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Der Orient · 1843-01-31 · Heft 5 (31.1.1843) · p. Seite 36

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 5 (31.1.1843)
Article
Stuttgart: Ungerechte Angriffe auf die Juden
Date
1843-01-31
Page
Seite 36 (sequence 2)
Language
German
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- 36 — überläßt das Uebrr'ge andern Blattern, die wohl den geistreichen Schluß ziehen werden : De. Rupp ist, derSpen. Zeitung zufolge, ein Junghegelianer, ergo ist er ein Jude. — Nun sage Einer noch, daß Juden in Preußen nicht Alles werden können, da sie ja sogar einen christlichen Divifionspredkgec unter ihren Glaubensgenossen zahlen. — Aber, um wieder ernst zu sprechen, sehen denn die Herren in Berlin und Augsburg nicht ein, daß- Junghegelthum und Judenthum zweierlei sein müssen, .so lange noch Bauer und Feuerbach für die Repräsentanten junghegelscher Doktrinen gelten dürfen, — sie, die das Judenthum erst kürzlich noch weniger geschont haben, als das Christenthum? — Aber angenommen, die meisten Redakteurs und Mitarbeiter an öffentlichen Blattern lwaren wirklich Juden,, wie es in der That nicht der Fall ist„ bewiese das wohl etwas anderes, als daß die deutschen Regierungen unrecht und ungerecht zugleich handelten, da sie die Juden von jedem Staatsamte ausschlossen und sie also selbst in die Reihe der Opposition drängten? — Die Juden aber mögen sich auch diesmal — den Conservativen und dm Radikalen gegenüber — damit trösten, daß sie mit Recht den Christen zurufen dürfen: „Wir schlagen Eure Schlachten, wir kämpfen Eure Kämpfe, wir büßen Eure Sünden und Ihr schämt .unb scheut Euch nicht, den ersten Stein auf uns zu werfen?" Berlin, 17. Jan. Am 7. Nov. 1842 ist in Preußen eine Verfügung — betreffend die Niederlassung jüdischer Handwerker in der Provinz Posen — erlassen worden. Ein jüdischer Schneider hatte nämlich freiwillig Dienste genommen und sowohl im stehenden Heer wie. später in der Landwehr sich die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erworben. Er wollte sich nun in B. (im Posenschen) niederlassen und zu diesem Zwecke ward jene Verfügung an die Stadtbehörde in B. erlassen, der zufolge ihm die Ansaßigmachung daselbst gestattet sein soll. — Bei Julius Springer hier ist in-der ersten Hälfte Januars erschienen: Der Paria, Gedicht von Fredrik Montan (10 Sgr.). Es soll die Erstlingsgabe des Autors.sein, das traurige Loos der Juden schildern und die Nothwendigkeit ihrer Emancipation geltend machen. — Der Titel scheint uns indessen übel gewählt: nicht blos darum, weil zwischen Parias und Juden so mancher wesentliche Unterschied obwaltet, sondern auch deßhalb, weil es immer rathsamer erscheint, das Kind beim rech-, ten Namen zu nennen. Man vergleiche damit den Ausspruch Riessers über des verstorbenen Michael Beers dramat. Werk „der Paria" im zweiten Hefte seiner „jüd. Briefe". ■ Berlin, 18. Jan. Um nicht immer von unserer Rabbinerwahl zu berichten, will ich den Lesern des Orients einiges Andere mittheilen. Der Dr. Hirsch in Dessau, welcher, dem Vernehmen nach, ein neues Rabbinat m einem andern Lande binnen kurzer Zeit antreten wird, hat von unserem trefflichen Kultur- Verein Hundert Thaler erhalten, um den gelehrten Verfasser der jüdischen Religionsphilosophie aufzumuntern, in seiner für die Begründung einer jüdischen Religionsphilösophie so wichtigen Arbeit sortzufahren. Es ist gewiß höchst zu bedauern, daß der ausgezeichnete erste Band der Hirsch'schen Religionsphilosophie bis jetzt in den jüdischen Blattern weder empfohlen noch recenstrt wurde, namentlich wäre eine ausführliche Recensi'on in Ihrem Blatte wünschenswerth; denn das hämische Besprechen dieser Schrift von Seiten der Judenzeitung kann doch wohl Niemand als eine Recensi'on ansehen, was übrigens auch von dem Redakteur als Dessauer gar nicht zu erwarten ist. — Die Selbstbiographie des Hrn. Rabbiner sein wollenden Dr. Philippson in seinem eigenen Blatte hat hier viele Heiterkeit erregt; dieser Mann scheint so in dem Dessauischen Egoismus versunken, daß er über das überschwengliche Selbstlob gar nicht zu ecröthen scheint. Es giebt merkwürdig ängstliche Leute, die da meinen, daß Redakteure jüdischer Blätter sich gegenseitig ignoriren sollten, um kein Aergerniß zu geben; allein ich glaube kaum, daß eine solche Ansicht richtig sein kann. Denn wenn ein Blatt einmal ein Recht hat, die Thorheiten * der Zeit (oder auch mancher Zeitgenossen) zu geißeln, so sehe ich nicht ab, warum es nicht dasselbe Recht gegen die Thorheiten eines Redakteurs eines Zeitblattes haben soll. Ich glaube, daß die allwöchentliche Durchhachelung solcher Thorheiten keine,uninteressante Rubrik bilden dürste. Böhmen und Mähren. Pvttg, 11. Januar. Unsere Gemeinde bietet noch immer die gewöhnlichen.Erscheinungen, und laßt in ihrer Mitte im Ganzen fast ununterbrochen ihr Lieblingsstück „vor hundert Jahren" spielen. Denn wenn wir zurückblicken auf den Antheil, welchen sie an den großen Bewegungen innerhalb des Judenthums genom-. men, auf die Thaten, welche den Fortschritt des Geistes bekunden, so finden sich blos zwei Momente: die Einführung eines geregelten Gottesdienstes in einem Gotteshause, und die Berufung Rapaports als ersten Oberjuristen; sonst ist und bleibt Alles, so wie es war. Wir wollen damit durchaus nicht zu verstehen geben, als wenn es etwa diesem großen Gelehrten an Eifer und Begeisterung für das Wohl und Heil seiner Gemeinde fehlte, daran kann wohl Niemand, der das Glück hat, ihn naher zu kennen, zweifeln —; sondern wir beabsichtigen blos darzüthun, daß ein würdiges Hauptnicht vermag die ihm untergeordneten Gliedmaßen zu beherrschen und sie zw einem harmonischen Ganzen zu verbinden, so gewisse Glieder sich ihm für ebenbürtig hal-

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