Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1843)
- Article
- Posen : Ueber Bruno Bauers Judenfrage ... [Nachricht]
- Date
- 1843-03-14
- Page
- Seite 87 (sequence 2)
- Language
- German
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87 ttJ&cbe das für Jedermann genügen; ein Aeugniß über seine Kenntnisse, sein Wirken und seine Bildung in „allen" Richtungen brauchen aber wahrlich, wer sie auch sein mögendiese Herren nicht einem Manne, wie Dr. G., auszustellen. Ich schätze übrigens Dr. G., den ich persönlich kenne, sehr hoch, und habe dies in meinem Urtheil zu besagtem Gerücht deutlich dargethan. Die gerechte Zurückweisung jeder Verleumdung kann mich daher nicht treffen. — Isaak Bor chard, unserer Provinz entsprungen, benutzt die Vossische Zeitung zu Artikeln, die er einsendet, um sich recht lächerlich zu machen. Auch in einer Nachbarstadt Schw. hat er sich zur Annahme eines Rabbinats bereitwillig erboten. Man erzählte mir einst, daß er vor vielen Jahren sich um das Berliner Oberrabbinat beworben. Die Artikel in der Voss. Zeitung haben übrigens der Seltenheit wegen Aufsehen erregt, und in Schlesischen wie Posenschen Provinzialblättern Platz gefunden. Neuerdings hat er einrücken lassen: daß er Obercabbiner im Lubbener Kreise geworden sei. Der Mensch scheint verrückt u. nicht ganz bei Sinnen zu sein, und die ihn mystificiren sind charakterlos. Würde' 'doch ein gleicher Scherz in andern Confessionen n i e geduldet werden, wie er aus Schicklichkeitsgefühl auch nie vorkommt. — Der Rabbiner in Schmiegel, der in der rabbinischen Literatur nicht ohne Verdienst genannt wird, ist zum'Rabbiner in Fordon gewählt worden; wo der frühere vor etwa sechs Monaten gestorben ist und zwar in einem sehr hohen Alter. — Hohenems, 1. Marz *). Da ein hiesiges Haus eine Handlung in Smyrna hat, so bin ich von dem dort am 29. Juli 1841 stattgehabten Brande unmittelbar benachrichrichtigt und aufgefordert worden, wich für die außerordentlich verunglückte israelitische Gemeinde zu verwenden, was ich auch that, und zwar nicht überall ohne Erfolg. Unter Andern schrieb ich auch deshalb an meinen Freund, Herrn Distriktsrabbmer Dr. Adler in Kissingen, ihn auffordernd, in seinem Distrikte eine Sammlung zu veranlassen.- Dieser suchte bei seiner Kreisregierung um die Erlaubniß nach und berichtete mir endlich in einem Schreiben vom 11. Febr. 1842, daß von der Regierung für den Kreis Unterfranken eine Collekte angeordnet wurde, deren Erfolg im Betrage von ' 359 fl. ihm bereits zugestellt worden, wozu er noch 22 fl. erwarte, und verlangte von mir umgehend die Anzeige, wie er mir jene Summe am Besten übermachen könne. Ich ließ ihn natürlich nicht lange auf eine Antwort warten, und doch vergiSgen Monate, ohne daß mir etwas zugeschickt wurde- Auf meine dringende Anfrage erhielt ich den Bescheid, daß das Geld noch nicht verabfolgt werden dürfe, weil es mit nachfolgendem Regierungsdekret ihm zugestellt worden: „Im Namen Sr. Maj. *) Rus einer brieflichen,. n i ch t für die Oeffentlichkeii bestimmten Mittheilung des Hrn. Rabb. A. Kohn. Red. — Das königl. Landgericht erhielt in der Anlage 359 fl. 15 kr., welche für die durch Brand in Schmyrna verunglückten Israeliten an das diesseitige Expeditivnsamt eingesendet worden sind, mit der Weisung, dieses Geld dem Distriktsrabbiner Dr. Adler mit der Eröffnung zu behändigen, daß dessen Versendung durch den Rabbiner zu Hohenems genehmigt sei, Dr. Adler sich jedoch durch eine vom k» k. österreichischen Consulate legalisirte Quittung über die richtige Ablieferung des Geldes bei der unterfertigten k. Stelle 'auszuweisen habe. — Zugleich ist demselben zu bemerken, daß wegen eines weitern Beitrags zu 22 fl., den die Israeliten zu Memmelsdorf leisteten, an das kön. Ministerium des Innern berichtet worden sei, er sohin bic Absendung des Geldes bis auf Weiteres noch zu unterlassen habe, da die etwaige separirte Nachfendung dieses Betrages zu umständlich und kostspielig sein würde. Königl. Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg. Kammer des Innern. Graf Fugger." Hr. Dr. Adler fügte damals (im Arrg. 1842) hinzu, daß er täglich die Weisung zur Absendung erwarte, deshalb bei dem königl. Landgerichte schon Erinnerung gemacht und es auch bei der königl. Regierung thun werde. Aber noch habe ich bis zur StundeNichts erhalten. Dees den, 3. Marz. L. A. Z. Bei den jetzt stattgefundenen Kammerverhandlungen über die Erweiterung der Rechte der Juden in msserm Lande, wobei über die geringe Neigung derselben zu Handwerken oft Klagen gehört wurden, ist es gewiß nicht ohne Interesse, hier eine Uebersicht des Gedeihens eines Vereins zu geben, die den hiesigen Juden ein Aeugniß vom Gegentheile darzubieten geeignet ist. Am 10. Sept. 1829 wurde von achtbaren Männern der Judengemeinde zu Dresden zum Andenken an den Philosophen Mendedelssohn der Mendelsfohnverein gestjftet, welcher zum Zwecke hat, die Erlernung von Künsten und Handwerken zu fördern und zu unterstützen. Trotz der Kleinheit der Gemeinde wurde dennoch seit der Stiftung des Vereins bis zum Schlüsse des Jahres 1842 der Betrag von 1829 Thlrn. 15 Ngr. zur Beförderung nützlicher Thatigkeit bei der hierländifchm israelitischen Jugend verwendet, und es sind hiervon namentlich 1148 Thlr. für Erlernung von Handwerken, 490 Thlr. 15 Ngr. zur Unterstützung hilfsbedürftiger Gymnasiasten und Studirender und die übrige Summe für Erlernung bildender Künste und der Mechanik verausgabt worden. Seit 1829 hat dieser Verein 37 Jünglinge unterstützt, wovon 22 als Handwerkslehrlinge aufgedungen wurden, 10 eine freie oder technische Kunst erlernten' und 5 den Wissenschaften sich widmeten. Unter den jüdischen Handwerkern Dresdens sind Schneider, Instrumentenmacher, Tischler, Messerschmiede, Buchbinder, Schuhmacher, Korbmacher, Holzbildhauer, Gürtler, Täschner, Tapezierer, Schlosser rc., und man sieht hieraus, daß die Vorwürfe