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Der Orient · 1843-01-17 · Heft 3 (17.1.1843) · p. Seite 20

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 3 (17.1.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht über jüdische Verhältnisse [Nachricht]
Date
1843-01-17
Page
Seite 20 (sequence 2)
Language
German
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20 Kriegsdienste ausfchließen kaffen will, während Rußland für eine wahre Holle in Bezug auf den Kriegsdienst gilt. — Indessen dürste es den polnischen Juden wenig helfen, wenn sie sich auf einen 1817 mit dem Kaiser Alexander geschloffenen Pakt berufen, der ihnen im Falle ihrer Zuziehung zum Militärdienste volle bürgerliche Rechte zusicherte. Daß dieser Vertrag treulich gehalten werde, finden wir ganz in der Ordnung und kein ehrliebender Jude sollte, im Falle der wirklichen Gewährung dieser Zusage, sich weigern, den Fahnen seines Vaterlandes zu folgen. Aber könnte wirklich Jemand politisch so kurzsichtig sein, zu glauben, dieselbe ruff. Regierung, die sich keiner durch die Garantie aller Großmächte besiegelten Verpflichtung in Bezug auf die Fortdauer der poln. Nationalität erinnern will, werde die Juden in den Besitz des vollen Bürgerrechtes' ersetzend — Während die ersten Nachrichten über die obenerwähnten, plötzlich promulgirten Decrete die größte Bestürzung erregten, hat die Idee, die poln. Juden dem Ackerbau zuzuführen, allgemeinen Ankläng gefunden. — Namentlich scheint uns Here Posner (dessen bei der Mittheilung dieser Angelegenheit in der L. A. Z. gedacht wurde) zu' einer großen Wirksamkeit in dieser Sache durchaus geeignet zu sein. Wir kennen ihn zwar nicht persönlich, wissen aber viel Rühmliches von ihm. Es ist uns nämlich erinnerlich, daß man ihn nach dem Ausbruche der polnischen Revolution, besonders in dm ersten Monaten des Jahres 1831, von Seiten der poln. Insurgenten der Sympathie für die Russen bezüchtigte. Dies geschah wohl zumeist, um Geld von ihm zu erpressen. Seine großen Tuchfabriken wurden geschlossen, er mußte große Summen deponicen, stand unter strenger Aufsicht, war sogar eine Zeitlang mit dem Tode bedroht — und behielt dennoch seine Standhaftigkeit. — Solche Charaktere thun jetzt gerade den polnischen und russischen Juden Noch. — Wir hoffen übrigens, daß sich die von der L. A. Z. (31. Dec.) gemeldete Nachricht, daß der Ukas über die Dienstpflichtigkeit erst am .1. Jan. 18MMpAussührung gebracht werde, und die jüd. AckecbäW^. nebst ihren Söhnen von derselben befreit bleiben würdeA bald bestätigen werde (vgl. Voss. Zeit, vom 30. Decbr., wo Aehnliches aus Kalisch berichtet wird). Dagegen scheint es leider (nach d. L. A. Z. vom 31. Decbr.) mit'der Zurückweisung der Warschauer Juden in ihr vor 1831 bewohntes Ghetto seine Richtigkeit zu haben; übrigens soll diese Unduldsamkeit von der poln. Municipal-, nicht von der höchsten russ. Militär- und Civit-Vehörde ausgegangen sein. In einer früheren Nummer meldete die L. A. Z., 10,000 Juden ständen im russ. Heere und die Warschauer Gemeinde solle emstweiten 150 Rekruten stellen. Daß man sich übrigens für 200 — 300 Preuß. Thaler loskaufen oder durch Annahme der griechisch-kathol. Confession frei machen könne, scheint uns nur ein leeres Gerücht. — Posen, 8. Jan. Bei der großen Windstille, die hier in allen Verhältnissen des Judenthums herrscht, da selbst von unserem Verhältnisse zum Staate nicht mehr die Rede ist, so werden Sie mir es wohl nicht übel nehmen, wenn ich anstatt der gewöhnlichen Litaneien über Schulen und Reformen hier zwei literarische Anfragen mittheile. 1. Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist die Familie Tibbon (pn) in der Geschichte der jüdischen Literatur hochberühmt, vorzüglich als solche, welche die meisten Uebersetzer aus dem Arabischen ins Hebräische geliefert. Möchte doch ein Gelehrter in diesen Blättern eine Erläuterung des Namens Ti b b o.n niederlegen, da, so viel bekannt ist, noch nirgends angegeben worden, ob dieser Name maurischen, hebräischen oder geographischen Ursprungs sei. — 2. In welchem Vechältniß mögen die alten Synagogenlieder zu dem alten Kirchenliede stehen? Schon Dukes in seinem trefflichen neuen Merkchen: „Zur Kenntniß der neuhebräischen religiösen Poesie" hat die zuweilen in die Augen springende Verwandtschaft beider gerühmt, und je mehr man diese verwandtschaftlichen Beziehungen verfolgt, um so mehr bestätigt sich dieses. Es ist wohl der Mühe werth, darüber eine Untersuchung anzustellen. — Hildhnvghausen, 31. Dec. Der Israel. Vorstand der hiesigen Gemeinde protestirt in einigen Blättern. gegen die Anschuldigung der Unduldsamkeit und Intoleranz, die man der Regierung wegen des Schreibens jüdischer Zöglinge am Sabbat gemacht, ohne gerade, was übrigens sehr vernünftig ist, die Sache selbst vertheidigen zu können. Eine andere Protestation oder vielmehr ein Ausfall gegen Dr. Frankel stand als Inserat in der Rheinischen Zeitung, worin von einem ganz Unberufenen das Sabbatschreiben vertheidigt wurde und nebenbei der. provisorische Landcabbiner zu einem wirklichen gestempelt wurde. Von welcher Unwissenheit, von welcher verschrobenen Logik jener Aufsatz durchdrungen ist, kann der Leser., sich leicht denken, da zu extravaganten Behauptungen eine gesunde Logik nicht ausreicht. Ich komme übrigens jenen Aufsatz noch zurück, und theile vorläufig nur die Protestation des Vorstandes mit, wobei merkwürdiger Weise ebenfalls der provisorische Landrabbiner wegen seiner Heldenthat als wirklicher Landrabbiner erscheint. Hier die Protestation: „In' der. Beilage zu Nr. 329 der L. A. Zeit, wird die das Schreiben jüdischer Zöglinge christlicher Lehranstalten am Sonnabend betreffende Consiftorial- oder vielmehr landesherrliche Verordnung als ein Akt der Intoleranz oder Unduldsamkeit bezeichnet. Hiermit geschieht dem herzogl. Consistorinm offenbar Unrecht. So wenig wir es auch gutheißen können, wenn man dem talmudischen Satz: „Das Gesetz der Regierung ist Gesetzt, eine solche Ausdehnung geben will, daß auch eigentlich religiöse Vorschriften dem Landesgesetze weichen müssm — ein Zugeständnis-, daß gewiß keine von' allen Confessionen>em Staate machen wird noch kann, und das : gewiß von dem herzogl. Consistorium selbst nicht gebilligt

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