Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1843)
- Article
- Hamburg: Prüfung der Zöglinge der israel. Freischule
- Date
- 1843-01-10
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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- 14 ■ - gehenden bestmöglichst gesorgt. -- Besonderes Lob müssen wir aber den Deklamationen und Recitationen einer großen Anzahl von Schülern aus allen Klaffen zollen, Es wurden in englischer und deutscher Sprache Vorträge gehalten, wobei die Deutlichkeit der Aussprache, die angemessene Betonung, das sorgfältige Memoriren nirgends vermißt wurde. Besonderen Beifall fanden einige poetische Stücke, die Hc. Dc. Kley aus der „Liederfibett' (Eßlingen 1841) zum Vortrage ausgewählt hatte. — Zur Feier selbst hatte Herr Dr. Kley durch ein Programm (Einladung zur öffentlichen Prüfung der Zöglinge der Israelitischen Freischule, Montags den 26. December 1842, Vormittags von 10 Uhr an, in dem Lokale des Freundschafts-Zirkels, Neustädter, Fuhlentwiete, Brandts Platz. — Inhalt: 1) Festrede, gehalten bei der Schulfeier am 31. Octbc. 1841. 2) Fortgesetzter Bericht über die Schule, mitgetheilt von E. Kley, Dr., Oberlehrer und Direktor. Hamburg 1842. Gedruckt bei I. I. Halberstalt. 32 S. 12.) eingeladen. Diese kleine Schrift ist sowohl denen, die der herrlichen Feier des 25jahr. Jubiläums der israel. Freischule am 31. Octbr. 1841 selbst beiwohnten, als auch entfernten Freunden des Cultucfortschrittes unter den Juden zur Lektüre zu empfehlen und wird die ersteren zur frohen Erinnerung an ein Ereigniß, dessen Eindruck nur die Begebenheiten am 5 — 8. Mai 1842 zu schwächen im Stande waren, dienen, Auswartgen aber einen ungetrübten erhebenden Genuß gewähren. Schade, daß die Herren Dr. weck. Hahn und Dr. jur. Wolffson es ablehnten, ihre damals gehaltenen Reden ebenfalls dem Drucke zu übergehen. — In seinem Programme erwähnt Hr. Dr. Kley u. A., daß die Einführung des Turnunterrichts unter allen jüd. Schulen wohl zuerst in der unter seiner Leitung stehenden stattgefunden habe. — Der Himmel segne auch ferner diese Anstalt und lasse alle von Herrn Dr. Kley in seiner Gelegenheitsschrift ausgesprochenen Wünsche,für die immer größere Verbreitung der Toleranz und Humanität recht bald in Erfüllung gehen! E. C. Pole n. WerrschatU/ 19. Dec. Die durch alle Zeitungen bekannt gewordene Maaßregel der Regierung, nach welcher die Juden Polens gleich denen der Russen die Militärpflicht zu übernehmen hätten, welche vorläufig suspendirt ist, kam uns nicht unerwartet. Schon im Jahre 1840 war es Lei der Regierung beschlossen, die Inden Polens mit denen Rußlands gleichzustellen, was nur auf Verwendung einiger reichen Juden verschoben wurde, da keine-Aussicht war, mit der Ueberncchme der Militärpflicht auch das Bürgerrecht, nämlich nicht einmal das russische Bürgerrecht, zu erhalten. Auch jetzt zeigte sich bei der Art der Maaßnahme eine große Jnconsequenz, die vorzüglich veranlaßt, daß abermals eine Verschiebung eingetretm. Es hieß in dem Ukas, -daß diejenigen Familien von der Militärpflicht ausgeschlossen sein sollen', die irgend ein Gut besitzen, auf welchem sie jüdische Ackerbauer beschäftigen; die, welche 25 jüdische Familien auf einem solchen Gute beschäftigen, bleiben eben so viele Jahre von der Conskriptiön' ihrer Angehörigen frei. Da aber nach einem früheren Gesetze, welches direkt nicht aufgehoben wurde, kein Jude ein herrschaftliches Gut an sich kaufen darf, so mußte natürlich sich der Widerspruch sofort zeigen, was die reichen Familien auch nicht ermangelten, dem Fürsten- Statthalter vorzustellen. — Warschau, 12. Dec. (L.A.Z.) Die Fortschritte, zu denen das große Reich der Zaren theils durch eignen Antrieb, theils durch den starken Einfluß des Germanismus hingedrängt wird, beginnen nun auch die isolirte Masse von zwei Millionen Juden, welche seit Jahrhunderten als ein schwacher Ersatz für den fehlenden dritten Stand in diesem Reiche leben, aus dem Schlafe der Stagnation auszuregen. Die Macht des Germanismus hat die Aufhebung des Cartels bewirkt, und in Folge dieser Aufhebung, um die Desertion wenigstens zu mindern, mußte bereits die russische Dienstzeit auf zehn Jahre ermäßigt werden; aber diese Veränderung, dieser Fortschritt ist nur unbedeutend gegen den, der sich hier im Innern in Folge derselben Maßregel vorbereitet, die Veränderung nämlich, die sich hier bei der Regierung und den Beamten in den Ansichten über nationale Oekonomie, über Förderung der Industrie, über nationale Bildung .und Cuttur, über würdigere Besoldung der Beamten, um dec Bestechung einen Damm zu setzen, vorbereitet und sich allmälig Geltung zu verschaffen sucht. Auch in Betreff der Hebräer (wie hier von Seiten der Negierung die Juden genannt werden) hat der germanische Einfluß mächtig eingewirkt; er hat die Eisrinde geschmolzen, die seit Jahrhunderten dem glühenden Strahle der Cuttur widerstand, und in dem Maße, als er die Betheiligten empfänglicher gemacht, hat er auch die Regierung von dem asiatischen Horror gegen die unglücklichen Juden geheilt. Mit dem Jahr 1826, als Nikalaus 1. den Thron des größten Reichs der Welt bestiegen, beginnt die Russisicirung der Hebräer, oder die sogenannte Emancipation der Juden im ruffischen Sinne, da sie bis dahin, als eine fremde Masse betrachtet, nicht einmal zu dem 25jährigen Militärdienste zugelassen wurden. Der Kaiser Nikolaus erließ gleich nach seiner Thronbesteigung einen Ukas, worin er die Hebräer für würdig erklärte, in Gemeinschaft mit den Russen die Rechte des Throns und des Vaterlandes verteidigen zu dürfen, und obgleich die grausame Dienstzeit eines Vierteljahrhunderts eher als ein Lodesurtheil denn als ein Recht erschien, so erkannten die Juden doch den bedeutsamen Wendepunkt ihres Geschickes; sie waren keine Fremden mehr. Was vor 16 Jahren als Norm für die westlichen russischen Provinzen fesrgestelit worden, har soeben seine Ausdehnung und Geltung für Polen erhalten, das auch in vielen andern Beziehungen zu einer Provinz des russischen Reichs herabgesunken; die Juden Polens sind militärpflichtig geworden und somit Söhne des Vaterlandes, was die Gebildetern dieses Volkes auch einsehen und vollkommen anerkennen. Die ungebildetem Juden, denen die Jsolirung zur zweiten Natur geworden, widerstreben natürlich hier eben so wie in den andern westlichen Provinzen Rußlands, und