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Der Orient · 1843-02-14 · Heft 7 (14.2.1843) · p. Seite 52

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 7 (14.2.1843)
Article
Montefiores Reise nach Rußland
Date
1843-02-14
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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52 Len Förderung seines Planes durchaus einig sind; besonders aber würde er nicht aus Hamburg scheiden, ohne erkannt zu haben, daß ohne deutsche Mitwirkung in Rußland und Polen kein Erfolg möglich ist. Dieser Mitwirkung sich im Voraus zu versichern und deßhalb persönliche Rücksprache mit einflußreichen, humanen und gelehrten Männern aller Nuancen zu nehmen, darauf kommt meines Bedünkens Alles an. Nur so kann der Eindruck, den Sir Moses Montesiore durch Reichthum, Energie und echte Frömmigkeit bei der russischen Regierung, und ihren jüdischen Unterthanen ohne Zweifel machen wird, ein bleibender undnachhaltiger werden. Mit Aufgebung aller politischen.Antipathie gegen Rußland, an der es weder in Deutschland noch in England fehlt, würde man hier wie dort die Cultussortschritte des ungeheuren osteuropäischen Reiches unterstützen. — Sir Moses Montesiore ist gewiß der rechte Mann, um dem Heisamen Unternehmen eine feste Basis zu verschaffen; aber nur die deutschen Juden sind die rechten Vermittler zwischen russischer und westeuropäischer Bildung.. Zwischen den russisch-polnischen und allen übrigen nichtdeutschen Juden fehlt jedes Mittelglied. Ein tertiurn eomparatlouis zwischen dem jetzigen rohen und dem künftigen civilisitten Zustande muß der russ. Regierung nachgewiesen werden und diese Uebergangsstufe (unbedingte Fähigkeit zu der höchsten Fähigkeit selbst bei leider noch mangelnder bürgerlicher Mündigsprechung) liegt Ln den Verhältnissen der deutschen Juden am klarsten vor Augen. Deutschland. Hamburg, 31. Jan. (WV. v. 25—31. Jan.) Neulich wurde^aus Baden-Baden gemeldet, Herr von Rothschild habe daselbst ein Besi'tzrhum acquirirt, obwohl es gegen ein altes Vorrecht (!) der Stadt streite, daß Juden daselbst Grundstücke besäßen. Jetzt erfährt man, dieses sog. Privilegium bestehe allerdings fort, Hr. von Rothschild habe aber die gerichtliche Bestätigung der Eigenthumserwerbung in Baden-Baden erhalten. — Ein > wunderlicher Kauz, dieser Dr. pliil. et ined. Baretti, Arzt, Operateur und Accoucheur! Diese Unterschrift trägt nämlich ein in der Voss. Zeit, vom 21. Januar enthaltener, als „eingesandt" bezeichneter Artikel, der so konfuses Zeug berichtet, daß man sich nach dem Lesen besinnen muß, ob man wirklich gelesen oder geträumt hat. Herr S. T. Baretti erzählt nämlich, daß sich um das Rabbinat in London 18 Gelehrte beworben (?) hätten, davon 2 aus Preußen gebürtige, Herr Dr. Hirschfeld in Wöllstein und Herr Dr. Isaak Borchardt in Berlin. Jenen fertigt Herr Baretti, ohne seine eigene Befähigung zu solcher Absprecherei zu dokumentiren, in 2—3 Zeilen ab und erklärt, er sei ein Verwandter der Egerschen, Familie und sein Traktat Macot sei eine überflüssige Arbeit gewesen. Nun aber kommt Hr. Dr. Isaak Borchardt, dem beinahe eine ganze Spalte gewidmet wird. Es wird weniger von feinen Actis (Druckschriften) als von seinen Agende (Manuscripten) gesprochen; diese letzteren sollen ihn neben, ja sogar über Maimonides stellen. Philosophie, Medicin, Naturwissenschaften, Philologie, Mathematik und dieverse andere Wissenschaften sollen durch H. Borchardt ganz neu aufgefaßt sein. Aus dem Talmud soll der Phönix wie aus-der Asche steigen; im Talmud soll bis jetzt der Stein der'Weisen unbeachtet gelegen haben und Herr B. hat ihn gefunden und wird ihn der erstaunten Welt, bezeichnen. Am Besten wäre es wohl, Herr Borchardt käme, wenn er nach England reiste, über Hamburg, nicht blos, weil es der nächste Weg für ihn wäre, sondern auch um dem Hamburger Senate das Geheimniß zu erklären, daß die verjüngenden Keime nicht in der Berfas-- sung, die freilich auch sehr alt ist, sondern in dem noch weit alteren Talmud liegen. — Doch zu Herrn Borchardt zurück. Hr. Baretti erzählt von ihm, er habe sich erboten, über jedes Thema aus dem Stegreife einen homiletischen Vortrag zu halten. Also ein Improvisator und ein Tausendkünstler zugleich. — Du sublime au ridieule il.n’y a qu’un pas, soll ein gewisser Napoleon gesagt haben, der freilich weder vom Talmud, noch von Herrn Borchardt, noch von Herrn Baretti das Mindeste wußte. Der beklagenswerthe Ignorant! (Die Voss. Zeit, vom 15. Jan. enthält ein gutes Epigramm: Baretti par Borchardt, welches beide Herren persiflirt. — Der Talmudübersetzer, Hr. Dr. Pinner, befand sich im Januar 1843 in Hamburg. Die „woch. gemeinn. Nachrichten" theiltem'seine Ankunft dem Publikum mit und berichteten zugleich, er werde von da nach London reisen. Ungarn. Pesih, 1. Febr. Ihr geschätztes Blatt, das unter allen jüdischen Wochenblättern den meisten Anklang und die größte Theilnahme in unserer vieldewegten Stadt findet, hat nur zu deutlich die rühmenswerthe und höchst verdienstvolle Tendenz, das Judenthum sowohl politisch als geistig zu verjüngen, die Fesseln der Vorurtheile, mögen sie abergläubische und befangene Religionslehrec oder schonungslose und alterthümliche Gesetze geschmiedet haben, zu sprengen, und so dem festen, den Stürmen der Zeiten trotzenden Gebäude des Judenthums von Innen und Außen eine schönere, wohlthuendere und zeitgemäßere Gestalt zu geben, als daß ich noch zweifeln könnte, ob Sie meinen Worten, die einen höchst komischen Artikel in der L. A. Z. datirt von Wien 8. Januar, und die bürgerliche Gleichstellung der Juden in

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