Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1843)
- Article
- Dresden : Widerlegung einer Beschuldigung ... [Nachricht]
- Date
- 1843-03-14
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
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88 -er Unlust zu Handwerkenwelche gegen die Juden so oft ausgesprochen werden,. ganz ungegründet sind. Ich füge noch dieser Mittheilung die Nachricht hinzu, daß Hr. Joseph Mendelssohn in Berlin, Sohn des verewigten Philosophen, sich bewogen fand, das wohlgetroffene Portrait seines Vaters in Steindruck nebst dessen Facsimile schön eingerahmt, dem hiesigen Mendelssohnsvereine zu schenken, mit der Bestimmung, daß es im Sitzungslokale des' Vereins angehangt werde. Eine höchst sinnige Gabe, wofür dem Edlen'herzlicher Dank gespendet sei! Aber innigen Dank verdient auch Hr. Dr. Beer, der Hauptbegründer dieses Vereins, der zu so segensreicher Wirksamkeit Veranlassung gegeben. Böhmen und Mahren. T ach au (Pilsner Kreises), den 26. Februar. Unter den MisceUen in Nr. 53 v. I. fand sich eine Mittheilung über Scheintod. Wem das Verhältnis dieses Faktums unbekannt ist, wird wohl erstaunt sein, wie in neuerer Zeit noch solcher Unfug in jüdischen Gemeinden getrieben werde. Auch ich war einer der Ueberraschten; doch keineswegs über dieses Ereigniß, sondern über die Art der Mittheilung. ■— Was dem Verkünder des Scheintodes mag bewogen Haben, eine Scheinwahrheit in die Welt zu sitzen, will ich nicht weicher suchen; vielleicht war es der Wunsch, den Rabbinen eine weise Lehre zu geben« Ich glaube aber verpflichtet zu sein, dieses Faktum der Wahrheit gemäß, wie ich als: Augenzeuge es thun kann, gewissenhaft zu erzählen. Stadt Tachau, Pilsner Kreises, ist der Schauplatz, den der Berichterstatter bei seiner Angabe nicht angab. Am 31. Octobec früh'um 6 Uhr starb eine Frau nach mehrtägiger Krankheit in Kindesnöthen. Wie gewöhnlich sollte man sie auch erst nach 48 Stunden beerdigen; da aber am andern Tage sich schon sichtbare Zeichen des wirklichen Todes zeigten, so wurde von Seiten des Todtenbeschauers die Leiche nach 36 Stunden zu beerdigen gestattet. Nach.30 Tagen trug sich das Besondere, und das Gefühl des Menschen Beleidigende zu: man fand das Grab ganz offen, nur der Sarg war zu. Die Anzeige wurde sogleich dem Magistrate gemacht, und als dieser den Sarg öffnen ließ, da sah man, daß die Leiche ihrer Sterbekleider gänzlich bis auf die Kopfbedeckung beraubt sei, sogar Tritte wurden auf dem Leibe der Todten bemerkt, das Kind, nicht wie Herr —r so zuversichtlich angab, neben ihr, sondern an der Stelle wie es zu vermuthen war. Es wurde sagleich die Anzeige gemacht, und die Mutter sammt dem Kinde wurden geöffnet. Die erste Bemerkung, welche der Kreisphyst'kus machte/ war : daß die Hände eben noch in .dieser Stellung lagen, wie sie nach jüdischem Gebrauch gelegt werden. Nach gepflogener Berathung schwor er bei seiner Seligkeit, daß sie und das Kind wirklich todt waren. Sie ist am Blutschlag gestorben. Friede ihrer Seele! S4 Lengsfelder, Pred. u. Religionslehrer. Proßrritz, 18. Febr. Der Wohlthatigkeitsstnn, wodurch sich einzelne Mitglieder unserer Gemeinde besonders auszeichnen, und von welchem den Lesern des Orients schon einige Proben bekannt sind, bethätigte sich von Neuem in einem der geachtesten Mitglieder unserer Gemeinde, in Herrn B. Schwarz. Dieser Mann, der mehre Male das Obervorsteheramt bei uns bekleidete, starb vor Kurzem und hinterließ 2000 fl. CM. zu verschiedenen wohlthäcigen Zwecken. Es ist aber traurig und fast ein Mißgeschick für die jüd. Wissenschaft, daß unsere Reichen blos Krankenhäuser, Armenverpflegungsanstalten und dgl. zu den wohlthatigen Zwecken zählen. Unter allen Legaten findet sich selten eines, das die wahrhafte Förderung des-geistigen Lebens oder die Verbreitung des Lichts und der Aufklärung bezwecken möchte. Keinem ist cs noch in den Sinn gekommen, eine Summe zur Errichtung einer Bibliothek der Ncttional-Litercnur oder zur zeitgemäßen Ausbildung einiger jungen Theologen und Schullehrer, was eben so nothwendig und vielleicht noch nothwendiger als die Dotirung der gewöhnlich reichen Spitäler ist, zu bestimmen. Die Antwort jenes griechischen Weisen, daß die Reichen eher fürchten arm und krank als gelehrt zu werdew, scheint auch noch in unfern Tagen ein wahrer Spruch zu sein. Unsere Reichen sorgen sowohl bei ihrem Leben als nach ihrem Tode mehr ,für Armuth und Krankheit als für Bildung und' Gelehrsamkeit. — Ueber die bevorstehende Wahl eines mähr. Landesrübblners werde ich Ihnen bald einen ausführlichen Bericht erstatten. Perfönalchronik «rid Miseellen. „Däß das Glaubensbekenntniß der Handwerker kein Hin-., derniß sein dürfe, um in den Aunftverband ausgenommen zu werden, bedarf heut zu Tage wohl keiner Ermahnung. Welche, religiöse Ueberzeugung aber der Bürger auch habe, daß er eine habe, das liegt im Jntiireffe des Staates. Ich würde daher dem christlichen Meister nur christliche, dem jüdischen Meister nur jüdische gestatten (!), — Ich weiß, daß ich viele Gegner finden und es in manchen Gegenden noch große Schwierigkeiten verursachen würde, besonders wo manche Gewerbe bloß noch in Händen der Christen sind; würde auch manche Ausnahme gestattet, von den obigen Gründen aber nicht abgehn, denn nicht obgleich, sondern weil ich ein Christ bin, ist mir der gläubige Jude viel lieber als der ungläubige Christ." — (Polytechnisches Archiv 1842. 24. Der. No. 52.) Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel,