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Der Orient · 1841-12-25 · Heft 52 (25.12.1841) · p. Seite 331

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 52 (25.12.1841)
Article
Stuttgart: Amts-Instruktion für Vorsänger
Date
1841-12-25
Page
Seite 331 (sequence 2)
Language
German
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331 chem er zu »jeder Zeit schöpfen kann. Im klebrigen sei jeder Vortrag, .welcher vollständig nieherzuschreiben, pnd so weit nicht hohes Alter eine Ausnahme begründet, aus dem Gedächtniß abzulegen ist, sowohl in Hinsicht der Form, als der .Materiepopulärd. h. dem Jdeenkreise, .den Bedürfnissen, der Bildungsstufe und der Fassungskraft der.Zuhörer angemef- .j sen, die Sprache -rein und richtig, einfach und herzlich, die Aussprache deutlich. und ausdrucksvoll, und die körperlichen .Bewegungen natürlich, dem Gegenstand und der heiligen Statte angemessen. Die Concepte der Vorträge sind sorgfältig auszu- . bewahren und dem Rabbinen aus Verlangen vorzuzeigen. §. 4.- Catech isationen. Eine nicht minder wichtige Obliegenheit als die religiösen'Vorträge sind für den Vorsänger die Catechisationen in der Synagoge, durch welche der Zu-' gend die heiligen Wahrheiten des.Glaubens und des Sitten-- Gesetzes eingeprägt, und sie überhaupt zu allem Schönen und Guten gebildet werden soll. Auf diesen Unterricht 'hat der gewissenhafte Religionslehrer ganz besonders seine Aufmerksamkeit zu richten, um durch, denselben eine bessere Gemeinde zu bilden, und sich Zuhörer zu erziehen, die seine religiösen Vorträge leichter verstehen und heilsamer Lenützeru UM diesen Zweck zu erreichen, ist es' vor allen Dingen nöthig , daß der Neligionslehrev sich auf den catechttischen Unterricht sorgfältig vorbereite, zu diesem >Ende den zu behandelnden Stoff genau durchdenke und sich ihn vollkommen aneigne; sodann den zu erklärenden Abschnitt, in einzelne Wahrheiten zerlege, sich einen Gang der Catechisarion entwerfe, den er bei dem Unterrichte selbst genau befolge , weil es ihm nur auf diese Weise gelingen kann, Lehren uni) Wahrheiten durch Frage und Antworten aus dem Innern der Kinder zu entwickeln, sie ihrem Herzen ein- ■ zuprägen, und gründliche Kenntmß der Religion beizubringen. Was die Fragen selbst betrifft, so seien diese deutlich und bestimmt, d. h., ihrem Inhalte nach faßlich, in ihrem Ausdrucke kurz und verständlich, und so abgefaßt, daß auf jede Frage nur Eine Antwort die richtige sein kann. Dabei hüte sich der Lehrer vor jeder Herbeiziehung fremder, außerwesentlicher Dinge , die den Gang der Catechese stören; vielmehr suche er durch jede einzelne Frage die Entwickelung einer Lehre oder Wahrheit zu fördern, und so das Ganze zuck Ziele zu leiten. (Fortsetzung folgt.). Licht- und Schattenbilder . aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Die Jrrderremaneipcrtron irr Holsteirr. Wahrend im großen deutschen Reiche eine Pause in dem papiernen Kampfe über die Emancipationsfrage emgetreten,' wahrend der beste Sprecher, wie Riesser, schweigt, und in vielen constilutionellen Staaten die Juden unerklärlicher Weise die Kammersitzungen verstreichen lassen, ohne auch nur daran zu denken, um' ihr Recht die Stände anzugehen, wird in dem äußersten Winkel Deutschlands durch Schriften noch gekämpft und'gerungen - gleichsam, als sollte das einmal angeschücte Feuer nicht wieder verlöschen, und das Kampfschwert des Geistes nicht rosten. Hr. Dr. Stein heim in Altona' kämpft mit seiner gewohnten Schärfe und mit seiner schneidenden Dialektik unermüdlich; es fehlt aber auch nicht an Gegnern mit allem Haß und mit allen Borurtheilm des Mittelalters, welche die Polemik vor Einschläferung bewahren. Unter den Gegnern thut sich besonders'ein Advokat Hr. Witt in Altona durch Schriften gegen Steinheim und gegen die Juden hervor. Seiner ersten feindseligen Schrift antwortete ein christlicher Kunstkritiker mit Namen Christern, dessen Schriftchen (der Judenfresser) aber von Adv. Witt in einem, das betitelt: der neue Jeremias, wieder bekämpft wird, worauf natürlich die Erwiederung -desHrn.Christemnicht ausblieb. Da die Lheilnahme an diesem Federkriege wenigstens zum Theil eine Beachtung verdient, so wird es zur Orientierung der Leser wohl vollkommen hinreichen, wenn hier.die Entgegnung des Hrn. C. mitgetheilt wird, wozu füglich die Vor- und Nachschriften zu ent- , behren sind. Die Erwiederung des Hrn. Eh. lauter: „Herr Witt , Advokat in Altona, hat auch etwas über die Juden geschrieben. Die rechte Zeitwo man es sich lebhaft angelegen , sein ließ, über die Emancipation der Juden zu verhandeln, wo Männer wie Börne und Ries f e r unter den Vorkämpfern standen, und dem Object ihre ganze Aufmerksamkeit, den Kern i ihres Geistes wie ihres Sryles zuivandten, diese hoffnungsreiche, wortbewegte Zeit ist freilich vorüber, aber der Prozeß liegt noch vor dem Richter und die Frage ist in der lebendigen Wirksamkeit unentschieden. Doch ist sie nicht verjährt und kann i niemals verjähren, bis die Sache völlig entschieden ist und das Urtheil in Kraft tritt. So kann, denn'jeder Anlaß dienen, die Sache wieder in Gang zu bringen, und man muß es Herrn Wirt, Advokaten in Altona, durchaus Dank wissen, daß er, sonst obscuren Daseins, sich auch einmal über die Juden hat vernehmen lassen. Herr Witt hat sich auf wenigen sehr anspruchslosen Seiten geäußert. Dies „anspruchslos" geht aber nicht auf Inhalt und Ausdruck, o nein, anspruchslos ist nur das löschpapierne Broschürchm! Herr Witt selbst ist sehr anspruchsvoll, er tritt wie eeXjunger-unerfahrntt Mensch'plötzlich in die Gesellschaft, in eine jhm fremde Welt ein, wie mag es ihm da gelingen, den Anstand'zu beobachten, sich keine Blößen zu geben und überhaupt durch Geist und Sitte den .guten Ton zu beobachten! -Ich kann mir sehr wohl vorstellen, wie Herr Advokat Witt zur Production seines. Schnstchens gekommen ist: Er hat sich den Morgen mit seinen Clienten, guten, ehrlichen, geraden und handfesten Leuten,-über ihre Klagen und Prozeßprojecte müde gesprochen, er eilt in ein Kaffeehaus, sinder in einem Altonaer Blatte, daß Herr Dr. S t e tn l) e tm wieder etwas für die Juden gesochten hat; er, Herr Advokar Witt, ist unlustig von Hause gekommen, er wird bei der Lectüre — da er von Natur, aus Idiosynkrasie vielleicht, die Juden haßt, noch.imlustiger und macht nur — zur Erholung — seinem Haffe Luft. Denn nichts weiter als Judenhaß predigen seine wenigen Seiten, und er selbst sicht

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