Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1841)
- Article
- Oberschlesien : über die jüdischen Gutsbesitzer daselbst [Nachricht]
- Date
- 1841-12-25
- Page
- Seite 329 (sequence 2)
- Language
- German
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- 329 besitzet weder das Patronatrecht noch die Standschaft ausüben, noch die Uniform der Rittergutsbesitzer tragen. Mein dessenungeachtet hört man mit Klagen nicht auf und erwartet, daß die Gesetzgebung bald einschreiten werde. Doch hat man noch nicht gehört, daß Diejenigen, welche sich darüber beschweren, bei Herrschaften, welche sonst erlauchten Namen gehörten, Geld dazu hergegeben, um den Verkäufern größere Vortheile zu bieten als die jüdischen Käufer. Uebrigens ist diese Provinz eine ganz andere geworden, seit fremde Elemente unter die hiesigen Gutsherren gekommen. München. (Schluß.) Auch könnte.das Bild nicht besser gewählt "sein, denn Israels Funktion scheint dieselbe im Menschengeschlechte, als die der Winde in der Athmosphäre. Wie nämlich diese die Luft vpn ungesunden Dünsten reinigen, dafür den menschlichen Körper gesund machen, ebenso reinigt Israel die'Glaubenslehre der übrigen Nationen. Und es scheint die göttliche Vorsehung mit der Zerstreuung dieses Volkes in alle Weltrheile dieses zu bezwecken, und wie ein Prediger in neuester Zeit sich ausdrückt, soll Israel kein eigenes Erbe besitzen, wie auch der Stamm Levi keines besessen , um seinen Beruf als Priester unter den Völkern der Erde zu erfüllen. Diese Behauptung spricht Tobias aus in den Worten'. „Preiset den Herrn, ihr Kinder Israel, lobet ihn im Angesichte aller Völker, die ihn nicht kennen — damit ihr ihnen verkündiget/ daß kein anderer Gott sei, als er, der Allmächtige, allein." - So sehen wir, daß Israels Beruf war und ist Erkennrniß und Verehrung Gottes, Tugendliebe und Glückseligkeit über die ganze Erde zu verbreiten; und demnach ist Israel für alle Völker der Erde, was jeder Priester für sein Volk sein soll und die Worte Gottes an Abraham: „durch dich-sollen alle Völker der Erde gesegnet werden", gehen so treu in Erfüllung. -Man könnte einwenden, düsec große Einfluß auf die Bildung des menschlichen Geistes geschehegrößtenteils nur mittelbar durch das Christmthum und dm Muhammedanismus; allein darauf erwiedern wir, daß wir nicht -zu viel zu behaupten glauben, wenn wir sagen: das Christenchum selbst sei nur ein entstelltes Judentum oder eine Reform desselben, und daß der Gründer desselben gewiß nicht die Absicht gehabt habe, seine Anhänger soweit davon zu entfernen, als es gegenwärtig der Fall ist. Vielmehr mag, Anfangs das Christentum neben dem Pharisäismus, Saducäismus.und Essälsmus nur als eine besondere Secte des Judentums dagestanden sein. Daher wir die Christen noch lange Zeit unter dem Namen Juden finden, bis erst später der Name Christ in Antiochia zuerst gebräuchlich wurde. Hieraus erhellt, daß die jüdischen Missionare, welche Horaz erwähnt, solche jüdische Christen gewesen sind, wovon noch der Umstands uns überzeugen kann, daß das zweideutige Bekehrungsgeschast dem Judenthume stets fremd gewesen ist, wahrend gerade in dieser Zeit das Christenthum durch seine Apostel, welche in allen damalsbekannten Ländern und besonders im römischen Staate predigten, sich auszubreiten ansing. In Rücksicht hierauf.können wir die jetzt allgemein Mode gewordene Resormationssucht in Israel um so weniger billigen, als man sich dadurch immer mehr vom Judenthume entfernt.,. Auch haben die verschiedenen Versuche hierin immer nur Spaltungen verursacht, aber noch wenig Löbliches zu Tage gesördet. Und gewiß Haben wir — wenn irgend eine Religion — bei unserm gegenwärtigen' Stande Einheit nöthlg. Auch ist das Judenthum noch nie hinter dem Zeitgeiste zurückgeblieben, und ihm voranzueilen ist nicht nothwendig. Muhawmed endlich hat blos die unter seinem Volke üblichen Gebräuche und Sitten gesammelt und durch Einfluß der heiligen Bücher des Judenthums und Christenthums die Mißbräuche abgeschafft und so sein ganzes Werk als Offenbarung hingestellt. — Großartig und selbstständig ist die Geschichte unseres Volkes und am meisten geeignet jenen großen Beruf zu erfüllen. Von einem allgemeinen Stammvater abstammend, "mußten unser Volk zuerst das schwere und bittere Joch der Sklaverei ertragen und später gegen seine Untergebene Milde gebrauchen. Von dort durch einen Helden: aus seiner Mitte befreiet, wandert es 40 Jahre den mühsamen Weg durch die Wüste, um sich .für die Mühseligkeiten des Krieges abzuhärten. In dem Lande seiner Ruhe artzekommen, wurde es nach Beendigung der Kriege zuerst als Republik unter verschiedenen Formen regiert, welche Negierungsform später wie oft in der Geschichte in eine' Monarchie überging. — Die Lage des Landes inmitten dreier Welttheile, war sehr geeignet, ihm sein. Amt zu erleichtern. Zudem stand es mit Tyrus, Sidon und den größten Handelsstädten der damals bekannten Welt in Verbindung und sein Ruf war so verbreitet, daß die Königin Seba und viele Fürsten nach Jerusalem reisten. Spater übte es seinen Einfluß auf die Cultur und Veredlung der Religionsbegriffe durch Auswanderung in Egypten/ Assyrien und Babylonien aus und seit ihrer Zerstreuung in die verschiedenen Welttheile auf die ganze Menschheit. Durch diese Auswanderung war schon im sechsten Jahrhundert das Werk so weit gediehen, daßselbst die Talmudisten schon den - Grundsatz aufstellen konnten jhjd dh njj nsij; Mtb pN'i> pmty am) DrPTD DiTfii3N\ Selbst der Umstand, daß Israel nach Vertreibung aus seinem Vaterlande den Ackerbau, welchen es in Palästina fast ausschließlich betrieb, mit dem Handel'— dem einzigen Mittel in fremdem Lande sein Fortkonimeri zu finden — vertauschen' mußte, machte es wegen seiner guten Eigenschaften , welche der Talmud von ihm rühmt , als ONON ^04 D’Osra MEm "2 bei den Völkern nur beliebter und'einflußreicher. — Eine kurze Vergleichung zeigt auch deutlich, daß jene Lander in jeder Hinsicht die glücklichem und' gesegneteren sind,