Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1843)
- Article
- Hamburg : Feier des Vereins zur Beförderung der Handwerke in Kopenhagen [Nachricht]
- Date
- 1843-02-21
- Page
- Seite 59 (sequence 2)
- Language
- German
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59 und einflußreichen Christen ein Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Juden gegründet. Nach einer Reihe von Jahren bedurfte es keiner Aufmunterungs-Prämien mehr, um arme Eltern dazu zu vermögen, ihre Kinder diese Bahn betreten zu lassen, und man konnte die Beiträge Lheitweise zur Unterstützung armer, würdiger jüd. Handwerker verwenden. Am 29. Januar 1843 feierte der Verein sein fünfzigjähriges Bestehen. Es fanden sich 400 Mitglieder desselben zu der dazu veranstalteten Feier ein. Nachdem eine vom Pastor Vis.brgedichtete Cantate gesungen worden war , gab'Professor A.lgre en-Ussi ng *) eine geschichtliche Uebersi'cht der Wirksamkeit des Vereins. Dann folgte eine kräftige Rede des Pastor Visby, der zuerst die Bedeutung des' Tages (der 29. Januar war Christians VII, des vor 50 Jahren regierenden Königs, Geburtstag) zur Sprache brachte/ dann auf die noch fortdauernde Absperrung Norwegens für die Juden und auf die . kümmerliche Existenz derselben' in den mit Dänemark jetzt unter einem Scepter vereinigten Herzogthümern, dort mit einem unvecholenen Tadel, hier mit lebhafter Theitnahme hinwies, und des einträchtigen Zusammenlebens zwischen ^Christen und Juden auf den dänischen Inseln mit freudigem Stolze auf sein Vaterland gedachte, das zwar klein sei und in mancher Beziehung hinter andern Landern zurückstehe, an Humanität aber seine Nachbarländer. insgesammt weit überrage. Aum Schlüsse wurden Prof. Algreen-Ussi'ng und Kapitain David zu Administratoren des Vereins für das nächste Verwaltungsjahr gewählt (vgl. Altonaer Merkur vom 3. Febr.). — Blicken wir von Norden nach einem südeuropäischen Lande hin, so haben wir Gelegenheit, aus einer der letzten Wochen auch hier Aehnliches zu berichten. Der „Ungar'/, ein in Pesth seit dem I. 1842 erscheinendes Blatt, meldet nämlich, .die Lehrer der Israel. Hauptschule in Pesth hätten ihren, den wohlhabenderen Familien der Stadt ungehörigen Zöglingen die Armuth und die Leiden ihrer ärmeren Mitschüler, die bei der rauhen Witterung in dürftiger Kleidung weite Wege zur Schule machten, in rührenden Anreden dargestellt. Bald daraus seien die elfteren mit einem bedeutenden Quantum brauchbarer Kleidungsstücke und 60 Gulden baaren Geldes, die sie zum Geschenke für ihre ärmeren Mitschüler bestimmt, zu den Lehrern gekommen. Dieser.Beitrag sei noch durch, die Schulinspektoren vermehrt worden.— *) Algre en-Ussing, früher Assessor, ist einer der angesehensten Männer Dänemarks. Vormals zur Opposition gehörig, trat er in der letzten Ständcversammlung der Jnselftifter als Ministerieller auf. Seine Steckenpferde sind die Finanzen und das Budget, und er darf in dieser Beziehung dreist mit Hume in England und Herrn von Itzstein in Baden verglichen werden. Er lehrt Jurisprudenz an der Kopenhagner Universität. ' Am 18. Januar fand nun die Vertheilung an 63 Schüler in Gegenwart der Schulinspektion statt. Der Oberr'abb. Schwab hielt eine freundliche und passende Anrede an die Geber und an die Empfänger. Hannover, 3 Febr. Die angeseheneren Juden der Residenzstadt Hannover sollen erklärt haben, daß sie keine besondere Deputation zur Beglückwünschung des Königs und des Kronprinzen bei Gelegenheit der Vermählung des Letzteren abschicken, sondern sich als Bürger der Stadt als durch die Stadtbehörden genugsam reprasentirt betrachten würden. Eine doppelt ehrenhafte Gesinnung, in einem Lande, das die Juden noch fast ohne alle Rechte gelassen hat. Es wäre zu wünschen, daß die Juden Hannovers einmal öffentlich erklärten, daß sie das neue Judengesetz zurückweisen müssen. Sie wären, wie man sehr gut weiß, nicht mehr so rechtlos, wenn die Gebildeten unter ihnen den Much hätten, wie anderswo, offen in Petitionen und Schriften ihr Recht zu fordern. Friedrichstadt, 3. Febr. Die hiesige jüdische Gemeinde (381 Seelen) verarmt immer mehr, zumal da die Ansiedelung in Friedrichstadt, nicht wie sonst überall in den Herzogthümern, von dem Ankäufe eines Hauses oder dem Nachweis eines Kapitalvermögens abhangt und demnach viele Arme daselbst Zuflucht suchen. Die Gemeinde mußte aufbringm: 2040 Mk. für ihr Schulwesen, 2650 Mk. für ihr Armenwesen und 1220 Mk. für Besoldung der geistl. Beamten und Unterhaltung der Synagogen, zusammen 5910 Mk. Dazu kommen noch die königl. und städtischen Abgaben. Leipzig, 12. Febr. Bruno Bauers Artikel „zur Judenfrage", zuerst in den Deutschen Jahrbüchern erschienen, ist jetzt in einem vermehrten Abdruck (u. A. mit einer Polemik gegen das Werk: die Juden in Oesterreich und einem Blicke auf die süddeutschen Emancipationsverhandlungen) in Braunschweig bei Otto (d. h. bei Otto Wigand in Leipzig) als besondere Brochüre (115 S. 8.) so eben erschienen — gerade zu rechter Zeit, um jeden Zweifel an der wesentlichen Differenz der Grundideen des Judenthums und des Junghegelthums zu entkräften. Erst jetzt, wo die Tendenz Bauers sich klar herausstellt, ist eine Widerlegung möglich und diese wird nicht ausbleiben. Von Hrn. Dr. Samuel Hirsch in Dessau, der sich seit lange mit den Schriften Bauers beschäftigt hat und sich, noch beschäftigt, haben wir die gründlichste Kritik über die Bestrebungen der Junghegelianer zu erwarten, und auch eine Beleuchtung der Vauer'schen Judenfrage. Beim Verleger seiner Religionsphilosophie, über welche wir nächstens von Hrn. Dr.'Hirschfeld eine ausführliche Beurrheilung erwarten, erscheint, wie so eben angezeigt wird, eine ziemlich stacke Brochüre über diesen Gegenstand, auf welche ich die Leser des Orients im Voraus aufmerksam mache. Die vor Kurzem erschienene kleine Schrift: Die 8 *