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Der Orient · 1843-02-21 · Heft 8 (21.2.1843) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 8 (21.2.1843)
Article
Leipzig : Dr. Hirsch gegen Bruno Bauer [Nachricht]
Date
1843-02-21
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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- 60 - Judenfrage von Bruno Bauer, naher beleuchtet von Dr. Gustav Philippson" ist mehr publicistischer Natur und geht daher wie die Deklamationen der Zeitungen gar nicht auf das philosophische Element Bauers ein. München, 25. Jan. Aus unserem Lande, wo die Walhalla-Genossen nur als Katholiken unvergeßlich sein dürfen und der Jesuitismus mit seiner Verdammungstheone seine Bacchanalien feiert, dürften die Leser - des Orients wohl selten etwas Erfreuliches erwarten. Auch heute habe ich keine freudige, aber auch keine traurige Geschichte mitzutheilen, sondern nur etwas Lächerliches und Erbärmliches, aber durchaus nichts der katholischen Kirche Unwürdiges. Die Seelenjagd, welche hier verdummte Hyperkatholiken auf die Protestanten bereiten, um eine hie und da verkümmerte Pcotestantenseele einzufangen., .erstreckt sich auch auf die Juden, die von jeher gehetzten, und in letzter Beziehung ist es so eben der katholischen Geistlichkeit gelungen, einen trefflichen Fang zu machen. Ein junges Mädchen, unmündig und noch, ganz unerfahren, wurde von katholischen Geistlichen heimlich beredet, nicht nur die seligmachende katholische Lehre mit der Lehre Mosi's zu vertauschen, sondern sogar das elterliche Haus heimlich in der Nacht zu verlassen und mitzustehlen, was in seinen Kräften steht. Eines Morgens früh um 5 Uhr wurde das Mädchen von Helfershelfern zur Seligkeit heimlich entführt, nachdem Kleider, Betten und die ganze Ausstattung des Mädchens . mit fortgebracht wurde. Das arme Mädchen, welches nun ganz .ein willenloses Werkzeug wurde, mußte den Eltern noch einen Drohbrief zurücklassen, für den Fall, wenn sie den Much haben sollten, bei den Behörden Schritte zu thun. Die Novizin, die freilich sehr leichtsinnig-ist, befindet sich nun in ihrer. Seligkeit im Kloster zum guten Hirten, welches eine. Zufluchtsstätte für ge se-gnete und gefallene 'Mädchen ist,' wo sie auch so lange/bleiben wird, bis die Eltern auf ihre Reklamationen einen Bescheid erhalten werden. Heiliger Loyola! zu welchen Mitteln greifen deine Jünger, die einst Könige entthront'. Htrmbnrft, 9. Febr. Es wird davon gesprochen, daß der Senat in einer der nächsten Versammlungen erbgesessener Bürgerschaft einen Antrag auf Zulassung der Juden zur Advokatur stellen werde, von welcher diese bis jetzt ausgeschlossen waren... Nachdem vor nicht langer Zeit den Juden die früher nur bedingte Möglichkeit, Grundeigenthum in der Stadt zu erwerben, durch Rath- und Bürgerbeschlnß in vollstem Umfange zugestanden wurde, wäre dieses nur die zweite Coricession, die den Bekennern des mos. Glaubens von Seiten des Staats gemacht würde. (Pr. Staacsz.) Ungarn und Mähren. Pceßöuvg, 3. Febr. Die hiesige Zeitung berichtet aus dem Raaber Eomitat: Die von der königl. ungarischen Statthalterei verordnet Vermögens - Conskription der Juden wurde aus dem Grunde nicht eingeführt, weil die israelitische Bevölkerung des Landes vermittelst des Gesetz-Artikels 29. vom Jahre 1840 ein Recht erlangt hat, im Lande zu wohnen, daher sie nicht mehr wie ehedem geduldet wird, und also zur Zahlung einer Duldungssteuer nicht angehalten werden kann, besonders da die Juden an allen sonstigen, dem christlichen Contribuenten obliegenden Lasten Antheil nehmen und zur Zahlung der Toleranzsteuer durch kein Gesetz verpflichtet sind. ProßniH, 2. Febr. Es ist eine erfreuliche Erscheinung im Judenthum, wenn unsere Reichen und daher die Männer von Ansehen und Bedeutung nicht blos durch milde Gaben ihren Antheil an ihren Glaubensbrüdern bekunden, sondern auch dadurch, daß sie den Einfluß, welchen sie haben, zur Hebung und Förderung geistiger Interessen benutzen. Eine solche Erscheinung bot vor Kurzem Hr. Eomperz, ein angesehener Handelsmann in Brünn, indem er-die mährischen Gemeinden auffo'rderte, bei der Regierung anzusuchen, daß die den Wahlakt eines Landrabbiners bestimmenden Vorschriften dahin modisicirt werden mögen, daß nicht, wie bis jetzt, blos Rabbiner,, sondern auch befähigte Privatleutean der Wahl des Landrabbiners Theil nehmen sollen. Diese Aufforderung' verdient um so eher eine ehrenhafte Erwähnung in Ihrem Blatte und eine genaue Beachtung von Seiten der mährischen Gemeinden, als sie von einem klaren und 'Hellen Blicke in die jüdischmährischen Zustände zeigt, und das wahre Heil der mährischen Juden, welches bei dem Drucke, unter dem sie leben, nur von einem würdigen Vertreter ihrer geistigen und politischen Interessen zu hoffen ist, beabsichtiget. Denn im Falle, daß unsere Rabbiner auf ihr ausschließliches Wahlrecht beharren, die Gemeinden vor einem Schritte, der ihre Macht schmälern würde, warnen sollten, und sie thöricht genüg waren, wie ihre christlichen Mitbrüder, sich m das Joch der Hierarchie zu fügen; so haben wir gewiß, wenn nur Rabbiner das künftige Oberhaupt der mährischen Gemeinden zu wählen haben, einen Mann zu erwarten, der der erprobteste Streiter auf dem Felde des Talmud ist, dem es wenig Mühe kostet, die Mauern, welche von den Wahlherrn zur Verteidigung einer Stelle im Rambam aufgeführt wurden, niederzureißen, .und nachdem seine Gegner auf Diskretion sich ergeben, ihnen die Fehler zu zeigen, welche sie in ihrer defensiven Stellung begangen hatten. Zwar giebt es unter unfern Rabbinen auch einige Erleuchtete, die den mächtigen Anforderungen der Zeit sich nicht widersetzen, und die das Wohl ihrer Gemeinden in jeder Beziehung zu befördern streben; allein diese Wenigen würden den Finsterlingen, welche „nur das große Licht", das um das Haupt eines Landrabbiners strahlen muß, dulden, kein genügendes Gleichgewicht bieten, und

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