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Der Orient · 1843-02-28 · Heft 9 (28.2.1843) · p. Seite 69

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 9 (28.2.1843)
Article
Berlin : Generalversammlung des Culturvereins [Nachricht]
Date
1843-02-28
Page
Seite 69 (sequence 2)
Language
German
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69 es, daß der in neuerer Zeit gar hart angefochtene Dr. I. I. Sachs die Klagelieder Jeremias gewann. — Bei dem der Sitzung folgenden festlichen Abendessen wurden dem A. Brock, als Stifter des Vereins, und dem Dr. Zunz als Directoc desselben, Toaste von den Herren Jonas (W. John) und I. Lehmann ausgebracht. Herr Lessec (L. Liber) ermahnte durch eine Geduldprobe - (die bekannte Hillelsche) zum geduldigen Ausharren und Wirken, Hr. Dr. Remak zeigte in begeisterten Worten, wie die innere und äußere Regeneration des Judenthums mit den allgemeinen Freiheilsbestrebungen der Zeit in innigem Zusammenhänge stehen, und brachte Allen, die der Freiheit des Wortes und des Gedankens Raum schaffen ein freudiges Hoch. Meine Würdigung der Parteiumtriebe in Bezug auf die hiesige Rabbinerwahl (Nr. 6 d. Orients) hat in den Getroffenen den Verdacht rege gemacht, der Gemeindevorstand habe sich mit Ihnen attiirt, um so jenen Anfeindungen kräftiger widerstehen zu können. Etwas der Art findet sich in einem eingesandten Artikelchen der Vossi'schen vom 11. d. M. ausgesprochen. Schließen Sie daraus auf die Urteilsfähigkeit jener Oppositionsführer. , Hamburg, 16. Febr. Wir hören," daß von verschiedenen Seiten Entgegnungen auf Bruno Bauers „Zur Judenfrage" vorbereitet werden. Es wäre zu wünschen, daß die Kräfte der Kampfenden sich nicht allzusehr zersplitterten. Aus zuverlässiger Quelle stammt die Nachricht, daß in Leipzig bei Hunger eine Schrift des Rabb. Dr. Samuel Hirsch (früher in Dessau) unter dem Titel: Das Judenthum und die moderne Kritik. Briefe über die Judenscage von B. Bauer, in Kurzem erscheinen werde. — Vieles wird man christlichen Federn zu widerlegen überlassen können. — Wir werden von Zeit zu Zeit einzelne schwache Seiten der Bauerschen Ansicht hervorzuheben fortfahren. So bleiben u. A. die Fragen, ob die Majorität oder die Minorität zum Entgegenkommen mehr verpflichtet sei, und was geschehen solle, wenn Keiner vorwärts, oder der eine Theil gar rückwärts gehen will, von Bauer unbeantwortet. Vergißt denn B. ferner ganz, daß auch Lessing Skeptiker war und doch' bürgerliche Gleichstellung der Juden in Schutz nahm? Wie weit hatte sich wohl die Hegel'sche Philosophie ohne das Vorangehen eines Lessing überhaupt Bahn gebrochen? Und ist denn kein Unterschied zwischen einem Christen, dem man bei seinem Eintritte in den Staatsdienst kein Glaubensbekenntniß abfordert und einem Juden, dem man jeden Weg zum Staatsdienste versperrt und der also schon jetzt den Nachtheil erleiden muß, der den Christen erst bei einer provocirenden Verleugnung aller Religion treffen würbe? Hamburg, 15. Febr. Am Morgen des löten Febr. starb in St. Pauli, einer der Vorstädte Hamburgs, der dortige Armenarzt, Dr. Jul. Heine,*) der kürzlich auch in die Verwaltung der daselbst bestehenden Sparkasse gewählt worden war. Der Verstorbene gehörte einer sehr zahlreichen und achtbaren jüdischen Familie Hamburgs an, und wird wegen seiner geselligen Tugenden sowohl, als wegen seiner treuen Berufserfüllung, und seines frühen Hinscheidens allgemein und innig betrauert. Dr. Jul. Heine war einer von den ersten Juden, die sich, noch vor dem durch Rathu. Bürgerschluß erlassenen Gesetze vom 1. Decbr. 1842, in der Vorstadt niederließen, und wurde trotz seiner Confession und seines noch jugendlichen Alters bald der Auszeichnung theilhastig, die Armenpraxis daselbst zu erhalten. Auch seine christlichen Collegen und Universitatssreunde waren ihm sehr zugethan, obgleicher seine Sympathie für das Judenthum niemals verlaugnete. . > Hambneg, 15. Febr. (WB. v. 6—14. Febr.). In neuester Zeit wird von Missionären und anderen Bekehrern von einzelnen Uebertritten gewaltig viel Aufhebens gemacht. So lasen wir von der Apostasie einer Israelitin, die vom Prediger Kuntze in Berlin bei Gelegenheit von „Bischof Alexandes Stuhlfeier ° in Berlin getauft worden war. Dadurch sollen die fruchtlosen Anstrengungen in Palästina selbst einigermaßen verdeckt werden. — Der Prediger Kuntze soll in 42 Jahren 150 Proselyten der evangelischen Kirche zugeführt haben.. Brutus hat's gesagt — ich muß um Entschuldigung bitten, die Bert. Allgemeine Kirchenzeitung berichtet es — und — wir müssen's glauben. Auch der am 7ten Februar in der Jakobikirche zu Hamburg erfolgte Uebertcitt eines angeblich von seinen Verwandten verfolgten und für wahnsinnig erklärten Pferdehändlers Nathansen mit Frau und 2 Töchtern, ist seit 2 Wochen von mehreren Lokalblättern ausposaunt worden. Und , nun soll auch die Schauspielerin Rachel, wie es heißt, auf lebhaftes Zureden der Königin der Franzosen, zum Abfälle geneigt sein. — Es ist fürwahr weit gekommen, wenn Königinnen um eine Seele werben müssen. -— Aber wozu soll alle diese Mühe! Bald wird es ja keine Juden und keine Christen mehr geben. •— Bruno Bauer, der doch sonst mit den Propheten auf keinem vertrauten Fuße steht, tritt mit dieser Prophezeiung kühn und sicher auf. Schade nur, daß er ohne Weiteres die Existenz des christl. Staates einraumt, was weder Nu pp noch Raumer gethan haben — noch wir zu thun Willenssind. Der christliche Staat war da — in den Zeiten der pabstlichen Allgewalt. — Johanna ging und kehret nimmer wieder. — Nein, fürwahr, so entschieden wir uns an einem andern Orte für Bruno Bauer *) Dr. Iul. Heine war erst etwas über 25 Jahr alt und nicht viel über 2 Jahre praktischer Arzt. Seine Vorbildung genoß er im Hause des würdigen Herrn Ehrenberg in Wolfenbüttel und auf dem Gymnasium daselbst.

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