Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1843)
- Article
- Pesth: Hoffnungen am nächsten Reichstage
- Date
- 1843-02-14
- Page
- Seite 53 (sequence 2)
- Language
- German
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53 - Ungarn betreffend, beleuchten sollen, einen Platz darin gönnen werden. — Ein Wiener Eorcespondent giebt dort nämlich den seltsamen und von einer verrückten Logik zeugenden Grund an , warum die Gesetzvorschläge des letzten ungarischen Reichstags in Betreff der völligen Gleichstellung der jüdischen Unterlhanen Ungarns die königliche Sanktion nicht erlangt habe, daß, bei der ungleichen Gesetzgebung in den übrigen Theilen der Monarchie in Hinsicht der Juden, Ungarn gerade mit der Hefe derselben überschwemmt worden wäre. Ferner vergißt er nicht die Vorbereitung einer bürgerlichen Gleichstellung der Juden in den Erblandern zu rühmen; indem einige Israeliten in den Adelstand erhoben wurden, Baron v. Eskeles vor etwa 40 Jahren das Ehrenbürgecrecht in der Residenz erhielt, und dem Freiherrn von Rothschild, dem Vernehmen nach, auch bald diese Auszeichnung zu Theil werden wird. — Vor Allem ersuche ich den gründlichen Hrn. Corresp. mir eine Alternative zu beantworten: Machen die ungarischen Juden auch einen Bestandtheil der jüdischen Hefe aus, oder nichts Im ersten Falle, wozu braucht er sich erst zu bemühen, nach den übrigen Theilen der Monarchie zu wandern, um dort die jüd. Hefe aufzusuchen, wenn er sie im Magyarenlande so leicht auffinden könnte? Im zweiten Falle aber, warum sotten wir, die wir reinen Oesiecreichern gleichen, durch fremde Hefe getrübt werden? — Ist man denn noch nicht von dem Wahne abgekommen,.daß die Juden in allen Welttheilen eine Nation bilden? Geben denn die Juden selbst nicht genug-Beweise, daß sie einer Pflanze gleichen, die unter jedem Himmelsstriche, auf jedem Boden ihre Heimat findet, die überall gedeihet? Ist nicht der Jude in Deutschland ein echter Deutscher, in Frankreich ein Franzose, in England ein Engländer? Fangen wir ungarischen Juden, seit der Erleichterung unserer früher drückenden Verhältnisse nicht an, echte Magyaren zu werden? Macht nicht unsere Landessprache einen Hauptgegenstand des Unterrichts in den jüdischen Schulen aus? Nennen wir nicht Ungarn unser Vaterland, wie jeder katholische und Protestantische Magyar? Oder sollen wir etwa uns alle tödlm lassen, den letzten Seufzer mit dem Namen Ungarns aushauchen, um so einen unzweideutigen Beweis unserer Vaterlandsliebe zu geben? — Doch der Hr. Corresp. har nur Sinn für die Hefe in den übrigen Theilen der Monarchie, und bekümmert sich wenig um das Wohl einiger 100,000 ungarischen Juden. Die Klage des Propheten: Unsere Vater haben gesündigt, und wir müssen ihre Strafe dulden" heißt bei uns: Unsere böh-- mischen, mährischen und gallizischen Brüder haben (nach der feinen Spürnase des Hrn. Corresp.) gesündigt, und wir müssen ihre Strafe dulden. — Aber die bürgerliche Gleichstellung der Juden wird allgemach verbreitet, nicht nur bei uns, sondern auch in den übrigen Landern? Nun wir wollen einmal diese Vorbereitung ein bischen näher ins Auge fassen. Was versteht der staatskundige Hr. Corresp. unter einer Vorbereitung einer allgemeinen bürgerlichen Gleichstellung der Juden? Etwa, daß einige Individuen einen Adelsbrief erhalten, der gleichsam ein Ausweis für ein Vermögen von einigen hundert Tausenden ist? Oder, daß Baron v. Eskeles vor etwa 40 Jahren das Staatsbürgerrecht erhielt, und daß der Freiherr von Rothschild auch Hoffnung hat, dieses Recht zu erlangen? Wahrlich, wenn Das eine Vorbereitung heißt, so müssen die Römer, nachdem sie Jerusalem zerstört hatten, und Josephus Flavius von ihnen ausgezeichnet wurde, auch damit umgegangen sei, die crvilas romana den Juden vorzubereiten. Ich meinerseits, und mit mir gewiß jeder Andersdenkende als der gute Hr. Correspondent, verstehen ganz was Anderes unter einer solchen Vorbereitung. Eine Vorbereitung würden wir nämlich nennen, wenn allen Juden in der österreichischen Monarchie, ohne Unterschied des Vermögens, nach und nach Rechte eingeräumt würden, bis man sie endlich für würdig hielte, die Krone des Bürgerrechts auf ihr Haupt zu setzen. Eine Vorbereitung möchten wir nennen, wenn sich die Regierung der Cultur der Juden annehmen würde, dafür sorgen möchte, daß in jeder Stadt eine gut organistrte Schule sei, worin die künftigen Staatsbürger herangezogen werden sollen. Allein einzelne Individuen, oder besser einige Geldsäcke bevorrechten, können wird durchaus nicht mit dem Namen Vorbereitung zu elner allgemeinen bürgerlichen Gleichstellung der Juden bezeichnend Ein redlicher und rechtschaffener Mann kann auch der ärmste Jude sein, aber nicht Jeder kann das Vermögen eines Rothschild, eines Eskeles haben, wenn er es . auch wollte, und wenn er auch den Vorsatz fassen sollte, wohlthätig und freigebig gegen Christen und Juden zu sein. — Ich schließe diese Beleuchtung mit dem Wunsche, daß der baldige Reichstag eine bessere Wendung für uns nehme, daß die Rechte eines freien Menschen uns nicht länger vorenthalten werden, und daß trotz der Hefe, den Juden, unfern Mitbrüdern und Mitmenschen in den übrigen Ländern auch bald die Sonne der Gleichstellung leuchten möge; vielleicht werden sie dann reiner und ungetrübter. Böhmen» 26. Jan. Die Juden in 'Böhmen erfreuen sich immer mehr und mehr der Aufmerksamkeit der Regierung, und es ist unverkennbar, daß die Regulirung gewisser Verhältnisse, das löbliche Streben viele Mißbräuche abzuschaffen, sowie' die Umgestaltung mancher Gesetze in Betreff der Juden nur die Vorläufer einer völligen Emamipation derselben bilden.. So ist