Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1843)
- Article
- Von der böhmischen Grenze: Ueber den Nachfolger des Dr. Frankel in Dresden
- Date
- 1843-02-14
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360264-2368425--2985-2368454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 55 — weil, wenn auch einerseits jenem Rabbinen Rednertalent nicht abgesprochen werden kann, so macht es anderseits wieder sein einziges Verdienst aus, und es scheint daher unglaublich, daß einem Manne wie Frankel, der durch seine liefe, allseitige Gelehrsamkeit das Judenthum belebt und durch seinen kräftigen, männlichen Geist gegen Außen schützt und vertheidigr, ein böhmischer Rabbiner Nachfolgen soll, der im großen Hause der Wissenschaft ein bloßer Zuschauer hinter den Couliffen ist, und auf dem Forum der Oeffentlichkeit den allerletzten Platz unter den müßigen Zuhörern einnimmt. Im Ganzen scheint dies Gerücht auf einer bloßen Jdeenaffvciation zu beruhen. Man wird nämlich gedacht haben, da Frankel aus Böhmen gebürtig und ehedem eine Rabbinatsstelle in seinem Vaterlande hatte, so wird sein Nachfolger in Dresden natürlich auch ein Prager sein, der in Böhmen, gleichsam in einer Vorschule, zum ersten Mal die Pcedigerkutte anzog. Allein bei dieser Combination, welche wir wahrscheinlich Prager Köpfen zu verdanken haben, vergaß man das Sprüchwort: L’Iiabil ne fait pas Ie meine, und daß Frankel schon in Teplitz sich einen bedeutenden Ruf durch sein Wirken und durch seine kleinen Schriften ■— wir erwähnen nur seine Schrift über das Beten in deutscher Sprache — erworben hatte, und jetzt der Stolz und der Ruhm seiner Vaterstadt ist, wahrend Hr. H. erst durch die Berufung nach Dresden die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen könnte, und er vielleicht immer aus seine Vaterstadt Prag stolz sein wird, . Es wäre traurig und lief zu beklagen, wenn dieser Vorschlag von Hrn. Dr. Frankel ausginge, weil er Hrn. F'. durch diesen Nepotismus nicht nur moralisch herabstürzen würde, und dieses zu einer Zeit, wo er seine ganze moralische Kraft nöthig hat, sondern er würde ihn als höchst undankbar gegen seine deutschen Freunde erscheinen lassen, was man mit dem Herzen F's bis jetzt nicht für ver> einbar hielt. Möglich, daß die Dresdner Gemeinde jetzt mehr Vorsicht gebraucht, und einen Mann wünscht, der trotz seines Predigertalents ihr für immer bleiben soll. In diesem Falle müßten wir ihre treffliche Wahl nur billigendennoch können wir nicht umhin anderseits unser Verwundern auszusprechen, warum sie nicht lieber, um volle Gewißheit zu haben,, daß der gewählte Rabbiner ihr unveräußerliches Eigenthum bleibe, den Nachfolger Frankels in Teplitz wähle? — Bibliographie mitgetheilr von M. Sider in Berlin. Bei der Ungeheuern Ausdehnung der Literatur in unserer schreibseligen Zeit kann es nur wünschenswerth erscheinen, alle mit der jüdischen Wissenschaft nur in irgend einer Beziehung'stehenden Werke, wenigstens dem Titel nach, irgendwo zu sammeln; und da der ,,Orient" bereits den Anfang dazu gemacht hat; so tragen wir hiermit unser geringes Scherflein bei, mit dein Wunsche, daß Niemand das Seinige vorenthalte. Wir verbinden mit den Büchertiteln wo möglich die Angabe der Besprechung derselben in Zeitschriften. — Wir überlassen es der Zukunft, die Aggregate organisch zu verarbeiten. , ' Biiumlein (6. I. L. Prof.), Comment. de Habacuci vaticiniis 4 (30 S.) HeibeJberg. 