Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1843)
- Article
- Münster : Der Verein zur Bildung von Lehrern und Handwerkern [Nachricht]
- Date
- 1843-01-24
- Page
- Seite 29 (sequence 2)
- Language
- German
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- 29 geben. 36 zu Handwerkern Bestimmte (darunter 16 Rheinländer) nämlich,: 7 zu Schuhmachern, 5 zu Messer-, Nagel- und Kupferschmieden, 4 zu Glasern, Tapezirern und Anstreichern, 3 zu Tischlern, 3 zu Webern und Kappenmachern, andere zu Sattlern, Bäckern, Klempnern, Bürstenmachern, Buchbindern, Drellmachern, Schneidern und Färbern. Im Ganzen tpurden bisher 20? Zöglinge daselbst ausgebildet. Hamburg, 8. Januar. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 1 — 8. Jan.) Drei auf einander folgende bürgerliche Jahre haben für die Mitglieder und Freunde des neuen isr. Tcmpelvereins in Hamburg eine besondere Bedeutung. Im Jahre 1842 wurde der Grundstein zum neuen Tempel gelegt; im Jahre 1843, am 18. October, feiert der Verein sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen; im Jahre 3844 endlich wird die Einweihung des neuen Tempelgebäudes stattsinden. Nächst diesen mehr das.Allgemeine betreffenden Reminisrenzen glauben wir die Aufmerksamkeit aller deutschen Juden auf eine Feier lenken zu müssen,., die in der ersten Woche des Novembers 1843 begangen werden sollte. Dann nämlich sind 25 Jahre verflossen, seit Hr. Dr. Gotthold Salomon seine erste Predigt in demselben Raume hielt, in welchem er noch jetzt und hoffentlich noch recht lange die Anwesenden, von denen nicht selten viele andern Consessionen und weit entfernten Gegenden angehören, erbaut und zur Anerkennung seines ausgezeichneten Kanzelrednertalents hinreißt. Weder hier, noch auswärts herrscht zwar eine völlige Uebereinstimmung im Urtheile über den Werth und die Bedeutung des Tempelvereins; aber den trefflichen Kanzelredner, den wahrhaft populären Schriftsteller, den unermüdlichen Wohlthäter der Armen, den treuen Beistand der einheimischen und fremden studirenden Jugend, den gewissenhaften Förderer aller wirklich gemeinnützigen Bestrebungen unter seinen Glaubensgenossen, den unverdrossenen Lehrer und Führer in seinem näheren Kreise, endlich den gewandten und tüchtigen. Vorkämpfer gegen alle verjährte und drohende Schmach wird in dem Prediger Dr. Salomon Niemand, seine eifrigsten Gegner in der Praxis der Frömmigkeit nicht ausgenommen, jemals verkennen wollen. Auch das istwohl hierbei hervorzuheben, daß Herr Dr. Salomon wahrscheinlich der erste israelit. Prediger ist, der an demselben Orte, an welchem er einst seine Laufbahn angetreten, sein fünf und zwanzigjähriges Jubiläum begeht. Erst jüngst hat Herr Dr. Salomon seinen Eifer für die Ausbreitung der Toleranz und Gesittung durch die auswärts nur wenig bekannt gewordene Theilnahme, die er der Sache der poln. und russ. Juden schenkte, an den Tag gelegt. Er suche vorzüglich durch seine Beziehungen zu einflußreichen Männern-dafür zu wirken, -daß der russ. Regierung der wahre Stand der Dinge, das eigentliche Bedürfniß ihrer jüdischen Unterthanen enthüllt werde. Uebcigens wird gewiß Jeder mit seiner Ansicht übereinstimmen, daß die russ. Regierung vor Allem ihre diplomatischen Agenten in Deutschland mit Instruktionen über die Civilisationsangelegenheit der russ. und poln. Juden versehe und ihnen ansehnliche Summen zur Disposition stelle, mit denen die aus jenen Gegenden herübergekommene, in Hamburg "und Berlin sich ausbildende jüdische Jugend unterstützt werden könne. Aus dem neuesten Ministecralbericht an den Kaiser geht hervor, daß im Jahre 1841 in Polen 6 neue Schulen für Israeliten errichtet worden seien. Wien, 8. Jan. Wenn die Eesetzvorschlage des letzten ungarischen Reichstags in Betreff der Juden, welchen man den vollen Antheil an den staatsbürgerlichen Rechten einraumen wollte, die königliche Sanction nicht erlangt haben, so geschah dies insofern wirklich im Interesse des Königreichs selbst, als, bei der ungleichen Gesetzgebung in den übrigen Theilen der Monarchie in Hinsicht dieser Religionsgenossen, Ungarn gerade mit der Hefe derselben überschwemmt worden wäre, ohne weder in seiner Gesetzgebung,' noch in der merkantilen Praxis, noch überhaupt in einem hinlänglich besonnenen Charakter Abwehr gegtn Beeinträchtigungen zu finden. Inzwischen verabsäumte die Staatsverwaltung in den Erbländecn nichts, eine bürgerliche Gleichstellung der Juden allgemach vorzubereiten, rheils durch Einleitung dersLben zu soliden Beschäftigungen, am meisten, aber durch Ausnahmen, welche bei emzlnen verdienten und befähigten Individuen von der allgemeinen Norm der Gesetze gemacht werden. Schon Kaiser Joseph hat, die adelige Laufbahn den Israeliten eröffnet, und unter Kaiser Franz wurde ihnen ausnahmsweise auch der Besitz von Realitäten zum Betriebe der Fabrikation zugestanden, wovon ein großer Theil in der Monarchie sich nun in ihren Händen befindet. In der Residenz selbst hat man aus triftigem Grunde von dem Buchstaben der allgemeinen Normen die sparsamste Ausnahme gemacht. Vor etwa vierzig Jahren erhielt der so vielfach um den Staat verdiente Bankier Frhr. v, Eskeles das Ehrenbürgerrecht unserer Residenz mit den daran haftenden Rechten, worunter vorzüglich Befähigung zum Realitatenbesitze gehört. Ein ähnlicher Vorgang wird dem Vernehmen nach nächstens auch bei dem Frhrn. Salomon v. Rothschild stattfinden, dessen Verdienste um unsere Residenz als Wohlthäter der Armen und als Förderer alles Gemeinnützigen überall in ungetheilter Anerkennung stehen. Der hiesige Magistrat ist für diese Auszeichnung bei den höchsten Behörden eingeschritten, deren Genehmigung auch unzweifelhaft sein soll. Auch hat die Staatsverwaltung dem Baron v. Rothschild ausnahmsweise die Erwerbung von Grundbesitz in der gesammten Monarchie zum Behufe des Bergwerksbetriebes bereits eingeräumt, und für die Rerchthümer in dem Schooße unserer vielen Gebirgsländer mag man die Hoffnung hegen, daß durch das Gold auch wieder Metall heraufbeschworen werden wird. L.A.Z. Sonder sh nufen, 17. Jan. Sehr erfreulich ist es, daß Werke jüdischer Gelehrten auch unter den Christen Anerkennung finden und selbst von Landesbehörden gefördert werden, Nicht allein.das Herzog-