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Der Orient · 1843-03-21 · Heft 12 (21.3.1843) · p. Seite 90

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 12 (21.3.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht ... [Nachricht]
Date
1843-03-21
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 erhört worden; aber wie im konstitutionellen Leben Sachsens überhaupt, so ist auch in der Behandlung dieser Frage durch die Abgeordneten des Volkes ein Fortschritt unverkennbar. Ja, worüber man uns Juden verhöhnte, — die Behauptung meine ich, daß der Judenhaß vom Liberalismus aufgehoben werden müsse, wenn jener nicht seinerseits das Wesen und den Charakter der letzgenannten politischen Anschauungsweise aufheben sollte — das hat mehr als ein christlicher^D.eputirter bei dieser Gelegenheit ausgesprochen. Wiederum stand v. Mayer in den ersten Reihen der Kampfer für das Recht; aber das kräftigste Wort kam aus eines wahrhaft Edlen, des Herrn v. .Watzdorf, Munde und auch die. Aeußerungendes Buchhändlers Brockhaus gefielen uns um so besser, je weniger wir sie nach der früheren Besprechung jüdischer Verhältnisse in seiner L. A. Zeitung erwartet hatten. — Nächst den inländischen Blättern fand sich das Interessanteste über die den Ständen vorliegende Petition in der Rheinischen Zeitung (von einem ihrer Dresdner Correspondenten) und einmal auch in einem Schreiben aus Dresden in der preuß. Staatszeitung. — In der ersten Kammer dürste der würdige Großmann der Hauptvertreter der toleranten Ansichten sein. — Gleichzeitig macht auch eine neuere Verordnung des Frankfurter Senats in Betreff der nothwendigen Assistenz eines Arztes bei Beschneidungen viel Aufsehen. Wahrscheinlich ohne Absicht war nämlich ein Passus in dieser Verordnung sehr schwankend ausgedrückt worden. Es heißt darin u. A.: wer sein Kind beschneiden lassen wolle, müsse rc. In dieser Fassung liegt es allerdings, daß stne Ceremonie stattfinden aber auch, daß sie unterbleidleiben könne. Wie man (aus der L. A. Z., der Rhein. Zeit, und aus Privatnachrichten) vernimmt, wollen nicht blos die orthodoxen Juden, in Frankfurt, sondern auch benachbarte Regierungsbehörden die oben erwähnte Formel in eine obligatorische umgewandelt wissen. Die pöbelhaft gemeinen Angriffe auf die holsteinischen Juden schienen vor einigen Wochen wieder auftauchen zu wollen. Außer dem bereits erwähnten Artikel im Jtzehoer Wochenblatt vom 24. Februar fanden sich ähnliche Anzapfungen in den. Alconaer Addreß- Comptoirnachrichten, einem zweimal wöchentlich erscheinenden .Blatte, welches eigentlich nur Jntelligenzanzeigen und amtliche Bekanntmachungen enthält, und diesen zuweilen ein Ragout von gestohlenen Versen, Rathseln, Theaterkritiken und Expektorationen aller Art beifügt. Ein —])-— schimpfte nun vor etwa 3 Wochen weidlich.auf die Juden, fand aber, wie ich höre,. 3 Gegner, von denen zwei sich als Christen geritten, der dritte sich als Muhammedaner Unterzeichnete. Sie schienen übrigens sammtlich den Angreifer in der Person des Kand.-Reichenbach erkannt zu haben; dieser replicitte, — seitdem ist. Alles still geworden. Nur die Hamburger Lokalblätter schleppen noch einige Knochen von der Leiche des Gefallenen in ihre Vorrathskammer,' wahrscheinlich um sich ihrer kräftig einmal als Reliquien zu bedienen. — Solchen traurigen Ausbrüchen leidenschaftlichen Zunft- und Brodneides gegenüber macht die ruhige, gemessene Sprache in dem sich nun seinem Ende zuneigenden Riesserschen Aufsatze (in den N. Hamb. Bl.) einen desto wohlthuendern Eindruck. In dem zuletzt (am 1. Marz) erschienenen Abschnitte, kam hauptsächlich die Rücksicht, welche der Staat bei öffentlichen Anstellungen auf die Religion' der sich dazu Qualisicirenden zu nehmen habe, ausführlich zur Sprache. Der Zugang zu allen Funktionen , welche mit der christlichen Lehre speciell zusammenhingen, könne natürlich den Juden nicht eröffnet werden; aber alle Lehrämter, so weit sie den Kreis nichttheologischer Disciplinen nicht überschritten, sollten. Juden zur Bewerbung offen stehen. Doch nimmt der Vers, den Vortrag der Geschichte aus, und billigt die Anstellung eines besondern katholischen Geschichttlehcers in Frankfurt a. M. Es ist hier nicht der Ort, auf eine Kontroverse darüber einzugehen; indessen muß ich mich mit dem erstecen für nicht-einverstanden erklären und mißbillige das Zweite durchaus. Schlagend ist der an Prof. Valentins Berufung nach Bern geführte Beweis, wie selbst ein christliches Gemeinwesen in der Schweiz sich über das gegen die Juden in Deutschland noch herrschende Vorurtheil erhoben habe; aber noch treffender ist die Nachweisung, wie das aus seiner Revolution in (gelauterter?) christlicher Frömmigkeit hervorgegangene Zürich, das sich eben der Anstellung des Dc. Strauß erwehrt habe, kurz darauf demselben Valentin eine Universiratsprofessur zu übertragm bereit gewesen sei. Saffel, 2. Marz. An der Real- und Bürgerschule, die (nebst einer Mittlern Bürgerschule) von Ostern ab hier ms Leben treten wird, sollen auch Hilfslehrer für den Unterricht im katholischen Glauben und für den Unterricht in der israelitischen Religion angestettt werden. Was Letzteres anlangt, so ist das unsers Wissens das erste Beispiel in Deutschland und ein bedeutender Fortschritt, wodurch einzig und allein die Emancipation der Israeliten erst verwirklicht werden wird. Hoffentlich wird dies nicht, namentlich in den Städten Kurhessens, ohne Nachahmung bleiben und dadurch die israelitischen Separatschulen' ihrem einstigen Untergange naher gebracht werden. Die Idee hierzu ist seit zwölf Jahren häufig in Anregung gebracht worden, und endlich hat die gute Sache den Sieg davon getragen. , (Franks. I.) Oesterreich. Preß bürg, 18. Febr. Im vorstehenden Mai (d. 14.) wird unser ungarischer Reichstag .zusammentreten und, wie man hofft, auch die Sache der Juden, d. h. die Emancipationsfrage wieder zur Sprache kommen., ob-

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