeschafft wissen und wünscht dafür Kreisrabbiner. Fragen wir nach dem Beweggründe, der diese Partei leitet, so erhalten wir zur Antwort: „Ein Landesrabbiner, welcher der Träger einer Würde ist,'die den freiesten Spielraum zur Eigenmächtigkeit und Willkür giebt, ist für das Wohl der Gemeinden gefährlich, wird oft zu einem Mißbrauche seiner Würde gereizt und verleitet, sucht, wenn er dem Fortschritte abhold ist, jede zeitgemäße Verbesserung in den einzelnen Gemeinden zu hemmen, wird nur zu oft bei der Vertheilung der Rabbinatswürden von kleinlichen Privatrücksichten geleitet und laßt, wenn er nicht ein uneigennütziger Mann ist, den Nepotismus oder die Simonie vorherrschen. Wir wollen unseren böhmischen Brüdern nachahmen und an die Spitze eines jeden Kreises einen Kreisrabbiner stellen; die rabbinische Monarchie werde unter sechs kleine Fürsten (Nesiim) vertheitt und wir haben von der Willens- Herrschaft eines Einzelnen nichts zu fürchten." Dieser Partei, welche eine Rabbinen-Oligarchie so sehnlichst wünscht und sich aus die böhmischen Kreisrabbiner beruft, stelle ich meinerseits folgende Fragen: Was wirken nun diese böhmischen Herren Kreisrabbiner? Etwa, daß sie ein oder zwei Mal des Jahres ihren Kreis bereisen, die Brautleute prüfen und ein rundes Sümmchen dafür.nehmen? — Welche Früchte tragt die Zersplitterung einer Landesrabbinalswürde? Herrschen nicht die 11*

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