Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-01-03
- Page
- Seite 5 (sequence 2)
- Language
- German
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5 v. 13. Dec.). — Ob bei beit rheinpreußischen Juristen die gepriesene Anhänglichkeit an ihre volle Rechtsverfassung oder auch, wie anderwärts, der judenfeindliche Sinn siegen wird? Im ersteren Falle konnte eine allgemeine Protestation von dieser Seite ihre Wirkung kaum verfehlen. — Aller Rechte nach und nach beraubt, sollen die Juden ihre Pflichten stets in vollem Umfange erfüllen. Dies muthet man ihnen überall ohne Schamröche zu und es zeugt schon von besonderer Gunst, wenn man für die sogleich verlangten Leistungen künftige Rechte in Aussicht stellt. So jetzt in Rußland, wo mit dem 13. Dec. die Militardienstpflichtigkeit der polnischen Juden begonnen haben wird. Die männliche Bevölkerung von 12 — 25 Jahren muß sich zum Dienste stellen; vor dem achtzehnten Lebensjahre muß der Rekrut ins Heer eintreten, in welchem ec 10 Jahrebleibt. Ist er früher bestraft worden, so'muß er bis zum 35. Jahre dienen (vgl. L. A. Z. 10. Dec. von der russ. Grenze). Nur vom Staate angestellte oder bestätigte Rabbiner sind frei, ihre Söhne jedoch nicht. — Bei dem in neuerer Zeit so häufig gewordenen Uebertritt ruff. Soldaten oder Dienstpflichtiger nach Preußen wäre es kein Wunder, wenn auch viele Juden auf das deutsche Gebiet flüchteten. — Denn bei den Russen und Polen gilt der Militärdienst (und wohl nicht mit Unrecht) noch für eine Qual und Last, während in Deutschland die Uniform ihren Träger ehrt und oft sogar moralisch hebt. — Indessen wird auch bei uns, zumal in Friedenszeiten, die bürgerliche Beamtencarrlere, weil sie mehr die Anwendung geistiger Kräfte erfordert, in der Regel vorgezogen. Je seltener man nun bisher in Deutschland Gelegenheit gehabt hat, das langjährige Wirken eines Juden im Staatsdienste durch äußere Ehrenbezeugungen zu feiern, desto erfreulicher ist der Anklang, den die Feier des 50jahrigen Amtsjubiläums des Architekten und mathem. Schriftstellers Herrn S. Sachs in Berlin gefunden hat. Diese Feier fand am 9. Dec. statt und findet sich in der Preuß. Staatsz., wie in der Voss. und in der Spen. Zeit, ausführlicher beschrieben. Reden hielten die Herren Lehmann (Gemeindevorsteher u. Red. u. des Mag. f. dl Lit. des Ausl.), Dr. Löwe und Sachs, Schüler und Freund, ' Prof. Stier. Am 22. Dec. feierte der Jubilar seinen siebzigsten Geburtstag. — In einem hohen Alter starb am 3. Dec. der schon seit längerer Zeit erblindete Landrabbiner Eigers (Eiger- oder Eger) in Braunschweig. Er war ein naher Verwandter des sel. Rabb. A. Eger in Posen. Sem feierliches Begräbnis fand am 5. Dec. statt (H.-Eorresp. vom 15. Dec.). Er war 40 Jahre alt gewesen, als er sein Rabbinat antrat und bekleidete dasselbe 34 Jahre lang. Sein Nachfolger wird wohl sein bisheriger Adjunkt Herr Herzfeld werden. —Im braunschw. Lande ist übrigens die Stellung der Juden sehr günstig; für die Erlangung einzelner ihnen noch versagter Rechte dürfte die jetzige landstand. Session, bei gehöriger Anregung durch Petitionen entscheidend wirken. Dec Präsident der auf kurze Zeit vertagten Session ist der edle Publicist, Advokat und Notar St einacker in Holzminden, Verf. des trefflichen Artikels über Judenemancipation in Welckers und Rottecks Staatslexikon. — Der verstorbene braunschw. Landrabbiner fügte sich übrigens in den letzten Jahren den Anforderungen der Zeit auf eine eben so verständige als gesetzmäßige Weise. — Die Rabbinctte in Kassel und London sind zwar noch erledigt, das Letztere aber dürfte bald, und zwar durch einen Deutschen, wieder besetzt werden. Ungarn. GroHweredein, 12. Decbr. 1842. Nichts vermag so kräftig das Mitgefühl zu wecken, als erlittenes Unrecht von denen, deren Beistand und Unterstützung zu beanspruchen wir berechtigt sind. Man fühlt sich fast geneigt, die besseren und edleren Gefühle der Menschen zu negiren, wenn man Böswilligkeiten triumphiren sieht; vorzüglich wenn sie von solchen ausgehen, bei denen man Tugend vorauszusetzen gelehrt wird. Diese bittere'Klage hört man von den israelitischen Gemeinden Ungarns führen gegen ihre ausgearteten Religionsverweser und seelenschmutzigen Rabbiner. In früheren Zeiten, wo der hierländische Bekenner des Judenthums von dem Adel geknechtet und von dem Pöbel verhöhnt und gemißhandelt wurde, waren es die uneigennützigen Volksvertreter, die durch das unschuldige Joch des damaligen Aberglaubens, das sie an die Stelle der reellen Lebensfreuden heraufzauberten, die erlittene Schmach milderten; man begnügte sich mit Verheißungen eines goldnen Jenseits, und ertrug die namenlosen Leiden mit Geduld. Diese Märtyrerzeiten sind vorüber. Oer Rachestab der zürnenden Gottheit ist freilich gebrochen, aber der Israelit in dem gesellschaftlichen Verbände seiner Gemeinde empfindet den Druck der hierarchischen Fesseln heftiger als je sonst. — Was hilft es, daß sie ihren Zustand erkannt haben, sich an das Licht der Zeit hervorzuarbeiten suchen, wenn sie durch die schmählichen Hemmnisse ihrer Führer gestört werden? Die verrotteten Pfaffen- Rabbiner, deren heiligste Pflicht sein sollte, Aufklärung und Wahrheit unter das Volk zu verbreiten, eben diese sind es, die den Fortschritt um jeden Preis aufhalten, den guten Volkswirten unterdrücken, wenigstens irre leiten. Sie allein hat man zu verdammen, wenn die Verbreitung der Intelligenz in ihrem Gange verhindert wird; sse erhalten das Volk in Banden der Jrrthümer, und eifern wider jede Umgestaltung, wo sie ihre Macht über die Gemüther verlieren sollen. In Ungarn hat noch Keiner gezweifelt, daß die unwissenden, habgierigen Rabbiner dieses Landes, unter welchen kaum eine Ausnahme sich findet, selbst in der Behauptung der