Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 50 (11.12.1841)
- Article
- Fortsetzung der biographischen Notizen
- Date
- 1841-12-11
- Page
- Spalte 781-782 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9897381-9897518-2366906--1918-2366940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
781 Geschichte und Arten der alchebr. Poesie von Prof. Ewald. 782 mente wegen seiner rabbinischen -Kenntnisse, was von deutschen Rabbinen selten dem Portugiesen zu Theil wird. — 10) S ch em Tob b. Isaak Sprot, blühete zu Tudela in Navarra gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Als ein Mann von mannigfachen Kenntnissen machte sich Sprot durch eineMenge sehr schätzbarer Werke einen Namen, und ich will hier die Titel und den Inhalt derselben angeben, a) ntyD ein Supercornmentar über Jbn-Esra's Pentateuch-Commentar handschriftlich in der königl. Bibl. zu Paris (an. fand« 143). Aus der Vorrede, welche ein gewisser Nissim Mo riet aus Larazona. in Arragonien dem Werke vorgesetzt, erkennt man den Editor und daß er es für den Sohn des Autors abgeschrieben, d) Traktat über die Hagadot, ist bei dem vorerwähnten handschriftlich. e) jriD pN, eine polemische, 1385 geschriebene Schrift, welcher er in seinem Supercommentar gedenkt. Viele Bibliographen, dem Iuchasin (p. 136 ed. Krakau) vertrauend, haben dieses Buch dem Vater zugeschrieben, aber dort ist an der Stelle ein Druckfehler, es steht nämlich Isaak Sprot für Schem-Lob b. Isaak Sprot, wie auch die Handschriften dieses Werkes in Leyden und Parma ausweisen. Geschichte rmd Arten ber (alt-) hebräischen Poesie. In dem ersten Theile des Werkes: „die poetischen Bücher des alten Bundes erklärt von Heinrich Ewald" kommt ein historisches Resumo über bie althebräische Poesie vor, das zwar als zur Exegese gehörend fast unbeachtet verschwindet, aber auf dem Gebiete der jüdischen Literatur doch wohl zu beachten ist. Da ich in Kurzem selbst aus diesen Gegenstand zurückkomme, so theile ich hier vorläufig .folgendes, obige Ueberschrist führendes (S. 11) mit: „Es folgt aus dem Obigen, daß die lyrische Poesie überall die nächste Arc von Poesie ist, welche bei irgend einem Volke emsteyc. Sie ist es ihrem Wesen nach: denn sie ist die Tochter des Augenblicks, schnell emporkommender gewaltiger Empfindungen , tiefer Rührungen und feuriger Bewegungen des Gemüthcs. Sie ist es eben so der Zeit nach: das kurze lyrische Lied ist der beständigste, unverwüstlichste Theil von Poesie, der erste und letzte Erguß dichterischer Stimmung, wie eine unversiegbare Quelle, welche zu jeder Zeit sich wieder frisch ergießen kann. Sie ist -also auch bei .allen -Völkern notwendig die älteste, die welche zuerst eine dichterische Kunst und Form gründet und allen übrigen Arten von Dichtung die Wege bahnt. Denn als älteste und nächste Dichtungsart ist sie auch die umfassendste und schließt die Keime zu neuen besondern Arten in sich. Wo das Gemüth durch ein großes, aber schon fertiges, der Betrachtung anheiingefallenes Ereigniß ergriffen ist, da kann der lyrische Dichter, .voller feine Gedanken ergießend, auch einmal bei dem Ereigniß selbst länger verweilen und es ruhiger erzählend in seinen Haupterscheinungen wieder vor die Erinnerung führen; dieß aber ist der Keim zur epischen Poesie, und solche epische Stoffe sind in alten lyrische» Liedern wie Ex. 15. Rcht. 5 wirklich leicht zu entdecken. Tritt.nun bloß diese Wiedererzählung abgeschlossener großer Ereignisse so in die Poesie, daß der Dichter.hinter der ausführlich ruhigen Schilderung seine eignen Gefühle und Gedanken verbirgt, so entsteht die besondre Art epischer Dichtung. — Noch