1840. Erklärung sämmtl. christl. und jüd. Feste nach der Reihenfolge im Kalender Gr. 12. (27 S.) F. a. M. 1841. Varrentrapp. Gabelenz (H. C. v. d.), Grundzüge der syrjänischen Grammatik. Gr. 8. (IV. u. 75 S.) Altenb. Pierer. 1842. Kirchner, Gesch. d. Offenbarung Gottes im a. T. rc. Gr. 8. (XVI. u. 560 S.) Prenzlau, Kalbersberger 1 Thl. 1842. Raffaels Bilder zur bibl. Gesch. des a. T. nebst einem kurzen erkl. Text. Prag, Wohmanns Erben (in Heften.) U m breit (F. W. E.), Praktischer Comment. üb. b. Ies. 1 Thl. (XXXII. 270.) Hamb. Perthes. Hebbel (Frd.), Judith, Tragödie in 5 Akten, Hamb. Hofm. die Campe 1841. 136 S. 8. P 011 j e u 1 a t, Mistoire de Jerusalem in 3 Thl. (kurze Notiz darüber im Journal de Savans 1842. März) u. be-- urth. in Blatt, f. lit. Unt. 1842. No. 4. Rappaport (Dr. M.), Mose, ep. Ged. Lpz. Brockhaus 1842. Frey (Friedr.), D. Gesch. d. Stadt Jerusalem von ihrer Erbauung bis auf unsre Zeiten. Ein Volksbücht, rc. Gr. 12. (VI. 80.) Neutling, Kurz. (Leipz. Herbig) 1842. Die gottesdienstl. Gebräuche der, Juden. Nach d. Bibel und nach jüd. Schriftstellern dargestellt für Freunde der h. Schr. aus allen Ständen. Aus d. Engl. Leipz. K. Lauchnitz 1840. I V. 242 S. 8. Rachel eine wahre (?) Geschichte aus d. Leben e. jüd. Familie zu Ans. des 19. Jahrh. Herausgeg. zum Besten des Vereins von Freunden Israels in Basel. (Nach d. Franz, der Zeitschc. Le Kemeur Jahrg. 1834 (!) 2 Aufl. 8. (IV. u. 58.) Basel, Schneider. . Lengers (Maria geb. Sebregondi), Nekodas od. d. Zerstörung Jerusalems. Eine Erz. Gr. 12 (358 S.) Regensb. Manz. Die wunderbare Bekehrung des Israeliten Alp ho ns Ratisbonne rc. 8. (47 S.) Schaffhausen, Hurter 1842. Thir za oder'd. Anziehungskraft des Kreuzes. Züge aus dem Leben e. jüd. Familie. Gr. 16 (61 S.) Zürich, Hanke. 2 Aufl. I'bir^a oii Pattraction de la croix irnite de Pallemand. 12. (108 S.) Strasb. 1841. (Die angeführten Lracktä klein u. dgl. gehören zur Sittengesch. des 19. Jahrhunderts, und können auch uns unmöglich gleichgültig sein; vgl. z. B. zu den Letztangeführten Isr. Annalen 1841. No. 47.) Frankel, Die Unmöglichkeit der Emancip. rc. (beurth. in Gersdorfs Repert. Bd. 32.) Uhl mann (Fr.), Anleitung z. Uebers. aus d. Deutsch, ins Hebr. für Gymnas. Verl. Lüderitz 1841 (daselbst.) B r ü ck n e r (Dr. Gust.), Prakt. Hülfsb. zur method. Einübung der hebr. Grammatik. Leipz. Volkmar 1842' (das. Der Ree.' ignorirt des verewigten Gesenius gänzliche Thätigkeit auf dem hebr. Sprachgebiete auf eine unverschämte Weise, die E w a l d s V o r r. zu seiner jüngst erschienenen Grammat', für Anf.moch weit hinter sich zurückläßt.)