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Der Orient · 1843-01-31 · Heft 5 (31.1.1843) · p. Seite 35

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 5 (31.1.1843)
Article
Hamburg : Rechtfertigung der Juden ob ihrer anmaßenden Ansprüche [Nachricht]
Date
1843-01-31
Page
Seite 35 (sequence 2)
Language
German
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35 am 1. Dec. eingeraumt habe , noch lange nicht befriedigt und dürften es auch, der Natur der Sache nach, nicht sein. Denn mit der Idee dürfe man nicht j feilschen und markten lassen., im Principe dürfe man j kein Haarbreit nachgeben, das Ziel müsse unverrückbar ' dasselbe bleiben. Dabei räumten aber die Juden gern ein, daß jedes, auch das kleinste, ihnen gewährte Recht Anerkennung verdiene. Mit dem am 1. Dec. 1842 geschehenen legislativen Fortschritte sei aber wenig gewonnen; anders würde sich schon die Sache, stellen, wenn den Juden Gewerbefrnheit eingeraumt würde. Darauf sei auch im Jahre 1834 das Streben der Hamburger Emancipationsfreunde gerichtet gewesen; in dem damals dem Senate eingereichren Memoire sei man mit seinen Wünschen nicht über das Maaß binausgegangen, welches schon im Jahre 1814 dec Senat zu erfüllen geneigt gewesen sei und auch wohl schon damals erfüllt hatte, wenn die Bürgerschaft sich nicht zu engherzig und selbstsüchtig gezeigt hatte. — Seien nun wohl die Juden anmaßend gewesen, wenn sie 1834 das als das Maximum verlangt harten, was ihnen 1814 dev Senat selbst als das Minimum zugestanden , was der damals versammelte Ausschuß der Zwanziger ihnen unbedingt eingeraumt wissen wollte? Und wie steht es vollends mit i der Anmaßung im Jahre 1843, nachdem abermals 9 Jahre vergangen, und. erst ein schwacher Fortschritt in der Gesetzgebung stattgefunden habe, obgleich nicht ge-; leugnet werden könnte, daß die Ansicht der Hamb, christt. Bürger von den Hamb. jüd. Einwohnern eine bedeutend günstigere geworden sei? Die Juden begehrten, freilich jetzt nur das für unsere Zeit und unsere Verhältnisse Mögliche und Erreichbare, aber an dem endlichen vollständigen Triumphe der Idee würden sie nie verzweifeln und ihrer gerechten Sache auch nicht das Mindeste vergeben. Stuttgart, 18. Jan. Die alten Zeiten kehren wieder! Noch vor wenigen Jahren, als das sogenannte „junge Deutschland" den leibhaftigen Gottseibeiuns repräsenrirm. sollte und als (selbstgemachter) Popanz ausgeschrieen wurde, wollte man der Welt weiß machen, die ganze Literatur sei in jüdischen Händen. Was half Dr. Weil's Witz, Dr. Berthold Auerbachs Ernst und Dr. Riessers Wahrheitseifer gegen solche Anschuldigung? Wenzel blieb dabei, Heine, Gutzkow rc. seiensammt und sonders Juden. Einige Andere, die der Wahrheit nicht so frech ins Gesicht schlagen wollten, nannten doch auch die neue literarische Richtung eine judaisirende und witterten in jedem Angriffe aus das Ehristemhum, die Ehe rc. einen jüdischen Christenhaß. — Endlich schienen im Jahre 1842, bei Gelegenheit des preuß. Judengesetzentwurfs, alle Blätter Deutschlands, selbst die gemäßigteren, mit richtiger Einsicht in die Lage der Dinge, Religionsfreiheit, Duldung und allseiüge Rechtsgewährung als das allgemein und k für Alle in gleichem Maaße heilsame und letzte Ziel freisinnigen Strebens erkannt zu haben. — Doch die Zeiten einer weniger strengen Handhabung der Censur waren bald wieder vorüber. Als Beschönigung für die erneuerte Willkühr wurde die kräftigere Regung der Rhein., der L. A., der Hamb. N., der Königsb. Zeitung, der Deutschen Jahrbücher und mehrerer anderer öffentlicher Blätter benutzt. Zwei von diesen publicistischen Organen wurden unterdrückt und die andern, für jetzt noch am Leben gelassenen, in engere Bande geschnürt. — Die A. A. Zeitung, die noch immer (vielleicht durch Leichdornschmerzen) den nahenden Sturm und den Witterungswechsel im Voraus zu kennen und zu verkündigen scheint, macht nun auf jeden Juden, der in ihre .Schußweite kommt, Jagd, schimpft auf Rothschild, Hcrlevy und die deutschen Juden im Ganzen, wollte in einem Münchner Berichterstatter des Frank. Merkurs, wie in einem Franks. Correspondenten der Rhein. Zeit. Juden erkannt haben, wirft mit Judenknaben um sich, die aus Polen nach Posen flüchteten und der Eigenthümer, Herr von Cotta, ließ alle ihm zu Gebote stehenden Blätter unisono auf die Juden losziehen. — Gegen Ende des Jahres 1842 sprachen auch die sogenannten konservativen Zeitungen wieder von „Judenjungen", mit welchem Ausdrucke alle Correspondenten liberaler Blätter, die aus Christiania, Madrid u. ,a. von Juden befreieten Städten schreibenden natürlich der guten Gesellschaft halber mit eingeschlossen, gemeint waren. Besonders zeigte sich die Elberfelder Zeitung, wohl aus Neid über das schnelle Gedeihen der Rheinischen, unermüdet thätig im Denunciren, Schmähen und Schimpfen. Und doch hätte ihr, ehemals liberaler und jüdischer, Redakteur etwas vorsichtiger in seinen Aeußerungen über relig. Gegenstände sein sollen. Nun kamen noch die Spen. und die Lit. Zeitung zu den Anklägern der ,,judaisirenden Richtung" hinzu und wetteiferten im Aussprechen des Anathem's und der Excommunikation gegen die Freunde der Preßfreiheit und die Feinde der Bureaukratie. Alle jüngeren Hegelianer waren plötzlich über Nacht durch die Lit. Zeitung in Juden verwandelt worden. Gott sei ihnen gnädig! — Beiläufig erwähnt, scheint uns darin ein mittelbarer Beweisgrund dafür zu liegen, daß Prof. Twesten mit der Redaktion dieser Lit. Zeitung nichts zu thun habe, — er müßte denn seine frühere Ansicht von der Emancipcttion ganz verleugnen. — Am ärgsten trieb es indessen die Spenersche Zeitung in einer Recension dec bekannten Rede des Divisionspredigers Dr.Rupp in Königsberg „über den christlichen Staat" (Königsb. b. Voigt 1842). Sie schob ohne Weiteres dem Dc. Rupp die Tendenz unter, die Juden auf Kosten des Christenthums emancipiren zu wollen. Unbequemer Weise ist Hr. Dr. Rupp kern Jude; aber was schadet das? Die Spen. Zeitung macht ihn, wahrscheinlich ohne, allen Grund, zum Junghegelianerund 5 *

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