Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1843)
- Article
- Hamburg : Kleinlicher Triumph der Missionäre [Nachricht]
- Date
- 1843-02-28
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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70 erklärt haben, als es die Lehrfreiheit galt, eben so entschieden müssen wir ihn jetzt .der gänzlichen Verkennung des Wesens aller Religion., aller Freiheit und aller Geschichte zeihen. .Dieselben Juden, die für alle Lockungen des Christenthums taub blieben, sollten sich auf einmal zum philosophischen. Radikalismus wenden und sich demüthig vor ihm beugen? Wir erkennen Bruno Bauec's Unerschrockenheit und Consequenz an, aber wir begreifen nicht, wie er es meint, daß die Juden jetzt und so lange thun sollen, bis sich die Christen, oder wenigstens die.Majorität derselben, oder doch die Machthaber zu seiner Ansicht bekannt haben werden. SOißtlt J, 10. Febr. Der größte Theil des Inhalts einer kürzlich erschienenen Schrift, „die Beitrage zur Beurtheilung der neuesten Literatur", von August Boden. (Mainz 1843. XVIII. und 144 S. 8.) hat zwar speziell für Juden kein Interesse; indeß ist dies ' mit dem letzten Abschnitt derselben, über, die Emancipation der Juden allerdings nicht derFall. Eine genauere Analyse dem-Literaturblatte des. Orients überlassend, bemerke ich vorläufig nur, daß „Herr Boden (ein Christ) auf Seite 110--144 seines Merkchens Harrmann's „Grundsätze des orthodoxen Judenthums mit Beziehung auf des Hrn. Dr. Salowon Sendschreibens" (Rostock 1835) und zwei Schriften des Hrn. Dr. Riesser, nämlich: „Einige Worte über Lessing's Denkmal (Franks, a. M. 1838. 32 Seiten) und dessen „jüdische Briefe" (Erstes Heft. Berl. Veit u. Comp. 1840, ausführlich bespricht, oder vielmehr seine früher in den Zeitschriften enthaltenen Urtheile über dieselben noch einmal abdrucken laßt. Boden erklärt sich für Salomon, gegen Hactmann und für Riesser gegen Menzel und Psi'tzer. — Treffend ist, wie Boden Salomons Ansichten durch ein aus Schleiermachers Predigten genommenenes Beispiel erläutert und rechtfertigt; noch treffender aber ist, was Boden über Lest sings Lustspiel „die Juden", dann über den Tadel desselben (in den Gotting, gelehrten Anzeigen) durch Joh. David Michaelis, ferner über Lessings Vertheidigung gegen diesen (1754) und über den Brief Moses Mendelssohns an Dr. Gumpertz, der sich auf diese Angelegenheit bezieht, überall im Sinne der Emancipationsfreunde vorbringt. Frnnkfrrrt a. M., 15. Febr. Von Herrn Dr. Lippmann, dem rühmlichst bekannten Kommentator der grammatischen Werke des Jbn Esra, befindet sich gegenwärtig unter der Presse VT» DSty -'D von Jbn Esra mit einem Kommentar, unter dem Titel btyl!?J, in dem er den sehr fehlerhaften Text der preßburger Ausgabe emendirt und fast alle schwierigen Stellen dieses Werkes gründlich erläutert. Außer dm Hilfsquellen, die er aus seinen linguistischen Kenntnissen, verbunden mit einer außerordentlichen Belesenheit in der jüdischen Literatur, schöpfte, stand ihm noch ferner hierbei zu Gebote die Machberet von Dunasch, welche Hc. Du- J kes die Güte hatte ihm mitzutheilen, und die er so trefflich zur. Erklärung mancher schwierigen Stelle benutzte. Zn einer deutschen Einleitung wird der Herausgeber die grammatischen und exegetischen Leistungen des I. E. kritisch besprechen, und manche bemerkenswerthe Notiz über Dunasch und Saadias beifügen. Wir. können vorläufig nur den Wunsch ausdrüchen, daß sich" die verdiente Aufmerksamkeit dieser Arbeit durch eine, belohnende Abnahme bethätigen möge*). K—m. Hannover, 15 Febr.' Wir haben in Ihrem geehrten Blatte v. 31. v. M. mit Befremden gelesen, wie lieblos Ihr Correspondknt in London unfern Landrab'b. Hrn. Dr. Adler beurtheilt. Wir brauchen die Motive, die ihn veranlassen, sich so gehässig über denselben zu äußern, nicht hervorzuheben, sie werden ohnehin jedem Unbefangenen klar. Wir wünschen aufrichtig, daß die beiden Candidatrn, welche Ihr Berichterstatter als die Würdigen bezeichnet, des Lobes würdiger fein mögen, als der Dr. Adler des Tadels. Wir halten uns indessen verpflichtet, dem Hrn. Dr. Adler unaufgefordert und vielleicht gegen seinen Willen, das öffentliche Zeugniß zu geben, daß er seit 12 Jahren in unserer Gemeinde unablässig bemühet ist, das Gute zu fördern, daß er unsere Schulen geordnet, den Gottesdienst in unfern Synagogen verbessert und in Frieden üyd Eintracht seine Gemeinde leitet. Wer die herzlichen und gehaltvollen Vorträge unseres Rabbiners gehört hat, wird ihm gediegenes Wissen, ausgezeichnetes Talent und, wer seinen musterhaften Wandel kennt, wahre Tugend und. Religiosität gewiß nicht adsprechen. Daß er unablässig bemühet ist, zum Wohte der zahlreichen Glaubensgenossen unseres Landes zu wirken und ihm seine Kräfte opfert, und nicht in den starken Kämpfen der Parteien sich einen Namen erwerben will, danken wir ihm und freuen uns um so mehr, daß dennoch und trotz der ungerechten Schmähungen, auf ihn *) Dem Unterzeichneten, liegt so eben der erste gedruckte Bogen dieses Commentars in rabb. Schrift, stehend unter dem in Quadratschrift abgedruckten Texte, vor Augen, und nach genauer Prüfung dieses Probebogens halte ich diesen Commentar G an Na'ul für den besten und wissenschaftlichsten, der je über Ihn Esra's grammmatische Schriften erschienen. Schon m der Commentirung des Zachot und des Safa Berura von Jbn Esra hat Hr. Dr. Lippmann seine ausgebreiteteten Studien in den grammatischen und exegetischen Schriften dieses Heros bewährt; in dem erwähnten Commentar aber sind noch außerdem diejenigen Studien benutzt, welche die rasche Entwickelung unserer Literaturstudien darbietet. Ich wünsche, daß das jüdische und christliche Publikum, welches für die unübertrefflichen Schätze des jüdischen Atterthums noch einen reinen Sinn bewahrt und welches noch gar nicht so aufgeklärt ist, um für Alles Geld zu haben, nur .nicht für die Gaben des Geistes, durch vielfachen Ankauf dieses Werkes die so reichlich darauf verwendete Mühe des Commentators belohnen, möge. Furir.