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Der Orient · 1843-01-24 · Heft 4 (24.1.1843) · p. Seite 30

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 4 (24.1.1843)
Article
Sondershausen : Empfehlung der isr. Bibel v. Herxheimer [Nachricht]
Date
1843-01-24
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 Liche Eonsistorium zu Bernburg hat, wie Sie im „Orient" mitgetheilt, die israelitische Br bet von Dr. Herxheimer für alle Pastoren des Landes angeschafft, sondern auch das hiesige Hochfürstliche Eonsistorium hat die Herren Geistlichen der Fürstlichen Unterherrschaft zur Subscription auf dieselbe veranlaßt. Wahrlich schöne Zeichen unsrer Zeit,' ehrend wie für den humanen Sinn der Hohen Behörden und Geistlichen, so für die wissenschaftlichen und gediegenen Bestrebungen der Rabbinen. Böhmen und Mähren. Nikolsburg, 1. Jan. Wahrend Ihr verdienstvolles. Blatt sowohl die politischen als intellektuellen Zustände der Juden in den verschiedensten Weltgegenden bespricht, und dadurch viele Mißbrauche und Vorurtheile, welche noch ein Residuum des mittelalterlichen. Druckes und der. geistigen Blindheit entschwundener Jahrhunderte sind, muthvoll und energisch bekämpft, und so manche heilbringende Institute fördern hilft, hat die Schilderung der Verhältnisse der Juden in Mahren, deren Anzahl und Bedeutung keinesweges so geringfügig ist, als daß sie einer nähern Besprechung nicht bedürften, oder vielleicht gar nicht 'würdig wären, sowohl in geistiger als rechtlicher Beziehung nur selten einen Platz dariü gefunden; und selbst da, wo ihrer erwähnt wurde, geschah es nur im Vocüdergehen, und daher auf eine unvoll-' kommene und unbefriedigende Weise. Wenn nun dies allein schon hinreichend ist, die Nothwendigkeit -einer genauen und ausführlichen Darstellung der jüdisch-mährischen Verhältnisse zu motivicen, so kommt noch hinzu, daß der Tod' unseres Landrabbinen eine neue Epoche für die Juden Mährens hecbeigeführt hat, die am meisten in Erwägung gezogen zu werden verdient. — Ich beeile mich daher, Sie für das lange Stillschweigen, welches ich bis jetzt beobachtet, durch folgenden Bericht zu entschädigen: I. Die rechtlichenZuftande derJuden inMähre n. Wenn ich bei der Darstellung „der rechtlichen Zustände" vom Natur- und Menschenrecht ausgehen wollte, so würde ich ein Unding versuchen und etwas Unmögliches unternehmen; denn von diesem Standpunkte aus besitzen die mährischen Juden gar keine Rechte, und ich hatte vielmehr „über die widerrechtlichen Zustände" diesen Theil des Berichtes überschreiben müssen. Ja, ungerecht verfahren gegen die Juden ist überhaupt in vielen Staaten so zur Natur geworden, daß Ungerechtigkeit das eigentliche Naturrecht für die jüdische Menschheit ist, und an den Universitäten sollte der Borttag über dasselbe in zwei Theile zerfallen: in das natürliche Naturrecht in Bezug auf die Söhne der alleinseligmachenden Kirche, und in das durch Gewohnheit zur zweiten Natur gewordene Naturrecht nr Bezug auf die armen Söhne'Israels; dann würde wenigstens das Unrecht gegen die Juden ein rechtliches Unrecht werden. Allein ich will den Lehrern des Rechts nicht in ihr Handwerk pfuschen, und mich lieber auf den Standpunkt des von ihnen aufgestellten Rechts versetzen, um die rechtlichen Zustande der Juden in Mähren -darzustellen/ (Fortsetzung folgt.) , . P V 0 fl tt t $, im Decbr. 1842. Der freie und zum Bewußtsein seiner selbst gelangte Geist, welcher allenthalben, wo er weht, verjährte Vorurtheile zerstiebt, den Menschen von Aberglauben reinigt, ihm ein neues jugendliches Leben einhaucht, und seine ursprüngliche Würde wieder verleiht; der Geist der Aufklärung und Erleuchtung, vor dem die Gestalten finsterer Jahrhunderte fliehen müssen, und der 'sich auch im Judenthum wohlthuend und segnend auf mannichfache Weise manifestirt: dieser Geist zeigte sich schon langst in unserer Gemeinde durch seine segensreichen Einflüsse auf das Rabbinat-, Schul- und Synagogenwesen. — Wenn ich hier von einer Aufklärung im Judenrhum spreche, so meine ich keinesweges jene, welche sich blos durch Zerstören und Niederreißen alles Bestehenden ankündigt, dafür aber nichts Besseres und Zeitgemäßeres zu geben weiß; sondern jene Entwickelung im Sinne der wahren Aufklärung,- welche den innern Gehalt und Kern des Judenthums anerkennt und würdigt, und nur die Außenseite die in verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ihren Werth verliert, umgestaltet und zeitgemäßer e'mrichtet. Solche Umgestaltungen und dem Zeitgeiste entsprechende Einrichtungen haben wir theils einigen er-, leuchteten Individuen unserer Gemeinde, von denen vorzüglich der der gelehrten Welt bekannte N.G. Brecher hervorgehoben zu werden verdient, größtenteils aber unserm würdigen und gelehrten Rabbinen Hirsch Fasset, dessen Name auch in Deutschland rühmlichst bekannt ist, zu verdanken. Ueberhaupt kann man von unserer Gemeinde sagen, daß sie ihren mährischen Schwestern stets als Muster und Beispiel dient, und daß von ihr jeder Impuls zu gemeinnützigen Instituten ausgeht. Damit es aber nicht .scheinen möge, als wenn ich blos eine subjective Ansicht hecgestellt hätte, so kann ich das- Gesagte durch folgende Facta beweisen. —• Auf Veranlassung des Hrn Fasset, welcher an die mährischen Rabbinen ein Rundschreiben ergehen ließ, wurde 'von den Gemeinden Mährens der Regierung eine Petition eingereicht, sie, deren Rechte von geringerem Umfange sind als die der böhmischen Juden, den lehtern gleichzustellen; und wenn, wie es von unserer weisen und milden Regierung zu hoffen ist, unsere Wünsche, oder besser gerechten Ansprüche uns gewahrt werden, so ist es das. Werk und Verdienst unseres Rabbinen. Eine solche Handlung hat wohl ein gegründeteres Recht, auf die Anerkennung und Dankbarkeit Mährens, als das .Schreiben eines halachischen Folianten.

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