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Der Orient · 1843-02-21 · Heft 8 (21.2.1843) · p. Seite 61

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 8 (21.2.1843)
Article
Proßnitz: Landrabbinat ...
Date
1843-02-21
Page
Seite 61 (sequence 2)
Language
German
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— 61 — es möchte nur Zwiespalt und Streit bringen, die wahrlich nicht heilbringend sein können. —Geschwächt würde aber die Macht der gewappneten Talmudhelden werden, wenn aus jeder Gemeinde die Erleuchteten — nicht vom Glanze des Goldes —-, und mit dem Wohl und Weh der verschiedenen Gemeinden Vertrauten gewählt. würden, um den künftigen Landrabbinec, oder eigentlich den Vertreter der mährischen Juden nach Innen und nach Außen, zu designiren. Denn nicht blos casuistische Fragen zu beantworten wird Einer an die Spitze des Landes gestellt, sondern um die Gesammtverhaltnisse der Juden zu überblicken, sie zu ordnen und zu verbessern, was aber leider bis jetzt noch kein Landrabbiner erstrebt, geschweige bewirk! hatte. — Zu meinem vorigen Berichte über unsere Gemeindeverhaltnisse habe ich noch hinzuzufügen, daß die Herren Orthodoxen durch ihre Ansprüche auf Betstellm im alten Bet ha- Midrafch die vollkommene Einrichtung eines Tempels hindern, und daß unser würdiger Rabbiner, Hc. Fasset, sich dennoch nicht stören läßt, einen geregelten Gottesdienst in der Synagoge einzuführen. — Den jungen Leuten, welche den Ehor bilden, sowie den Herren Schreiber und Kramer, welche sich große Verdienste um denselben erworben, statten wir-unfern Dank ab. — Rühmenswert!) ist ferner auch unser wohleingerichtetes. Hospital, sowie der Handwerksverein, welcher seit dem Jahre 1838 ins Leben getreten ist. — Möchten sich doch die mährischen Gemeinden Proßnitz zum Muster nehmen! Galizien. Zolkretv, 26. Jan. Bei der Berücksichtigung, die Sie in Ihren jetzigen bibliographischen Arbeiten über die gesammte jüdische Literatur den Ausgaben hebräischer Werke in Zolkiew und Lemberg, die sich auf 200 belaufen, schenken, halte ich cs für meine Pflicht, Sie auf das Verfahren der russischen Druckereien mit den Werken der jüoischen Literaturaufmerksam zu machen. Die meisten Drucker und Editoren bis zu dem bekannten Ukas, ,nach welchem sammtliche Druckereien bis auf die zn Wilna geschlossen wurden, gehörten zu den Ehasidim und diese erlaubten sich nach unverantwortlicher Willkühr eine eigene Censur, um das, was ihrem Systeme der Verfinsterung, ihrer Partei nicht zusagte, wegzulassen oder gar eigene Interpolationen einzuschwarzen. Dieses traurige Schicksal haben die besten Werke unseres Alterthums erfahren, und wenn es auch einerseits überflüssig ist, mit dem schmutzigen und verderblichen Fanatismus der Chasidim zu rechten , so halte ich es doch für nölchig, hierauf aufmerksam zu machen, damit der Literarhistoriker ohne Vergleichung mit älteren Editionen in der Benutzung dieser nur sehr behutsam sei. Keine einzige Gutachtensammlung (nmcym ntaw), welche in den russischen Druckereien erschienen, blieb, wie gesagt, von der Verstümmlung verschont; in den Rechtsgutachten des R. Bezalel Aschkenasi (Venedig 1590. f.), welche in Sidilkow 1834 f. überdruckt wurden, fehlt z. B. das dritte Gutachten von David den Simri in Betreff der Karäer, und in gleicher Weise habe ich verstümmelt gefunden ,:nD:ipnD tfh npt^v bn ,brn niW ,M.i cm mn ,Wno bS rüi ,ndS ■,mnn nm , ^vptnv noto u. ft w., die sammttich ohne Benutzung älterer Ausgaben nicht zu gebrauchen sind., Mit dem erwähnten Ukas hat dieser Unfug natürlich seine Endschaft erreicht und es ist kein Wunder, wenn die gebildeteren Juden Rußlands diese Regierungsmaaßregel, so drückend sie auch ist, mit Freuden begrüßten. Die vorzüglichsten Druckereien vor Erscheinung des Ukases waren in den russischen Städten Grodn o, Dubno, Schiromir (am Teterow), Berdyczew, Miedzyboz, Brzesc Litewski, Korzez (Korez), Slawitta, Ostroh, Minkewitz, Polnah u. A., obgleich fast in jeder Stadt eine war. — Zu den Schriften, welche über die Blutbeschuldigung handeln, und derer in dem Oriente mehr oder weniger Erwähnung geschehen, gehört auch die treffliche Arbeit unseres Kreisrabbinecs in seinem Ateret Zebi, so 'wie sein Tiferer la- Mosche, in demselben Hauptwerke, zu den besten Dankadressen an Sir Moses Montesiore gehört. — Ueber unsere politischen Zustande ist Alles stumm; kein jüdisches Blatt sucht die Tiefgebeugten zu ermuthigen und kein christlich-politisches gedenkt unseres furchtbaren harten Druckes; fast könnte man im Auslande auf den Gedanken kommen, daß unser politisch-bürgerlicher Zustand beneidenswerch sei. Fühlte ich in mir einen Beruf, über diese und ähnliche Dinge zu reseriren, so würde ich die düstersten Farben gewählt haben, um unfern traurigen Zustand zu zeichnen; aber ich will es lieber einem andern Berichterstatter überlassen. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Nie Iudenfeindlichkeit der Dresse in Baiern. Nonnen, die Klöster und die Prozessionen, die Jesuiten und der Aberglauben, alle sind sie wieder aus dem diistern Grabe des Mittelalters erwacht und wandeln wie Gespenster unter den Lebenden mit ihrem glühenden Hasse gegen Protestanten und Juden, mit ihrem aberwitzigen Fanatismus, mir ihrer Seir länger als einem Jahrzehend feiert der Ultramontanismus in Baiern seine Siegesftste; die Mönche und die

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