Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1843)
- Article
- Aus Baden: Petition der Rabbiner des Oberlandes
- Date
- 1843-02-07
- Page
- Seite 45 (sequence 2)
- Language
- German
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45 Israeliten selber fester zu begründen. Während z. B. Nabbinen zu Eidesbelehrungen in den Gerichts-Kanzleien ohne Weiteres vor geladen werden, werden christliche Geistliche höflich ersucht, zu er scheinen. Zu 3), so wird eine anstandsmäßige Besoldung desiderirt, die aber, wie Ln Württemberg, von einer Ccntral-Kasse zu beziehen sein solle, um manchen bisherigen diesfallsigen Unannehmlichkeiten überhoben zu werden, namentlich aber wird auf Errichtung einer Wittwen- und Waisenkaffe für Nabbinen angetragen, und es wäre zu wünschen, daß diesen bisher piis desicleriis Seitens der competertten Behörden volle und zeitgemäße Anerkennung und Berücksichtigung zu Lheit werde. W. Böhmen und Mahren. Pr erg, im Nov. 1842. Ich theile Ihnen hier den Nekrolog über einen jungen talentvollen Glaubensbensgenoffen, wenn auch etwas verspätet aus dem Blatte Ost und, West mit, was ich glaube um so eher thun zu dürfen, als des Jünglings bereits in Ihrem Blatte gedacht wurde. „Am 7. Sept. 1842 verschied im 23. Lebensjahre und nach zurückgelegtem 3. Jahrgange der medcinischen Studien Adolf Broda zu Proßnitz (in Mahren), wo er, seitdem seine Mutter sich zum zweitenmale daselbst verehelicht, gewöhnlich die Ferien verlebte. Herr Altar, Lehrer an der israelit. Armenschule daselbst, sprach an dem frischen Grabe den Schmerz über einen Verlust aus, der die engen Mauern dieses Städtchens überschreitet, und noch einige Worte im großem Kreist dieses geschätzten Blattes verdient. Schreiber dieses fand in dem früh Verblichenen schon vor 10 Jahren, am Gymnasium zu Nikolsdurg, ein vielversprechendes Talent, das später aus der Universität zu Wien seine ersten Blüthen entfaltete. Humor und Lyrik bildeten die Hauptrichtungen seines Gemüths; doch sprach sich jener mehr in seinem Umgang, diese mehr in seinen Gedichten aus, die in verschiedenen Zeitschriften zerstreut sind. Wir erwähnen nur des „Rabbi Zadok" im österreichischen Odeon, worüber in Th. Hells Blätt. f. Lit. Nr. 81. vom 8. October ein sehr günstiges Urtheil, das leider die Augen des Verfassers schon für immer geschlossen fandi). Seine Persönlichkeit war durchaus liebenswürdig; Originalität in Gedanken und Ausdruck, an Leichtsinn grenzende Gutmüthigkeit, stets heitrer Sinn und Lebenslust erwarben ihm viele Freunde; ein über die Mittelmäßigkeit reichendes Violinspiel, Deklamationstalent und höhere Anlage zur Schauspielkunst machten ihn selbst in großem Zirkeln der Hauptstadt beliebt; das letzte Jahr glänzte er an dem Hausrheater des Baron P...a, ohne deßwegen den Erfolg seines ernsten Studiums zu beeinträchtigen. Aber sein Talent diente nicht bloß dem augenblicklichen Vergnügen, sondern auch mancherlei wohlthätigen Zwecken, und mit edler Selbstverläugnung trug er im I 1837 und 1841 in Proßnitzer Conzerten fremde Produkte vor *1 2). Für diese Fülle 1) Ueber das Gedicht und seine Veranlassung vergl. auch Ost und West 184Ir- Nr. 99. Orient 1841. S. 315. 2) S. Ost und West 1841. Nr. 99. von Geist und Lebenslust, für diese Anstrengung im Studium und beständige Spannung des noch nicht abgeklärten Gemüthes war sein Körper zu schwach. In jeder Beziehung erschöpft kam er im August dieses Jahres wieder nach Proßnitz. Man hatte es in Wien vernachlässigt, den jungen, auf seine Gesundheit wenig bedachten B. ernstlicher an diese Pflicht zu mahnen, wie dies in großen Städten wohl noch öfters vorkommt; der erste Anblick verneth die Todesspuren in dem bleichen Gesicht. Der Kranke selbst schien hier seinen wahren Zustand zu empfinden; nur kindliche Liebe legte ihm einige Tage Verstellung auf, bis er gänzlich in Dumpfsinn verfiel und nach einem nur fünfwöchentlichen Lager an der sog. galoppirenden Lungenschwindsucht verschied, zu der er die physische Anlage geerbt hatte. Die unerwartete Ankunft seines Stiefbruders, Herrn PH. Broch, Prof, der Violine zu Lemberg, der nach fünfjähriger Abwesenheit seine Eltern und Freunde überraschen wollte, und B. schon hoffnungslos varniederliegend fand, erhöhte nur die allgemeine Vetrübniß, indem unter andern Umständen ein Conzert zu erwarten stand, wie es Proßnitz noch nicht gesehen^). Aber es bedurfte dieses Seitenblickes auf einen verlorenen Genuß nicht, um an dem Todtenbette eines so früh und so unerwartet dahin welkenden reichbegabten Jünglings von tiefer Betrübniß erfüllt, und zu manchen ernsten Gedanken angeregt zu werden, die wir hier nicht weiter verfolgen wollen. — Den Proßnitzecn machte sonst B.'s. Anwesenheit die Ferien zu einer ungeduldig erwarteten Festzeit, die sie nun mit Trauer über das ausfüllen werden, was sie an ihm verloren. Aber auch die größere Welt mag bedauern, daß er ihr nicht das geworden, was er zu werden versprach und gewiß auch geworden wäre. — Schreiber dieses findet in diesem letzten Nachruf noch, einen geringen Trost. Es war ihm nicht vergönnt, noch in der letzten Stunde und bis an das Grab bei dem Verblichenen zu weilen, und doch hängen wir an jedem Scheidenden, so lange wir nur können, und es bricht uns das Herz-doppelt, ohne Lebewohl geschieden zu sein. Darum sende ich Dir, Verklärter! diesen Gruß noch in die Gefilde der Seligen nach, und daß es mich dazu drängt, ist mir die sicherste Bürgschaft, daß Du über meinem thränenden Auge schwebst! — B's Wiener Freunden, welche seinen poetischen Nachlaß herauszugeben gedenken, drücken wir den Wunsch aus, diese Zeilen der Beachtung werth zu halten. M. S—Jder» PvSg, 4. Jan. Bei den seltenen Mittheilungen aus unserer Judengemeinde, da in der Regel Alles den alten betretenen Weg geht, wird es -ihren Lesern nicht unlieb sein, wenn, ich das, was uns am Schluffe des vorigen Jahres so bedeutend anregte, hier aus dem Blatte „Prag" mittheile. „Zur Feier des 30. Dec em be rs 18 42. Die Prager Judengemeinde hat den 3) Hr. Prof. Broch spielte zwar schon 1837 in seiner Vaterstadt, ehe er dieselbe für immer verließ, aber fünf Jahre sind für einen Virtuosen und bei einem solchen Wirkungskreise mehr als es zu einer künstlerischen Metempsychose bedarf» Inzwischen sind auch 2 seiner Kompositionen in Leipzig und Wien erschienen.