Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-12-18 · Heft 51 (18.12.1841) · p. Seite 321

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 51 (18.12.1841)
Article
Stuttgart: über die Organisation des dortigen Synagogenwesens
Date
1841-12-18
Page
Seite 321 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360147-2360199-2366958--2248-2366983
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

321 liehe, seinem Stande Unangemessene und Gesuchte zu vermeiden^ dagegen sich der Einfachheit und Reinlichkeit in seinem Anzuge vorzüglich zu befleißen. §. 19. Wissenschaftliche Fortbildung. Um indessen seinem Am te^ vollkommen zu genügen, ist es für den Rabbinen unerläßlich, seine wissenschaftliche Fortbildung sich angelegen sein zu lassen; denn die Kraft des Religionslehrers liegt vorzüglich-in derselben, und je gediegener die Bildung seines Geistes durch die Wissenschaft ist, um so fester steht auch seine Autorität. Ec darf daher nie aufhören, sein Erkenntniß- und Gefühls- Vermögen zu üben, seine Urteilskraft zu scharfen, seinen Geist mit nützlichen Kenntnissen zu bereichern, und sich überhaupt in seinem Fache zu vervollkommen. Der Geistliche soll in der Wissenschaft überhaupt, und besonders irr den Fachern, welche mit der Theologie in Verbindung stehen, kein Fremdling sein, und mit der Bildung seines Zeitalters gleichen Schritt zu halten suchen. In der heiligen Schrift, als der Quelle der ewi. gen Weisheit, soll er beständig nach heilsamen und nützlichen Wahrheiten forschen, eingedenk des göttlichen Wortes: „Es soll nicht weichen dieses Buch des Gesetzes von deinem Munde, sondern lies darin mit Bedacht Tag und Nacht, damit du erfahrest, wie Alles, was darin geschrieben siebt, zu beobachten sei. Alsdann wird dein Unternehmen einen glücklichen Fortgang haben und du wirst weislich handeln." Das göttliche Wort der heiligen Schrift muß der Born und Quell sein, zu welchem er zu jeder Zeit zurückkehrt, um aus ihm zu schöpfen, was er der Gemeinde zur Belehrung und Beherzigung Vorhalten will; die Propheten, diese noch nicht übertroffenen Volksredner, soll er sich zum Muster nehmen, und in ihrer Weise zu dem Volke reden, dabei aber auch die übrigen Bücher der Weisen und Lehrer seines Volkes nicht vernachlässigen, sondern sie mit Liebe und Eifer studiren, und sich daraus sorgfältig Alles merken, was den Kern und den Keim des Lebens in sich tragt. §. 20. Gutes Beispiel. Da der Geistliche noch mehr als durch seine Lehren durch sein Beispiel wirken kann , ja die Wirksamkeit dec'ersteren durch letzteres bedingt ist, indem ein anstößiger Lebenswandel auch die beste Lehre unwirksam macht, dagegen ein tugendhaftes Leben dem Unterricht auch bei den Verstockten und Leichtsinnigen Eingang verschafft, so wird es für denselben doppelt heilige Pflicht, durch ein wahrhaft religiös-sittliches Leben, sowohl in seinen häuslichen als öffentlichen Verhältnissen, seine Lehren zu unterstützen, und durch sein eigenes Beispiel die Kraft der Religion zu zeigen, deren Lehrer er ist. Er sei daher seiner Gemeinde Muster einer wahren, erleuchteten Frömmigkeit, einer ungeheuchelten Tugend, ein Vorbild in allem Schönen und Guten überhaupt und insbesondere des aufrichtigen Wohlwollens und der Verträglichkeit gegen Collegen und Gleichstehende, und der echten Bruderliebe gegen alle Menschen ohne Unterschied des Standes und dcs Glaubens. Rotenberg (Oberschlesim) 29. Nov. In Ihren vom Preßzwange * befreiten Blättern möge folgende Mit¬ Wir waren nicht wenig erstaunt, hier gleich in der ersten Zeile eine so lächerliche Phrase zu finden. Denn erstens ist die Leipziger A'llg. Zeitung nicht von Preßzwang befreit; zweitens steht er unter dm Anzeigen abgedruckt, gegen theuere theilung eine Stelle finden. Die jüdische Gemeinde zu Rosenberg gab am 16. Nov. dem berühmten Orientalen, Hrn. Dr. Löwe aus London, der 'hier seine Jugendzeit verlebte, ein solennes Abendmahl, das der Gast durch feine geistreichen Erzählungen und die Versammelten durch sittlichen Frohsinn würzten. Viele geistreiche Toaste erklangen an der elegant ausgestatteten Tafel. Wir wollen jedoch nur folgende Worte, mit denen unser praktischer Arzt, Hr. Dr. Eger, den Gefeierten anredete, der Oeffentlichkeit übergeben: „Verehrter Gast! Durch Ihre Geistesvorzüge, dadurch, daß sie mit classischem Auge Sprachgeheimnisse entzifferten, die selbst den Weisen Ihrer Zeitgenossen dunkel und bis dahin ungenießbar geblieben waren, durch Ihre Reise und Schicksale, sind Sie schon lange der gelehrten Welt rühmlichst bekannt geworden. Aber in der jüngsten Zeit hat ein Bund, dem Sie als würdiges, thätiges Mitglied angehörten, durch eine That voll Innigkeit und Größe, durch eine hochherzige, seinen Geistes - und Herzensadel bekundende That, nicht nur die Blicke des civilisi'rten Europasnicht nur die Aufmerksamkeit der Fürsten und Hohen, sondern, was neuerlich viel mehr sagen will, den tiefsten Dank einer großen Nation eingeärntet, die den Preis seines Wirkens wie ein Nationaldenkmal von Kind zu Kind vererben, die Sie und jene ruhmgekrönten Männer, welche der Finsterniß ihre schuldlose Beute abgenommen, als den hellen Demantschmuck der neuesten Geschichte der Juden aufstellen wird. Wir ehren uns, indem wir Sie ehren; wir fühlen uns groß, indem wir auf ihre Größe schauen. —- Seit 1800 Jahren ringen wir vergebens um die die politische Anerkennung unserer Menschenrechte. Man raubt uns unsere junge Gegenwart, weil wir eine zu alte, zu glorreiche, zu neidenswerthe Vergangenheit haben; weil uns aus ihr wie ein Donnerruf die Stimme gottgeliebter Ahnen eine segensreiche Zukunft verheißt. Wir leben —als Volk ohne Gegenwart. Man spricht nur von Dem, was mit uns geschieht, nicht von Dem, was wir thun; nur von Dem, was man mir uns macht, nicht von Dem, was wir sind. Da erstand jener.denkwürdige Bund, der auch Sie umfaßt, unsere Nationalehre zu retten, zu zeigen, daß es für uns noch würdige Stimmen, noch treue Kämpfer für die gerechte Sache gebe, daß die Juden, wie zerstreut auch, durch ein Band der Liebe vereinigt sind, daß sie eben durch diese Liebe eine große Nation bilden. Das war ein großes, bedeutungsvolles Werk des Bundes: im Angesichte des staunenden Europa verließ er, klein an Zahl, ohne physische Gewalt, allein mit der Hellen Waffe de6 mächtigen Wortes gerüstet, allein durch das Brustbild der Gerech- Irffertionsgebühren, daß ihn die Censur selbst für düse Gebührenabgedruckt haben würde; drittens ist der Artikel so unschuldig-lobhudelnd, so geringfügig und ohne alle höhere Bedeutung, daß er auch in China die Censur hatte passiren können. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.