Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1841)
- Article
- Die Judenemancipation in Holstein
- Date
- 1841-12-25
- Page
- Seite 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 332 - keineswegs mit brauchbaren, accreditirten Waffen geg en die Juden, söndern er spricht als Zelot , in blinder Aufwallung, - ohne die geordnete und geregelte Schule der Fechtkunst zu gebrauchen noch zu kennen. Herr Witt kennt durchaus das Terrain nicht, auf welchem er sich bewegt; statt auf festem Boden, auf dem Lande zu bleiben, geht er auf's Eis und fallt, wie ein Kind, welches ohne Kenntniß der Natur der Sache sich blindlings und besinnungslos auf das Wagestück einließ. Herr Witt ist ein gewöhnlicher Ludenhasser, wie. es deren wohl zur Zeit der fanatischen Verfolgung gab, die aber jetzt glücklicher Weise, Dank sei .es der. Cultur und Vorsehung, ausgestorben sind bis aus Herrn Witt. Er nur ist übrig geblieben, hat von der Entwicklung und Läuterung der Begriffe, von den frühern Wettkämpfern und ihren Ansichten über die Judensache nichts vernommen, um jetzt nach seiner gehaltlosen Weise im fanatischen Zelotismus aus dem stillen ächt bürgerlichen Altona hervorzubrechen. Ich will Herrn Witt keine bedeutende Motive unterlegen, ich traue ihm nicht einmal zu , daß er mit seinem löschpapiernen Broschürchen beabsichtigt hat, einiges Aufsehen zu erregen oder wohl gar eine neue Partei von Juden - Zeloten zu werben. Nein, offen gestanden und ehrlich gesagt, solchen tiefen Plan und so viel welthistorische Absicht will ich Herrn Witt gar im Geringsten nicht unterlegen. Weil aber selbst 'so winzige Blätter ihre Schicksale haben und sie ungeachtet ihrer Unbedeutendheit, sowohl der äußern Form als des geistigen Gehaltes' nach, dennoch .auf irgend eine Weise hie und da in das Publikum übergehen könnten, ich sage könnte'n: so will ich Herrn Witt eine hülsreiche Hand hinstrecken und ihn dem Publikum in seiner Größe als.Judenhaffer, oder wie der. Titel, durch den unvergeßlichen Börne'als klassisch emgeführt, sich sehr gut macht', als Judenfresser darzustellen suchen.' Was Herr Witt nebenbei gegen die Doctoren Ste inh eim und G utzkow unternimmt, werden diese ehrenwerthen Männer selbst, so sie es der Mühe werrh halten, zu pariren wissen. Also, Herr Witt predigt Judenhaß. er zelotirt gegen jede staatliche Emancipation der Juden; wir wollen uns die Mühe nehmen, aus diesem Zelotiömus — obwohl, wer wildeifert, allemal Unrecht hat — die beigebrachten Gründe, es können ihrer ja nur wenige sein, herauszulesen. Vielleicht geschieht damit noch Diesem oder Jenem ein kleiner Dienst, der es auch, sowohl durch die Länge der Disputationen als durch die Trägheit der Mächte in seinem schwachen Gedankensysteme bestimmt oder veranlaßt, für nicht angemessen und vielmehr bedenklich halten möchte, die Juden in christlichen Landen als volle Staatsbürger, so weit es ihr Gesetz und unsere Religion erlaubt, zuzulaffen- Ich wiederhole es, Herr Witt kann.sich vielleicht ein mdirectes Verdienst-erwerben, und was ich jetzt gegen seinen gallichten Zelotismus schreibe, geschieht in staatlicher wie intellettueller Hinsicht durchaus zu seinem Bestni. Ich will Herrn Wi tt, Advokaten in Altona, . mit Leib und Seele einen Namen zu machen suchen. Die Ehre ist immer angenehm, auch wenn man nichts dazu gethan hat. Beiläufig muß ich noch bemerken, daß ich nicht gegen die Intoleranz als solche, sonderst allein gegen Ungerechtigkeit,.Verkehrtheit und Unsinn die Feder ergreife. Wenn man das Motto auf dem Titel des besagten Schriftchens lie,st, so