Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1843)
- Article
- Prag: Festfeier des Staatsdienst-Jubiläums des Grafen Chotek
- Date
- 1843-02-07
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360263-2368361--2960-2368395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 festlichen Tag des Staatsdienstes-Jubiläums Sc. Exlellenz unsers hochverehrten Landeschefs durch eine wohlthatige und sinnreiche Handlung gefeiert und bezeichnet, welche den Freudentag des 30. Decbr. 1842 in fortdauernder Erinnerung erhalt. Es ward nämlich an diesem Tage auf Vorschlag des Hrn. Gemeindevorstehers Landau beschlossen, durch freiwillige Beiträge mehrerer Gemeindemitgliedec ein Stipendium für einen armen, einheimischen, an der Prager Universität oder an der polytechnischen Lehranstalt studirenden israelitischen braven Jüngling, mit einem Kapital von 1000 fl. Coirv. M. unter dem Namen „Karl Graf Chotek'sche Stiftung" zu gründen, dem alles Schöne, Gute und Nützliche befördernden hohen Namensträger dieses Stipendiums das Nepcasentationsrecht für sich und seine männliche Descendenz anzutragen, und, um diese nützliche und zweckmäßige Stiftung an -eine denkwürdige und bedeutungsvolle Epoche zu knüpfen, die Erhebung der entfallenden Interessen von diesem Kapital für ewige Zeiten an diesem Tage, d. u am SO. Decbr. festzusetzen. Seine Excellenz, erfreut über diesen Akt der Wohlthatigkeit, haben das.israelitische Vorsteheramt durch den k. k. Appellationsrath und Bürgermeister, Hrn. Jos. Müller von der Genehmigung dieser edlen Stiftung und der Annahme des Rrprasentacionsrechtes für sich und seine männliche Descendenz, so wie von der Danksagung wegen dieser wohlthätigen Feier Seines Staatsdienstes-Jubiläums in Kenntmß sehen lassen. Auch in allen Synagogen ward dieser Festtag feierlich begangen. So war am Abend des 30. Decbr. die Alt-Neusynagoge festlich beleuchtet, und nach Abst'ngung eines hebräischen Gebets für das Wohl I. I. M. M. des Kaisers und der Kaiserin, aller Mitglieder des erlauchten Habsburger Regentmhauses, unsers allverehrten und würdigen Landeschefs und hochdessen Familie, sprach der erste Oberjurist, und Religionsvorsteher, Hr. Rapaport, vor geöffneter Bundeslade in hebräischer Sprache geist- und gemüthvolle Worte der Freude, des Dankes, und des frömmsten Wunsches für den innigstgeliebten Landesvater und die gütigste Landesmutter, und den hochverdienten .Landeschef, und schloß die Feier mir einem herzerhebenden deutschen Gebete. Az. PvÄg, 4. Jan. Ueber die Feier des darauf folgenden Tages, der gerade auf einen Sabbat siel, (heile ich hier aus demselben Blatte Folgendes mit: Samstag den 31. Decbr., bestieg Hr. Dr. M. Sachs, der begeisterte Verkünder und Prediger des göttlichen Wortes am hiesigen israelitischen Bethause, die Kanzel, um. in dm Lorbeerkranz, mit welchem das ganze Land Böhmen, und namentlich unsere Stadt Prag dem weisen Leiter der Landes-Angetegenheiten das Haupt schmückten, auch das Blümlein „Anerkennung" von Seite der Israeliten einzuflechten. Die Kanzel und das Gotteshaus sind würdige Stätten, daß der Name Sr. Exzellenz des Obcrstburggrafen, Karl Grafen C h o t e V, mit innigster Dankbarkeit und Rüdrung hier genannt werde, da diese schöne Pflanzschule sittlichen und religiösen Lebens seinem hohen Einflüsse, seiner achtungswürdigen Bereitwilligkeit, wo es gilt Großes und Schönes zu fördern, ihre Entstehung zum großen Theilverdankt. ' . ,,Becen wollen wir für ihn!" rief der Redner begeistert aus — und wahrlich, es kann kein schönere Ausdrucksweise einer dankbaren Gesinnung geben — als das Gebet. Ja, beten wollen auch wir Juden für den Mann, dessen Name von der Gegenwart gefeiert, -in den Annalem der vaterländischen Geschichte einst mit Ruhm wird genannt werden; der als Repräsentant des besonnenen und weisen Fortschrilts, als Beförderer des Heiligen und der materiellen Interessen, als Mann der Zeit, in ihren großartigen Erscheinungen großgezogen, das Ruder durch vier Decennien zum Wohle der Nation, wie zur vollen Zufriedenheit seines Monarchen geführt hat; und möge der schöne Moment noch oft wiederkehren, wo eine ungekünstelte Freude das Gemüth jedes Edlen durchzuckt, wo^das Land zur Feier des Tages ausruft: „Heil und langes Leben unsrem weisen Wohlrhärer!"*) Hollefeh 61t, 6. Jan. Am 13. September 1842 (ein Tag vor dem Versöhnungsfeste) brach in unserer mährischen Stadt ein großes Feuer aus, und äscherte viele Häuser in der Judenstadt ein. Der Schaden, den das Feuer angerichter, war um so größer, als fast Niemand, aus Aberglauben, sein Haus assec'urirt hatte. Die jüd. Bewohner dieser Stadt nämlich sind noch so hinter den Fortschritten der Zeit zurück, daß sie gutmüthig glaubten, .sie sinen durch ein sagenhaftes Versprechen das R. Sabbatai Kohen, der in ihren Mauern begraben ist (Schach), vor der verzehrenden Macht des Feuers geschützt, und in diesem Glauben' hielten sie es für thöricht, Geld auf die Assecnration ihrer Häuser zu . verwenden. Wie Jeder wohl leicht einsehen kann, wird die Feuersbrunst sie schrecklich enttäuscht haben. — Bei dieser' Gelegenheit zeichnete sich die Proßnitzer. Gemeinde durch ihre Milde und Wohlthätigkeit aus. *) Hr. Dr. Sachs war durch körperliche-Leiden gehindert, eine geistliche Rede zu halten, und seiner Berufspflicht nachzukommen; dennoch konnte er nicht das Opfer bringen, diesen freudigen Lag mit Stillschweigen zu übergehen, und verließ sogleich nach geendigter Rede das Gotteshaus.