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Der Orient · 1841-12-18 · Heft 51 (18.12.1841) · p. Seite 323

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 51 (18.12.1841)
Article
München: Klagen über Angriffe auf das Judenthum
Date
1841-12-18
Page
Seite 323 (sequence 2)
Language
German
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323 meine Bildung des Menschengeschlechtes ausgeübt hat und noch ausübt, bei welchem der Monotheismus zuerst Nationalglaube geworden ist. Und dieses Volk ist Jsrael, welches den Monotheismus von seinem Stammvater Abraham, der sein Vaterland verließ, um den Glauben an einen einzigen Gott der Welt zu verkündigen, bis auf die Gegenwart treu erhalten hat, weswegen es sich auch das von Gott auserwählte nennt, und als solches seinen priesteclichen Beruf, welchen ihm Gott mit den Worten: „Ihr sollt mir ein priesterliches Königreich sein", übertragen hat, unter den übrigen Nationen der Erde dadurch erfüllt, daß es diesen Glauben auch unter sie verbreitet. Diesen ehrenvollen Beruf dürfte wohl die ganze Menschheit in Israel dankbar anerkennen, da es diesem gemäß die Offenbarung rein erhalten und den Glauben an einen einzigen Gott zuerst angenommen und ihn auf die Mit- und Nachwelt übertragen hat. In dieser Beziehung behauptet daher ein christlicher Gelehrter ganzftichtig: „Dieses kleine unbedeutende Volk in Bezug auf Masse ist wichtiger für die Geschichte, als die zahlreichen Völker Indiens und China's, denn 1) ist es das einzige Volk, welches die Offenbarung bewahrt hat; 2) sind von ihm das Christenthum und der Muhammedanismus entsprungen; 3) hat es Schriften, welche das Musterbild der Literatur bei allen Völkern geworden sind, unter allen Zeiten aufbewahrt. Auch ist bei allen christlichen Nationen die Uebersetzung dieser heiligen Schrift der Anfang der Bildung." Und weiter sagt er: „Diese kleine welthistorische Nation wirkte zur Bildung der neuen Welt so viel, als keine andere Asiatische, und und das Christenthum und der Muhammedanismus haben ihre Religion und Literatur zur Weltaufklarung angewendet." Noch viel einleuchtender und cmsgedreitcter schildert uns Molitor in seiner „Philosophie der Geschichte" den wohlthätigen Einfluß des Judenthums aus die allgemeine Bildung des Menschengeschlechtes. Bedenken wir dieses und daß alle positiven geofftnbarten Religionen ihre Hauptgrundsatze und ihre ganze Moral aus dem Judenthume geschöpft haben, so wird man die Behauptung des Talmuds: „Israel ist der Welt so unentbehrlich, als die Luft", nicht nur nicht anmaßend, sondern ganz wahr finden. (Beschluß folgt.) Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Das jüdische Seminar in Berlin. Mt vieler Freude haben wir hier dm Aufsatz aus Ravicz in Ihrem geschätzten Blatte gelesen, und aus ihm und den andern Ihnen zugesandtm Aufsätzen ersehen, daß man sich keineswegs in der Provinz über die Leistungen unseres sehr kostbaren Seminars mit Erwartungen täuscht. Jetzt nun, da unser Vorstand die Einsi'ckt endlich gewonnen haben wird, daß die Provinzen auch ohne jedes andere Zuthun sich nicht so leicht eiteln Versprechungen hingeben, jetzt da dem Seminar nicht mehr in der öffentlichen Meinung geschadet werden kann, und schwerlich etwas Gutes durch die offene und lautere Wahrheit zerstört wird, jetzt erlauben Sie mir Ihnen die Entstehung und Begründung desselben mitzutheilen, um Ihnen nun von dieser Seite her einen Blick in die Verwaltung unserer Gemeinde- Angelegenheiten zu eröffnen, wie ich es früher bei einer andern Angelegenheit gethan, und in Zukunft bei noch andern zu thun gedenke. Die Herren am grünen Tische scheinen zwar sich sehr wenig um die öffentliche Meinung zu kümmern; aber darum soll doch ihr Thun und Lassen der Mit - und Nachwelt vorgelegt werden; mögen sie mindestens nach Verdienst beurtheilt werden. — Eine fromme Idee stieg einstens in dem Kopfe des nun in Gott entschlafenen Viee-Rabbiner Weyl auf, der jüdischen Welt gebitdete Lehrer und Rabbinen durch ein Seminar zu liefern. Alles wurde aufgeboten und in Bewegung gesetzt, und die Mittel fehlten bei der allgemeinen Begeisterung keinesweges. Die Idee sollte aber, wie natürlich, nach Berliner Manier ausgeführt werden, und daher wurde Herr Dr. Heiuemann, Redacteur d. Iedidiah, Director einer Mädchenschule, Inhaber einer Pensionsanstalt, Herausgeber des jüdischen Calenders rc. re. rc. zum Rector und Leiter erwählt. Das Seminar kostete jährlich 3000 Thlr. Pr. Cour, und verschied durch die schlechteste Verwaltung nach mehreren Jahren. Einem Tobten soll.man me etwas Schlechtes nachsagen, so möge es darum der Vergessenheit anyeimfallen, sanimt den Denkmälern, die ihm gesetzt wurden. Aus den Trümmern wurde nun verheißen, sollte wie ein Phönix verjüngt, ein neues Seminar sicherheben, und die vielen Lehrer, und die wenigen Schüler, die wie lachende Erben an dem Todtenbette des einen Seminars standen, wan» derten getrost nach der Nosenstraße in das neue Seminar. Dieses sollte organift'rt werden, einen neuen Director bekommen und gute Lehrer. Inzwischen sollte aber unterrichtet, und die Stunden nach wie vor gegeben werden, damit man nicht Grund habe, den Lehrern den Gehalt, die Stipendien dm Schülern zu entziehen. Dieses Ey nun, aus dem das S. ausgebrütet werden sollte, kostete zur Bewartung jährlich nur 1000 bis 1200 Thlr. Die Lehrer unterrichteten, ein jeder nach seinem Belieben und nach seiner Bequemlichkeit und Gewissenhaftigkeit, die Schüler nahmen die Stipendia, und der Vorstand berathete. Dazumal war große Streitigkeit, denn kein Wille war mächtig genug, die andern zu besiegen , und dem einen Vorsteher war dieser, dem andern ein anderer empfohlen; ein dritter hatte

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