Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-12-18 · Heft 51 (18.12.1841) · p. Seite 322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 51 (18.12.1841)
Article
Rosenberg: Festlichkeit zu Ehren Dr. Löwe's
Date
1841-12-18
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360147-2360199-2366959--2251-2366984
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

322 tigkeie geschützt, den heimatlichen Herd, den Sitz des Friedens. Um des großen Zweckes willen, der Bedrängten Retter zu sein, verlachte er übergroße Gefahren; kein Opfer scheuend, betrat er den von kriegerischen Gährungen bewegten Schauplatz, mitten unter Factionen, umgeben von fanatischen Gräueln, um mit Ihnen — einem Zweiten gottgeehrten Mann aus dem Stamme Levi —- vor den Herrscher Aegyptens zu treten, wegzuzaubern das Schlangengezücht, der giftgeschwollenen Aberglaubens-Hyder den vielköpfigen Nacken zu zertreten, durch dieblendende Geistesfackel die Nattern in die gewohnte Finsterniß zu bannen. Indem Sie, Bundesmanner, die durch Vomrtheile eingerosteten Riege! des Geistes fortschoben, sprengten Sie die Kerkerthüren jener armen Unglücklichen und fanden in ihren Freudenthränen Ihre — der Juden — Orden und Schmuck. Das war ein großes, bedeutungsvolles Weck des Bundes: Europas Machthabern zu zeigen, daß Er, den sie bei seinen bekannten Geistesvorzügen immer nur für einen civilistrten Halbbarbaren hielten, unbekümmert um die Rechte dem großen Menschenrechte sein Ohr lieh, daß er der freien Rede freier Männer nicht widerstehen konnte, sondern durch sie bewegt die schuldlos Gekränkten und dadurch sich selbst frei machte. Das war ein großes, bedeutungsvolles Werk des Bundes: daß er die Stimme der Zeit so erkannte und erfaßte, daß er den Juden ihre politische Einigkeit im Reiche Gottes dar hat, , wie sie auch in der Gegenwart der Geist der Liebe zu einer Nation verbinde, dadurch, daß ec Das, was scheinbar als Privatangelegenheit galt, vor das Forum der Nation und Oeffentlichkett brachte, dadurch, daß er den von einem Volksrepräsentanten gegen die dortigen Juden ausgegangenen Beleidigungen bei fremden , zerstreut lebenden Nationsgliedern Würdigung und Abhülfe verschaffte. Dadurch haben Sie der Gegenwart neues Leben eingehauchc, unsere Leidensgeschichte durch einen Act der That unterbrochen, uns aus der Passivität gerüttelt, unsere National-Subjectivität gleichsam hecgesteltt, genug, unsere Nationalehre gerettet. Das war ein großes, bedeutungsvolles Werk des Bundes: daß er dargelegt hat, wie die Freiheit, selbst geistig, nur durch Geisteswaffen erkämpft werden könne, und daß allein in der richtigen Handhabung dieser der goldene Anker unserer Hoffnungen liege. In diesem Sinne wird Ihr Bund von mir verehrt, in diesem Sinne grüßen Sie, als deutschen Repräsentanten dieses Bundes, durch meinen Mund die hier festlich Versammelten. Es leben die Helfer der Bedrängten, die Männer der Zeit, die Männer des lebendigen Wortes, die Retter unserer Nationalehre! Es lebe unser verehrter Gast 5pt\ Dr. Löwe hoch!" Der Gast sprach gerührt Worte des Dankes in den verbindlichsten Ausdrucken, wie derselbe auch überhaupt durch seinen geistvollen Vortrag und durch seine edle Auffassung bei der Skizzirung seiner Reisen, durch Darlegung einer tiefen Forschung und Gelehrsamkeit alle Zuhörer an seine Rede fesselte und durch die in kräftigen Zügen gerühmten Verdienste des Sir Moses Montesiore und der Lady Montesiore Alle zu einem Begeisterung hauchenden Toast veranlaßt. Auch ließ der Gast in patriotischen Tönen unfern verehren König Friedrich Wilhelm IV., dessen erhabenes Haus und den Magistrat unserer Stadt hoch leben! L. A. Z. W!üttchen, 5. Decbr. DerUltramontanismus, der seit zehn Jahren in Riesengängen vorgeschritten, hat jetzt keinen Kampf und keine Fehde mehr zu bestehen, wozu eine materielle Kraftanwendung nöthig wäre; denn besser als irgend eine Propaganda in der Welt verstehen es Lojola's Jünger, in der schnellsten Zeit auf blühenden Fluren wüste Bahnen zu machen. Jetzt glaubt der Ultramontanismus, daß es an der Reihe sei, auch die Ueberzeugung für seine Schöpfungen zu wecken, und was ist nickt schon in der Welt durch Sophismen vertheidigt worden! Der Leser wird sich wundern, wie ich zu diesem Thema komme, es wäre mir auch nicht eingefallen, dieser Rückschritte auf dem Gebiete des Christenthums bei uns zu gedenken, aber leider werden wir nur zu gewaltsam in diesen Kampf gezogen, oder vielmehr, wir haben nur zu sehr davon zu leiden! In Wort und Schrift wird das Iudenchum und das jüdische Volk angegriffen, man bietet alle Sophismen auf, um uns als Vogelscheuche des Mittelalters, als ewigen Juden, oder gar als todt anzusehen; der Philosoph sucht es zu demonstriren, der Mönch durch Bibelphrasen zu documentiren, und da selbst eine Lüge, die sich immer wiederholt, sich Eingang in Herzen verschafft, so halte ich es nicht für überflüssig, von unserem Berufe in der Zerstreuung Einiges in Erinnerung zu bringen, um die Gteißner fern zu 'halten. — Ein oberflächlicher Blick in die Geschichte der franz. Revolution zeigt uns die höchst schädlichen Folgen des Atheismus, mit welchem Namen wilden damaligen Religionszustand in Frankreich am passendsten bezeichnen können. Aber selbst ein Robespierre fand es für unumgänglich notwendig decretiren zu lassen, daß die franz. Nation durch ihre Deputirten einen Gott anerkenne: wohl einsehend, daß ohne diese öffentliche Anerkennung eines Gottes, Frankreich unaufhaltsam seinem Verderben entgegeneile. Dieses bewährt uns die Behauptung des Talmuds: durch drei Dinge hat die Welt ein Bestehen, durch das geoffenbarte Gesetz, durch die Verehrung Gottes, und durch gute Wecke. Nicht weniger schädlich aber sind die des Polytheismus, wovon uns das Heidenthum hinlängliche Beweise geliefert hat. Nach diesen Voraussetzungen könnte man schließen, daß wir uns zur Aufgabe gesetzt haben zu beweisen, daß der Monotheismus der einzige, der menschlichen Vernunft und dem höchsten Zwecke der menschlichen Gesellschaft angemessene Glaube'sei. Allem dieses ist bereits fast allgemein anerkannt; und wic wollen hier blos nackweisen, welch großen Einfluß smes Volk auf die allge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.