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Der Orient · 1841-11-27 · Heft 48 (27.11.1841) · p. Seite 299

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 48 (27.11.1841)
Article
Glogau: Eine Confirmation ...
Date
1841-11-27
Page
Seite 299 (sequence 2)
Language
German
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299 schwach köpsigen Alten zu Liebe; ein Anderer um seinen Ruf der Orthodoxie für mögliche Fälle fleckenlos zu erhalten; ein Dritter um zu zeigen, er habe den Jerusalem gelesen und wisse, daß das Judenthum keine Dogmen kerne und kein Glaubensbekenntniß im christlichen Sinne zulasse; ein Vierter um ^ür einen einen „guten Jüv" zu gelten; die Meisten aber schrieen aus stupider Nachäfferei, weil sie Andere schreien hörten und weil ihrem wüsten und verwahrloseten Wesen Alles zuwider ist, was im Gotteshause das Gepräge der Ordnung, der Schönheit und der Erbaulichkeit an sich tragen könnte. Sehen wir aber auf die Wirkungen jenes Zelotengeschreies so haben wir alle Ursache uns dazu Glück zu wünschen. Seit Jahren nämlich bot das Gotteshaus keinen so erfreulichen Anblick, wie an dem benannten Tage: die Räume waren zum Erdrücken voll. — Nur zu ihr guten Leuten! Schreiet aus vollem Halse über über mpn! Euer Geschrei ist vielleicht das wohlthätigste Ferment, um in die stagnirende Masse Gährung und Leben zu bringen; vielleicht das einzige Mittel, unsere Indifferenten zu reizen und zu erwecken, daß sie euch nachahmen uild den Eifer, mit dem ihr die Nacht zu verewigen sucht, zur Förderung des Lichtreiches anwcnden. Euer Geschrei dürfte sie endlich in die Räume des Gotteshauses locken, um euch in imposanter Masse die Spitze zu bieten, daß ihr euch nicht fürder in patziger Breite gebährdet, als wenn euch allein jenes Gotteshaus gehörte, von dem ihr jeden mit seinen zeitgemäßen Vorschlägen, als einen unberechtigten Eindringling zurückweisen möchtet, dann blühte uns die Hoffnung auch, aus unserer Gemeinde die Schmach weichen zu sehen, daß in dem Tempel des Herrn polnische Gassenhauer- und profane Gesangsweisen ertönen dürfen; die Hoffnung endlich, unser Gotteshaus verherrlicht zu sehen durch Ehorgesang und würdige Recitation der in ursprünglicher Reinheit und Wahrheit wieder hergestcllten Gebete. Keine buntscheckigen die alles sind: witzig, scharfsinnig, gelehrt, orientalisch-üppig, blühend, nur keine Gebete. Kein p-tts Qip für Beamte und Würdenträger in der Gemeinde, die bereits seit einem Jahrtausend ihre Funktionen eingestellt haben; kein wüthiges, ruchloses Rachcgeschrei wie TlDWn "pny Dl nDpJ Wy1? Lnp), keine Lamentationen des sogenannten langen Qirn wm über schrecklichen Druck und blutige Verfolgung; Klagen, die in dem Theile der Erde, welcher der Sonne der Humanität zugekehrt ist, oder sich allmählig zukehrt, Gott Lob, zur Lüge geworden sind, oder immer mehr und mehr zur Lüge werden. Dann wird an der Stätte des wahrhaftigen, liebenden und verherrlichten Gottes, nicht länger die Lüge, der Haß und die Ungestalt weilen. ß, Neuholland. Sydney. Die Bekenner des jüdischen Glaubens unter der englischen Colonie in Sydney, der Hauptstadt Neuhollands, entbehrten bis jetzt noch eines öffentlichen Cultus. Vor wenigen Monaten ernannten sie daher einen Ausschuß, ber bei dem Negierungsbeamten Herrn Poole auf Anweisung des nöthigen Flachenraums zur Erbauung einer Synagoge antrug, was sogleich genehmigt wurde. Uebec 3000 Pfd. St. (20,000 Lhlr.) sind seitdem zur Bestreitung der Baukosten unterzeichnet worden. Der Ausschuß fühlte sich Hrn. Poole so verpflichtet für die bereitwillige Unterstützung des Unternehmens, daß er ein Danksagungsschreiden an ihn erließ; auch wurden Beitrage gesammelt, um ihm einen silbernen Präsentirteller als Beweis dankbarer Anerkennung zu überreichen. Kol Jakob. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Das neue Hamburger Gebetbuch des israelitische» Tempels. Verlassen liegt mein Gut und Land, Der Herd blickt öd' empor, Es wuchert Unkraut an der Wand, Der Hund heult dor dem Thor. Lord Byron. Haralds Pilgers, l. 13. Wenn die wohlthätig sich immer mehr ausbreitenden Reformbesirebungen in dem modernen religiösen Leben des Judenthums einmal in den Fall kommen sollten, von ihrer Spannkraft und ursprünglichen Energie nachzulafferi, so wird der verdumpste immer rege Fanatismus schon dafür sorgen, daß sie sich von Neuem verjüngen und beleben. Denn wenn auch jener in unsere Zeit hineinragende Rabbinismus mit seiner grenzenlosen Unwissenheit und Geistesarmuth, mit seinen excommunicireuden Phrasen und blassen Bannstrahlen, schon seit einigen Jahrzehnten aus dem praktischen Leben geschieden, so giebt es doch noch eine große plebejische Jüngerschaar jenes Rabbinismus, die wie pensionirte Kettenhunde um so mehr Larmen und bissig thuu, je weniger sie in der Lhat schädlich sein können. Einer aus dieser Jüngerfchaar hat so eben sich unter den Ankündigungen der Leipziger Allgemeinen Zeitung Nro. 313 Luft gemacht, und diese wüthende Sprache, in Worten übersetzt, lautet: ,,Hamburg, den 5. Novbr. 1841. Ein vor einiger Zeit hier erschienenes Buch, betitelt: ^Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten. 5601 (1841)," worin die seit Jahrtausenden geheiligten und in allen Welttheilen bei den Juden angenommenen und eingeführten Gebete willkührlkch abgeändert sind, veranlaßte eine Warnung dagegen absekten der hiesigen israelitischen Religionsbehöede, welche vor Kurzem in allen Haupt- und sämmtlichen kleinen Synagogen öffentlich verlesen und angeschlagen wurde. Hoffentlich werden auch auswärtige israelitische Gemeinden und Religionsvorstände Warnungen vor dem Gebrauche des oben bezeichneten Gebetbuches in ihren Gemeinden ergehen Lassen, damit kein religiöser Israelit verleitet werde,

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