deutlicher ist, wie leicht ein lyrischer Dichter im Drange erhabener Gefühle das was er selbst im Leben erfahren hat, weil er die Wahrheit davon als eine zu mächtige und nothwendige empfindet, auch als für Jedermann geltend aussprechm kann, wie z. B. in Ps. 32 u. 62 die Rede gerade in den erhabensten Stellen schnell und unwillkürlich zu kurzgefaßten allgemeinen Wahrheiten und zur Mahnung an Alle, solchen Wahrheiten sich zu unterwerfen, übergeht. Dies aber ist schon der Keim der Spruch- oder Gnomenpoesie, welche entsteht, sobald ein Dichter solche allgemeine Satze und Rathschläge, losgerissen von ihrem lebendigen Ursprünge, für sich allein zugleich als Spiegel und Lehre hinstellt. — Endlich grenzt das Lyrische nicht selten an das Dramatische, sobald im Liede ein vielfach verschlungenes Verhältniß durch nachahmende Einführung der Gedanken und Reden der dabei thätigen verschiedenen Persönlichkeiten wie im Sp'.ele des Lebens selbst dargestellt und so lebendig entwirrt wird; zu welcher lebhaften Darstellung der lyrische Dichter desto leichter kommt je stärker gerade bei ihm die Einbildung sich regt, wie man z. B. in den Stellen Richr. 5, 28—30. Ps. 64, 6-8 solche dramatische Stoffe bemerkt, von den Spuren wechselnder Chöre Ps. 24, 7—10 u. a. jetzt zu schweigen. Also liegen .in der lyrischen Poesie bereits die Stoffe und Anfänge zu .den besondern neuen Dlchtungsarten, der epischen, gnomischen und dramatischen vor, und es kommt nur auf einen günstigen Wind an , die gelegten Keime zu neuen Gestaltungen aus dem alten Stamme zu locken. Bildet sich aber so ein einzelner neuer Zweig vom alten lyrischen Stamme aus, so wird da schon mehr bewußte feste Kunst hervortreten: denn hier kommt es darauf an, nicht überhaupt nach dem Drange her Gefühle, sondern in einer bestimmten Richtung hin und in der dieser allein gemäßen schönen Form zu dichten, so daß sich hier die einfache wandelbare Kunst des lyrischen Liedes in eine Zahl besonderer und festerer Kunstformen spaltet. So wie beim Uebergange eines Volkes in die mannigfaltigen Richtungen des Staatslebens erst höhere Bildung, entsteht erst heim 'Uebergange 'des lyrischen Liedes ln die besondern Dichtungöarten wahre Kunstpoesie. Ja die alte lyrische Poesie selbst kann sieb dann, nachdem festere Kunst der Grund aller Poesie geworden ist, ebenfalls zn neuen kunstvolleren Weisen verjüngen, wie die indische Lyrik davon ein deutliches Beispiel Libt. Die drei reinen Kunstdichtungen, die epische, gnomische und dramatische, werden zwar, wenn sie sich bei einem Volke alle aus ursprünglicher Kraft bilden, .gerade in dieser Folge auch der Zeit nach hervortreten, da jede von ihnen einer Richtung des Geistes entspringt, welche nur in einer bestimmten Zeit ihre volle Stärke sowohl gewinnen als offenbaren kann. Die epische Poesie wird naturgemäß nur am Ende der Heldcnzeit und ihrer wunderbaren Thaten und Meinungen ihre Blüthe treiben, die gnomische wird -nur im Uebergange aus dem einfacher» Volksleben zu einem verwickelteren und darum desto mehr der Weisheit bedürftigen, gesetzlichen Staatsleben mit innerer Notwendigkeit entspringen; am spätesten aber kann die dramatische Kunst sich vollenden, da das wahre Drama als letzter Gipfel aller Dichtung mit der epischen Wiederbelebung und der gnomischen Weisheit die lyrische Warme und Unmittelbarkeit wieder verbindet und wie im Leben alles untrennbar zusammenhangt, Geschichte, Erfahrung und Empfindung, so durch das Spiel aller dichterischen Mächte das volle echte Leben wiedererzeugt und in einem chöhern reinern Bilde darstellt. Allein es wäre eine irrige Voraussetzung, zu meinen,