Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-03-07 · Heft 10 (7.3.1843) · p. Seite 76

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 10 (7.3.1843)
Article
Schwerin: Fortschritte des Schulwesens
Date
1843-03-07
Page
Seite 76 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360256-2360267-2368624--3078-2368657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

76 - namentlich: zur Errichtung eines Seminars zur Ausbildung inlandlicher Schullehrer wird, wenn sie — was wir hoffen zu dürfen glauben — gewahrt wird, diesem Ueb.elstande am Gründlichsten abhelfen. Eine vom Oberrathe entworfene, der hohen Landes- Regierung zur Prüfung und respektive Genehmigung vorliegende Gemeinde- und Synagogenocdnung wird dem Gemeinde- und Kirchenwesen mit der göttlichen Hilfe eine sichere und feste Grundlage gewinnen. Dies ist eine kurze aber treue Darstellung des faktischen Zustandes, zu der. wir uns zur Vermeidung von Irrungen und Mißverständnissen veranlaßt fühlen, und da wir alljährlich einen ofsiciellen Bericht über den moralischen, religiösen und kirchlichen Zustand der Gemeinden zur Regierung abzustatten haben, so bieten wir Hrn. C. C. oder sonst einem andern Berichterstatter die Mittheilung der amtlich als (reu verbürgten Ergebnisse mit Vergnügen an. Dr. S. Hold heim. Posen, im Februar (Monatsbericht). Aus unserer Provinz bleibt nach wie vor nur sehr Unwesentliches zu berichten, da das politische Element, nach dem bereits das merkwürdige Aktenstück in der L. A. Z. zur öffentlichen Kenntniß gekommen, hier wie in ganz Preußen ohne Bedeutung ist. In Bezug auf das Aktenstück, das von Seiten der Behörden nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war, wundert man sich hier allgemein, daß es im Orient, der hier gern' gelesen wird, keinen Platz gefunden; wir hatten gern eine Polemik oder unparteiische Besprechung desselben gewünscht. Das Hauptthema aller Mittheilungen von hier ist das 'Schulwesen und die neue Gestaltung des Rabbinenthums, von welchen Letzteres erst im Werden begriffen ist. Was das Schulwesen anlangt, so steht die isr. Waisen-Knab'en-Anstalt, welche, wie ich berichtet, durch den Tod des Freiherrn Fr. Heinr. Ernst von Kottwitz einen so empfindlichen Verlust erlitten, oben an, und zwar vorzüglich durch den trefflichen Sinn, der die Direktion dieser Anstalt beseelt, was sich von der andern Schule hier, die einst so trefflich war, leider nicht sagen laßt. Es wäre im Interesse der Schule, wenn ein unpartheiischer und berufener Correspondent von hier über das Schulwesen in unserem Großherzogthume einen ausführlichen Bericht abstatten möchte, wenn auch nur, um sie aus der Lethargie, aufzurütteln. Der Beschluß der Direction der Waisen-Anstalt, im Hauptzimmer das Bildniß des^ fei. v. Kottwitz aufzustellen, wissen Sie bereits mnd die öffentliche Ausschreibung nach einem Erzieher und'Aufseher wird das Gesagte von dem freiern Wesen der Direction bestätigen; nur ist es zu bedauern, daß die Anstalt noch-immer nicht so gestellt ist, daß durch gute Gehalte, gute Lehrer und Erzieher herbeizuziehen möglich sei. — Das moderne Rabbinerwesen entwickelt sich bei uns in raschen Schritten, obgleich die Hauptstadt der Provinz nicht gerade das beste Beispiel gegeben, aber man muß es tief bedauern, daß Einige oder vielmehr nur Einer — ich meine Hrm Gebhard -- so viel Lärm von sich macht oder machen läßt, daß er das Rabbinerthum mit der Universitäts-Carrmre ganz in Mißkredit bringt. Diese Lobhudeleien, von welcher der Orient frei war, ohne deßhalb Hrn. Dr. Gebhardt minder zu achten, wie: geistliches Oberhaupt, das befähigt ist, „die Funktionen eines Baal Horaah im weitesten Sinne des Wortes zu verrichten", der, „von allen berühmten Rabbinen eine Semicha hat", den „alle durchreisende Talmudisten für Abaje we-Raba hält", sind zu lächerlich, höchst abgeschmackt und kindisch, als daß sie nicht bei dem Publikum gerade eine entgegengesetzte Meinung bilden sollten, und doch verdient es Hr. G. nicht, daß eine schlechte Meinung von ihm sich verbreiten soll. Sein schönes Streben, seine treffliche Anlage zum Predigtamte, seine Regsamkeit, die ihn auch für wissenschaftliche Arbeiten befähigen, sind wahrlich mehr werth, als daß entweder er in eigener Verblendung oder seine Lobhudler solche zur Carrikatur machen. Es giebt auch unter den-alten Rabbinern Männer von Gelehrsamkeit und guten Werken, die nicht nur nicht die disperate Verachtung des Hrn. Dr. G. verdienen, sondern deren Wirksamkeit in jeder Beziehung der seinigen gleichgestellt zu werden verdient, und es giebt moderne junge Rabbiner, die zwar weniger gelobhudelt, weniger beweihraucht werden, aber die an jeder Rabbinertugend ihn überragen. Alle jene bezeichneten Lobhudeleien, abgesehen davon, .daß sie reine Unwahrheiten sind, und noch obendrein sehr lächerliche, machen ja nicht das Wesen des Rabbiners aus und eben darum sollten die Freunde des Hrn. G. ihn damit verschonen, und von den andern jungen Rabbinen des Herzogthums bescheidenere Phrasen lernen. Mähren und Ungarn. Pvoßnitz, 14. Febr. Ihr Correspondent aus Nikolsburg, der unsere rechtlichen Zustande, wenn man solche Zustande als rechtliche bezeichnen kann, schilderte, vergaß einen der allerschönsten Beweise für die hohe Weisheit unserer Gesetzgebung und für die Musterhafte Religiosität, auf. die . sie basirt ist, anzugeben. Dieser Beweis ist.aus dem tz. 28 des Patents vom 15. Sept 1798 zu holen. Dort wird allen mährischen Rabbinen auferlegt, um die jüd. Unterthanen —. um deren Seelenheil die Regierung so ängstlich besorgt ist — zur , gehörigen Entrichtung des Verzehrungsaufschlages auch durch die Kraft der Religion zu bewegen, den großen -Bann gegen diejenigen zu schleudern, welche den von kaiserlicher Milde athmenden Gesetzen über die jüdische Magensteuer zuwider handeln! Man steht wohl, daß wir in einem katholischen Staate leben, wo auch das Oberhaupt der Christenheit noch Bannbullen schleudert, und unsere Rabbiner haben demnach nicht über Mangel an 'Ansehen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.