Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1843)
- Article
- Berlin : Klage über Preiserhöhung des koschern Fleisches [Nachricht]
- Date
- 1843-02-28
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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68 nicht aus der Gemeindekasse besoldet würden/ obwohl sie 16,000 Thlr. jährliche Einkünfte hat. Berlin, 14. Febr. Mit Verwunderung haben wir hier gelesen, daß einer Ihrer würdigen Correspondenten es werth erachtet hat, jene „eingesandte" verrückte. Notiz Borchhardt^s unter dem Namen Barett! aus London in der Vossischen Zeitung, Ihnen mitzutheilen. Hier hat man sich gar nicht „mit Staunen umgesehen" nach dem unbekannten Licht, man wußte allgemein, daß Borchardt dieses Selbstlob über sich hat eincücken lassen;, de^nn bei der Beschränktheit dieses Mannes und seinem fast blödsinnigen Hochmuth ist so was leicht zu erwarten. Auch fand sich kurz darauf ein scherzhaftes Gedicht in derselben Zeitung, das Barett! mit Borchardt identisicirt. Da man indessen in Folge des glaubwürdigen Attestes eines berühmten Ge-' lehrten allgemein wußte, daß B. nicht soviel deutsch verstehe, um diese Paar Zeilen zusammenzustoppeln, so suchte man und fand bald in der Person des Herrn L. Dr. den Verfasser, der für Geld und gute Worte von Seiten B. , sich zugleich den Spaß machte, sich über seinen Clienten lustig zu machen. Es ist dieses allerdings ein sehr ungebührlicher Scherz und verrath eine gewissenlose, leichtfertige Gesinnung über das Würdigste, wenn man zu einem der höchsten Aemter in der Sphäre des jüdischen Glaubens einen Menschen wie B. zum Candidaten öffentlich zu nennen wagt, und dabei manchen gutmüthigen Menschen icreführt. Denn es ist dieser Mensch hier so allgemein verrufen, man kennt sein früheres und sein jetziges Leben, daß es wie das seiner würdigen Ehehälfte, die einige Monate zu spät Hochzeit machte, wohl keiner öffentlichen Besprechung in würdigen Blättern werth ist, und war sicher sehr indignirt, einen solchen Menschen einem Maimonides gleich und zur Seite gestellt zu sehen; denn der Uneingeweihete verstand doch nicht die tiefere Ironie. Es hat dabei wenigstens das Eine beruhigt, daß er sich selbst nach diesem Bericht zur Candidatur gemeldet haben soll, vorläufig also nur er selbst sich dazu würdig hielt, die Gemeinde aber ihn gar nicht beachtet hat; denn sonst müßte, wie dies bei ähnlichen Stellen'der Fall ist, die Gemeinden von selbst die Candidaten zu solchem Rabbinate kennen und auf sie aus freien Stücken reflectiren. Auch hat der Anfang dieses dummen Artikels schon von vorn herein das Lügenhafte an der Stirne tragend, sich verrathen, weS Geistes Kind er sei. Bezeichnet er doch alle 18 Candidaten als solche, die sich gemeldet hätten, und behauptet zugleich, daß auch Dr. Hirschfeld, der, zufällig wie er, ein Preuße ist, sich um das Rabbinat beworben habe, und somit zwei Candidaten. aus Preußen seien. Es ist aber eben so wenig wahrscheinlich, daß alle Candidaten dieser Stelle sich darum beworben hatten, als es wahr ist, daß Dr. Hirschfeld oder für ihn sein Schwiegervater sich gemeldet; denn ich weiß es aus sicherer Quelle, daß bis jetzt seinerseits auch nicht ein Schritt an die Gemeinde gethan wurde, und sie, die diese Zeilen in dortigen Blättern wahrscheinlich mitgetheilt erhalten wird, wird die Wahrheit"meiner Worte nicht in Abrede stellen. Meine ausdrückliche Berufung auf die dortige Gemeinde, als Steuer der Wahrheit mag nebenbei dem Dr. H. zu seiner ihn ehrenden Rechtfertigung dienen. — Der Red. der Bossischen Zeitung indessen, die doch mit Glück und Erfolg strebt, eine achtbare Stellung unter den deutschen Blättern einzunehmen, wäre es doch zu rathen, selbst über ihren Anzeiger etwas mehr zu wachen. Hat doch der Scandal über die kienenen Spinde diese Zeitung im Auslande nicht sonderlich in guten Geruch gebracht, und die Aufnahme aller und jeder Verleumdung und Verdächtigung, wie die über die Besetzung des Rabbinats hieselbst, wie aller und jeder Verrücktheit, sollte gar nicht oder doch mindestens nur bei den marktschreierischen Bekanntmachungen der schachernden Welt gestattet sein, keineswegs aber unter solchen Anzeigen, die noch immer ein allgemeines, richtiges und hohes Interesse darbieten. Geschieht dies aber nicht, so sollte man ein für alle Mal von solchen -und ähnlichen Notizen gar keinen weitern Gebrauch machen, und sie, gleichwie wenn sie in irgend einem Klatschblatt ständen, keiner Beachtung würdigen; sie würden dann ob ihrer gänzlichen Bedeutungslosigkeit von selbst aufhören, und dies würde freilich nicht zum großen Verdienste der Zeitung angerechnet werden. — Fr. 11 14. Febr. Am 8. d.M. fand die jährliche Generalversammlung des hiesigen israelitischen Cultur-Vereines statt. Der Direktor Dr. Zunz gab in einer höchst gehaltvollen Rede eine Uebersicht der Leistungen, welche im verflossenen Jahre vom Verein ausgegangen, und nahm Gelegenheit kräftig darauf hinzuweisen, daß durch den jährlich von den Mitgliedern gezahlten Beitrag die eigentliche Pflicht der Mitgliedschaft und Teilnahme am Vereins noch nicht abgethan sei, sondern daß es sich vielmehr um ein thätiges Interesse an allen Bestrebungen der Kunst und Literatur innerhalb des Judenthums handele, das ein Jeder, so weit sich ihm die Gelegenheit darbietet, praktisch zu bewähren habe. — Die statistischen Angaben, welche jener Vortrag lieferte, werden Sie am Besten aus dem nächstens erscheinenden Jahresberichte des Vereins ersehen. — Höchst zweckmäßig war diese Versammlung eben so wie die vorjährige öffentlich, wodurch Vielen Gelegenheit geboten wurde, den Verein in seiner Thätigkeit kennen zu lernen und sich so zum Anschluß an denselben veranlaßt zufühlen. — Von den nach den Statuten ausscheidenden Mitgliedern des Vorstandes wurde nur der Dr. Rubo nicht wieder gewählt. Die Sitzung schloß mit der Verloosung der vom Verein erworbenen Bücher und Kunstsachen, unter denen sich manches Werthvolle befand. Als eine seltsame Ironie des Zufalls erscheint