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Der Orient · 1841-12-11 · Heft 50 (11.12.1841) · p. Seite 316

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 50 (11.12.1841)
Article
Musik und Musiker in Proßnitz ... [Nachricht]
Date
1841-12-11
Page
Seite 316 (sequence 2)
Language
German
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316 mettibe jetzt mehre Musiker von Beruf und eine beträchtliche Anzahl sehr braver Dilettanten zählt, die nicht bloß zu eigenem Vortheil und Vergnügen, sondern auch nicht selten zu wohlthatigen Zwecken, von ihrem Talente Gebrauch machen, und man kann es nur loben, daß angesehene Familien das in kleinen Gemeinden herrschende Vorurtheil dem guten Zwecke aufopfern und auch ihren Löchteru gestatten, öffentlich aufzutreten, und zwar nicht weniger, wenn es ausschließend zum Vortheil christlicher Personen oder Anstalten geschieht. Wir heben hier 2 Produktionen wegen anderweitigen Jntereffe's hervor. Die eine fand am 20. August 1837 zum Besten der Talmud- Tora in einem Prwatlokale statt, und es eröffnete dieselbe.' ein Prolog, gedichtet von einem dortigen Candidaten, vorgetragen von (dem Stud. Phil.) B. Unter den vorkommenden 4 Concertftücken für Violine und Clavier befand sich eine Lhalberg'sche Fantasie, die ein 13jähriges Mädchen vortrug. — Der mitwirkende, durch früheren Aufenthalt in Brünn bereits bekannte, Violinist, H. Philipp Broch nahm hr'emit gewissermaßen von seiner Gemeinde Abschied, indem er unmittelbar darauf eine Kunstreise nach dem Norden antrat, die freilich schon an dem ersten Haltpunkte, in Lemberg, ihr Ziel fand. Hr. Broch ward dort bald der Günstling des Publikums, der Freund Lipinsky's und dessen Nachfolger in der Professur am philharmonischen Verein. Ueber sein seitheriges künstlerisches Wirken hatte „berHumonft" mehrmals günstige Berichte. Seine vielen Freunde in Proßnitz wünschen und hoffen aber, nach so Langer Abwesenheit, ihn nächstens auf einer Kunstreise nach Wien wiederzusehn. — Von dem erwähnten Concerte ist nur noch zu bemerken, daß der reine Ertrag sich auf 80 Fl. C. M. belief, und daß unter dem Publikum sich General Fürst Schwarzenberg, mehre daselbst stationirte Offiziere, der Pfarrer, bas fürstl. Lichtensteinsche Amtspersonale als Ortsobrigkeit rc» befanden. — Das letzte und in jeder Beziehung glänzendste Produkt dieser Art ist aber eine musikalisch - declamatorische Abendunterhaltung, welche am 3. Ott. 1841 in einem öffentlichen Saale zum Besten der Talmud-Tora Statt fand, und über welche wir, zum Theil nach Anleitung des vorliegenden gedruckten Anschlagszettels, noch einiges Nähere mittheilen. Die dießmal mitwirkenden zahlreichen Herren und Damen sind wieder sämmtlich proßnitzer Israeliten, darunter zwei an der Prioattapelle des Grafen Troja angestellte Zöglinge des Wiener Conservatoriums, welche dem Unternehmer nicht blos ihre Mitwirkung, sondern auch noch eigene Reiseauslagen schenkten, welches gewiß der Nachahmung empfohlen zu werden verdient. Der Prolog, eine treffende Anwendung des bekannten Midrasch -p-ON HDS hat den nach 4jährigcm lobenswerten Wirken, soeben abgehenden Oberlehrer Hr. T. W eiffe zum Verf. und ward von einem lljäh: rigen Schüler der Anstatt vorgetragen. Zwei Abtheilungen brachten 6 musikalische Nummern von namhaften Compositeurs für resp. Clavier, Violin, Violoncell u. Guitarren, letztere zugleich eine Composition des Vortragenden, (jetzt Kaufmann und Familienvater), der bereits früher in Prag mehre Compositionen veröffentlichte, und überhaupt sehr viel Composirionstalent besitzt. Die erste Abtheilung beschloß eine romantische Erzählung, nach einer jüdischen Sage (von den Fremdlingen zu Mainz sworüber vgl. Annalen No. 47] aber mit Verwebung der Blutanklage), verf. und deklamirt von dem, durch kleinere lyrische Aufsatze in wiener Blättern bekannten, bereits oben erwähnten Hr. B. jetzt