fühlt man sich fast veranlaßt, Herrn Witt für einen Genossen von Wolf gang Menzelzu halten/ welcher das Christenthum schon oft in Gefahr wähnte, Helm und Tartsche ergriff, seine alte Rosinante bestieg und wie der . ehrsame Junker Windmühlen für Ungeheuer ansah. Vertag von C. L. Uritzsche. Herr Witt ruft nämlich aus: „Ihr lieben Christen seid munter und wach!" Gegen wen sollen sie wach sein? Nun, allerdings gegen die Juden. Was wollen denn diese? Wollen sie etwa das Christenthum stürzen? Das fällt ihnen nicht ein. Wollen sie das Land erobern und uns hinausjagen? Ach, dagegen sind wir ja wohl mannstark genug!— Aha, da fallt mir ein, es ist in der persönlichen Entgegnung, „Einsprache," vom Wolf im Schaafskleide, von Winkelzügen u. dal. die Rede — also dagegen ist wohl die erschreckende Warnung gerichtet. Nun, da hätte er weniger kindische Furcht zu äußern gebraucht. Ein jeder Leser wird doch eben so gut seinen Verstand haben wie Herr Witt. — Fangen wir nun da an, wo der Vers, die Judensache auf seine Weise („auf unsere Weise") beleuchtet. Eine Weise ist es denn freilich, aber wie man wohl sagt, sie ist auch darnach. Herr Witt halt seine Sach§ schon für halb gewonnen, er glaubt seinen Feind mit einem einzigen Hiebe, der leider der einer flachen Klinge oder gar eines Kindersäbels ist, aus dem Felde geschlagen zu haben, wenn er das wunderbare Axiom aufstellt: „Alle Anstrengungen und Kunstgriffe der jüdischen Vorfechter, ihren Ansichten Eingang bei uns zu verschaffen, werden durch die einzige Frage vereitelt: was hat Norwegen für Schaden davon, daß es keine Juden in sich aufnimmt? Die letzten Worte sind auch im Original distmguirt gedruckt. Wahrlich, auf den gescheuten Einfall ist noch Niemand gekommen , und ich bin überzeugt, Herr Witt, der diesen Gedanken zuerst hat an's Licht treten lassen, thut sich etwas darauf zu gute, sonst hätte er ihn nichtmarkirt. Aber, lieber Herr Witt, wer hat. denn schon das Grgentheil behauptet, daß Norwegen, um zu existiren, durchaus der Juden bedarf? Und nun gar Schaden davon, daß es sie nicht in sich ausnimmt. Schreiben Sie keine Theodicee, verehrter Herr, Sie möchten, mit der Ausführung nicht gut zu Stande kommen. Doch' halten wir uns nicht dabei auf, es ist zu kindisch. Aber cs heißt weiter: „.Wenn die Söhne^J'sraels uns mit Sack und Pack verließen, so würden' wir ohne sie fertig werdeh.^ Allerdings — und das wäre auch nicht gut, obwohl es vom Bettler bis zum Könige und Kaiser doch nicht Jever zugeben würde; denn leider hat hierunter schon mancher bekannt: Ich kann nicht ohne dich fertig werden! Allein lassen wir auch das, und fragen lieber, wie Herr Witt zu all diesen sonderbaren Sätzen kommt, von denen im Grunde keiner zur Sache gehört, da doch,,über Juden-Emancipation" gesprochen werden sollte. Man. sieht, er kennt gar sein Terrain nicht, er ärgerst - sich nur, daß die Juden uns nicht, verlassen, „sie haben ihr. Canaan schon bei unsgefunden, sie können nicht-ohne uns fertig werden." Wie es um diese einseitigen, unbedachten Erpectorationen des Verfassers stellt, habe ich schon angedeutet, und wie ich mir bewußt bin, mit einem „leider," nämlich in Hinsicht des Fertigwerdens. Aber warum gehen sie-nicht? Sehen Sie,. Herr Witt, weil sie. das Jndigenatrecht erworben haben, weil sie mit uns in, demselben Lande geboren, sind , weil sie auf die Scholle Erde eben so viel Anspruch haben als wir. Sonst hätten die Amerikaner auch das Recht, uns aus ihrem Lande wegzujagen, weil wir nicht zu ihrer Ratze gehören"» ' ~ (Beschluß, folgt.) Druck von Z. H. ge l.