Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Article
- Berlin: Lebensgeschichte des seel. Abrah. Basch
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 295 (sequence 1)
- Language
- German
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295 A Berlin, 3. Nov. (Schluß.) So finden mt ihn irrt Frühjahr 1841 auf dem Krankenlager. Fast beispiellos war die Teilnahme, welche hier sich ihm zu erkennen gab. Nicht nur seine Freunde und Bekannte, auch viele ihm völlig Unbekannte gaben ihm ihr Mitleid zu erkennen. Noch hatte sein Geist alle seine Frische behalten und in schmerzlosen Stunden erheiterte er sich durch Schachspiel worin er eine ungewöhnliche Meisterschaft besaß. Mit stoischer Ruhe las er mir eines Tages seine Grabschrist vor, die er so eben geschrieben hatte: nD-w'N nnn, ]\s‘~bn nnn pn njp-mpn nnn mp-np' nnn non-non nnn iTaritt "'»nyrcr» no m) Für Alles — Nichts, für Leben — Sterben, Für frommes Zntraun — morschen Btab, Für Gluthen — Eis, für Huld — Verderben, Das ist's, was mir die Hoffnung gab. Als ich ihn damit tröstete, daß er gewiß sich recht bald erholen würde und meinte, daß es einem so frommen Gemüthe wie dem stinigen nicht anstehe, mit solcher Zerknirschung den Weltenlauf anzuschauen, las er weiter: Ich lieg am Hafen der Seligkeit Und athme Gottes Näh', Und alles Ird'sche weit und breit Verschönet jene See. Ich fahr' dahin im trunknen Blick, Mit Hoffnungssegel angeschwellt. O brechend Herz vertrau' dem Glück Das Jenseits Dunkel jetzt erhellt. Ich konnte die Thranen nicht langer verbergen, eilte ins Nebenzimmer und fand aus dem Buche, in welches er die Gcabschrift geschrieben hatte, das Motto: toi mD yYp nb tp t £dö y myrp-N^ unno&ra Ein Herz, das nur den eignen Kummer fühlt, Au dessen Freu-' ergötzt kein Fremder sich. 17. Juli 1839. irnbin nv 'h taspn non m Darunter waren die Namen Derjenigen verzeichnet, die sich freundlich und wohlwollend seiner erinnert hatten. — Die Treue, welche seine Aerzte die Hm. Dr. Dr.- Rintel und Gumbinner an ihm ausübten, und die sorgfältigste Pflege seiner Frau und Schwester, welche mit eigener Aufopferung ihrer Gesundheit den geliebten Mann und Bruder dem Tode zu entreißen wähnten, blieben leider fruchtlos. — Am Neujahrsabende rief er seine 5 Kinder vor das Bett, ermahnte und segnete sie. Einige Tage darauf bestellte er sein Haus und sprach unter andern den.Wunsch aus, daß sein ältester Sohn, die Briefe seines Großvaters zum ewigen Andenken aufbewahren solle. Noch einmal hatte die Hoffnung ihm Balsam in das wunde Herz geträufelt; sein Instand hatte sich plötzlich verändert, und sein Arzt erstaunte, als er ihn am folgenden Morgen fast völlig schmerzlos und ein Buch lesend fand. Freitag den 24. Sept. um die Mittagsstunde kam ich zu ihm und drückte meine Freude über den, uns vom Arzte gebrachten Trost aus. Nie werde ich es vergessen, wie er mir darauf im ernsten und feierlichen Tone geantwortet: „Gott sei Dank, jetzt bin ich durch! . ♦ Er hatte fortwährend den Wunsch geäußert, nach seiner neuen Wohnung zu gelangen, auf Rath des Arztes ließ ich ihn in einer Portechaise dahin tragen. Sein Auge schweifte mit Wohlwollen in diesen neuen Räumen umher. Es war am Vorabende des Versöhnungsfestes (YDO DP my) ich ergriff feine Hand, wünschte ihm rnitt nmnn, küßte seinen blassen Mund und entfernte mich. Als ich in derselben Nacht zu ihm berufen wurde, hörte ich das verzweiflungsvolle Geschrei seiner Frau; seine Schwester saß an seinem Sterbebette, zwei Lichter brannten, seine Lippen lispelten noch das iwY^ y^ (Höre Israel ec.) — seine fromme Seele war aus ihm geschieden. Bei seinem Begräbniß, daß unter großem Gefolge stattfand, ertheilte ihm der Gemeinde-Vorstand in Uebereinstimmung mit dem Robbinat das Prädicat: WYO. Der Verklärte hinterläßt eine Wittwe mit fünf unmündigen Kindern, zwei derselben wurden sofort von dem geschätzten Hrn. Baruch Auerbach in die von ihm gegründete Waisen-Erziehungs-Anstalt ausgenommen. Wir wünschen und hoffen, daß recht bald erfüllt werde, was die öffentlichen Blatter bei der Nachricht von dem Dahinscheiden Basch geäußert: Möge die Welt die Wittwe und ihre Kinder die dem Manne und Vater widerfahrene Unbill vergessen lassen, damit nicht die stille Trauer um dm theuren Dahingeschiedenen, durch Kummer und Sorgen unterbrochen werde! — Der literarische Nachlaß des Verklärten, den ich im Vereine mit Hrn. Jolowicz herauszugeben gedenke, besteht in einem hebr. bibl. S ach wo ct er buche, Gedichten und Aufsätzen, einem Wörterbuche der berühmtesten jüdischen Schriftstellerund einer biblischen Zoologie. Auf dieses Werk, auf welches der Dahingeschiedene so viele schlaflose Nachte verwendet, das er stets als seine Lieblingsarbeit betrachtet hatte, und dessen Herausgabe er so'innig gewünscht und nie erlangen konnte, haben bereits bei Lebzeiten Baschs eine nicht geringe Anzahl Subskribenten unterzeichnet. Die Lewentsche Buch Handlung in Berlin wird die ferneren Unterzeichnungen entgegennehmen. So hoffen wir recht bald in den Stand gesetzt zu sein, einen Act der Pietät gegen den Dahingeschiedenen auszuüben und seiner Wittwe nebst ihren Kindern einen nicht unbedeutenden Gewinn zu verschaffen. Die Proben der hebräischen Poesien:, welche in der Broschüre der Lebenserzähluug folgen, zeigen hinlänglich, welche Meisterschaft in der Handhabung des Hebräischen der selige Basch besaß, und es wäre gewiß wünschmswerth, daß das Publikum die Veröffentlichung dieses- Nachlasses fördere.