Stud. Med. Das Ganze beschloß eine (humoristische) Vorlesung (des erwähnten Cand.) mit einer eigenen komischen Einleitung vorgetragen von Hc. B. Auf besondere Verhältnisse der Anstalt hindeutend schienen die Schlußworte: „ ... und so giebt es selten Kunstproduktionen ohne Dissonanz. Sie aber meine Werthen! haben heute, wie immer, den besten Ton bewiesen, und den lieblichsten Klang vernehmen lassen. Denn die Vorzüglichkeit der heutigen Produktion besteht weniger in den seltnen Gaben und Leistungen der Mitwirkenden, als in den häufigen und reichlichen Gaben des Publikums in eine Lehranstattskasse, die ohne diese Gaben eine leere Anstaltskaffe wäre..." — Der gesammte Ertrag belief sich auf 150fl. CM. wovon ein unverhättnißmäßig großer Theil auf das christliche Publikum entfallt. Sammtliche Honoratioren der Stadt, sowohl Militär (worunter General Fürst Thurn und Taxis) als Geistlichkeit, Beamte, und selbst Gäste von einigen Meilen in der Runde, hatten ein, bei uns leider noch nicht sehr häufiges, Muster vorurteilslosen (s. g. toleranten) großmüthigen Wohlrhätigkeitsflnnes gegeben, worin freilich die proßnitzer Israeliten, namentlich die Mitwirkenden, wie bereits erwähnt, stets vorangegangen sind, was aber doch öffentliche Anerkennung verdient, um so mehr, als man von dem seltnen Schauspiel einer solchen Versammlung sich eine nachhaltige Wirkung zu versprechen geneigt ist. Eine lobenswerte Bescheidenheit verschwieg die Namen der Mitwirkenden auf dem Anschlagzettel, und gebietet auch hier ein Gleiches. Wir sind überzeugt, daß mehr noch als der reichlich gespendete Beifall, das eigene Bewußtsein dieselben zu fernerem gleichen Wirken aneifern wird". — Der Rest unsrer Correspondenz beregt noch manche wichtige Frage: Wie kommt es z. B., daß die hohe Ausbildung der Tonkunst in Proßnitz so oft der Humanität, so wenig dem Cultus Vorschub leistet, so daß selbst der an der Talmud- Tora vor Jahren begonnene Gesangsunterricht sich am meisten in — Pausiren übt? — Warum wurde dieser Anstalt, außer dem jährlichen Stiftzins von circa 800 fl. CM* und dem bestehenden Schulgeld der Wohlhabenden noch in 4 Jahren der Ertrag von 2 Concerten und einem Balle, während die neue Synagoge, zu der am 16. August 1838 der Grundstein gelegt ward, noch mit kahlen Wänden dasteht? Warum bleibt die erledigte Oberlehrerstclle unbesetzt? u.dgl. m. — Der unpathetische Bericht eines Befferunterrichteten wäre sehr willkommen. * ■* Interessante Predigt. Von Hrn. K. Grünwald Rab. in Lehrmfteinsfeld im Würtembergffchen, ist eine Predigt erschienen (Heilbronn, in der Schell'schen Buchdruckerei), betitelt: Israels Trost und Hoffnung, gehalten den 31. Juli in der Synagoge daselbst. Diese Predigt, an Moses Montesiore dankbar gewidmet, ist in so fern einzig in ihrer Art, als sie offen und ohne Scheu die Gemeinde für unfern Glauben an eine wahrhafte Erlösung zu begeistern und zu belehren sucht, welche Erlösung der Rabbiner mir Recht in der Wiederkehr Israels nach Palästina sucht, ohne auf die große Schaar der nivellirenden Freigeister, die gern diesen tröstenden Glaubendes Judenthums aus den Herzen Israels reißen möchten, zu achten. Als Text ist gewählt Jes. 40, 1: Tröstet, tröstet mein Volk u. s. w. und die ganze Anordnung und Disposition ist musterhaft. Zum Schluffe ist der Artikel Palästina aus dem Orient No. 28 abgedruckc, in welchem Artikel das Meeting zu Carlow enthalten ist. Dieses Meeting hat der Orient zuerst erhalten, und es konnte auch nur zu seiner Tendenz passen, da er die Idee einer Restauration seit zwei Jahren verfolgt. Diese Predigt (wie Predigten überhaupt) wird im nächsten Jahrgänge im Hauptblatte recensirt werden, wo für Schulschristcn und Predigten eine Rubrik eröffnet werden wird. — Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von 2* H Nagel.

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