Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1841)
- Article
- Berlin: Lebensgeschichte des seel. Abrah. Basch ...
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Seite 287 (sequence 2)
- Language
- German
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287 schuft zu helfen) er machte nämlich für den Banquier G. hebr. Copien und schrieb so lange, bis das bescheidene Mittagsmahl verdient war. Damals lieferte er auch häufig Beitrage für das Wadzecks - Wochenblatt, und Niemand ahnte wohl, daß der gemüchliche Verfasser so vieler launigen Aufsatze mit solcher Noch zu kamsen hatte. Von dem Unterrichte, welchen er ertheilte, suchte er so viel zu erübrigen, daß er die Vorlesungen über Anatomie, und Physiologie von Rudolph! besuchen konnte, wozu eine unwiderstehliche Lust zum Studium der Medicin ihn anttieb. Die Lage unfers B. sollte sich jedoch bald ein wenig besser gestalten. Man harte von seinem umfangreichen Wissen, seiner Anspruchlosigkeit und der Biederkeit feines Charakters gehört und suchte ihn zu veranlassen den Kindern mehrerer jüdischen Familien gleichzeitigen Unterricht zu ertheilen. Dies geschah mit so gutem Erfolge, daß der Kreis seiner Schüler sich in Kurzem erweiterte und er bei der Behörde um die Concession zur Haltung einer Knabenschule einkam. Der Consistorial-Rath Bell ermann stellte ihm das beste Jeugniß über seine Fähigkeiten aus. So gründete Basch im Vertrauen auf Gott seine Schule. Obgleich seine jetzige Stellung ihn leicht hatte verleiten können, seine Gelehrsamkeit an den Nagel zu hängen, fuhr er vielmehr mit noch größerm Eifer fort, seinen Studien zu leben. Er trieb englisch, spanisch, italienisch, mit Vorliebe jedoch die orientalischen Sprachen. Im Frühjahre 1825 machte er eine große Reise nach dem Süden und Westen Deutschlands und knüpfte bei dieser Gelegenheit die interessantesten Bekanntschaften mit den Literarischen Notabilitaten an. Auch bei Gothe fand der junge bescheidene Gelehrte freundliche Aufnahme. Mit vielem Vergnügen erinnerte er sich stets jener Zeit; es war die einzige in seinem Leben, wo sein Blick frei in Gottes Schöpfung umherschweiste, und sein freier Geist nicht von den drückenden Verhältnissen gefesselt wurde. Im I. 1825 wurde unter dem Directorat des Dr. Heinemann das Weyl'sche Seminarium eröffnet; unserm Basch wurde der hebräische Unterricht in den ersten Klassen anvertraut; durch Freundlichkeit und Milde gewann er die Herzen seiner Schüler, durch Pünktlichkeic und Gewissenhaftigkeit das Vertrauen und den Beifall seiner Vorgesetzten. Im folgenden Jahre vermählte er sich mit Minna Weyl; schon seit sechs Jahren hatte zwischen ihnen das heiligste Freundschaftsbündniß bestanden. Die folgenden 10 Jahre hatten keine auffallende Veränderung in seinen Lebensverhältnisseu erzeugt; als jedoch das Seminarium einging und auch seine Schule das Loos der meisten übrigen jüdischen Schulanstalten traf, daß sie nur einer geringen Theilnahme sich zu. erfreuen hatte, erfüllte ihn die Ernährung seiner ziemlich zahlreichen Familie mit mancherlei Sorgen. Dies konnte ihn jedoch nicht hindern seine, wissenschaftichen Bestrebungen mit noch -erhöhtem Fleiße fortzusetzen. Er hatte eben sein Werk ^kritische Forschungen über den Midrasch Jalkut" vollendet, als Dr. Zunz's „Gottesdienste Vorträge der Juden" erschienen; da er sich übectroffen sah, warf er sein Manuskript ins Feuer. Um diese Zeit knüpfte sich das Freundschastsband mir David Friedländer fester, der in ihm nicht allein den tiefen und gründlichen Gelehrten, sondern auch den liebevollsten Menschen erkannte und verehrte. Friedländer suchte ihn zu veranlassen seine „biblische Zoologie" herauszugeben; doch überall stellten sich ihm Hindernisse in den Weg, und das gelehrte Werk blieb bis auf einzelne Episoden, welche in Dr. Fürsi's Zeitschrift „der Orient" Nr. 4). veröffentlicht wurden, unbekannt. Der Tod seines Vaters, dem er in wahrhaft kindlicher Liebe zugethcm war, seiner Schwe ster und eines seiner geliebten Kinder ließen den betrübendsten Eindruck aus ihn zurück. Noch immer war er Bekannten und Unbekannten der unermüdliche Freund in der Noch; andere glücklich zu wissen, opferte er sein eigenes Gut. Aber wo er Wohlthaten gesaet, mußte er Undankbarkeit erndten; er sah die Bornirtheit trrumphiren, wahrend das Schicksal ihn auserwahlt zu haben schien, wie die Meereswoge hin- und hergeworsen zu werden, um endlich am Ufer zu brechen. Solche bittere Erfahrungen mußten die in ihm schlummernde Melancholie, mit ihrem grausigen Gefolge heraufbeschweren; sein in Leiden gestähltes Herz hatte die Körperkrast in ihm vernichtet. (Beschluß folgt.) Dresden, 1. Novbr. Wenn ich in meiner heutigen Mittheilung auf ein Thema zurückkomme, das man mit Recht als abgemacht arisieht, so geschieht es nur in der Absicht, um einen Gegenstand würdig zu durchspcechen und ganz zu erledigen, daß selbst die entfernteste Zweifelsucht keinen Anlaß finden möge. In Nr. 30. dieses Blattes wurde aus den sachsi Vaterlandsblattern eine Beschwerde, angeblich von vielen Mitgliedern der Gemeinde in Dresden gegen manche vergebliche Mißbrauche, ausgenommen. Diese Beschwerde hat zwar in Nr. 32 unter der Überschrift: Ein Wort der Wahrheit, eine würdige Abfertigung gefunden, jedoch da der Eorr. auf Einzelnes einzugehen als unter seiner Würde gehalten zu haben scheint, so wird folgende Besprechung wohl nicht als überflüssig angesehen werden können, zumal noch hie und da mancher an den Einrichtungen in unserer Gemeinde mäkelt: ,,Die Neuheit der directm Steuer in unserer israelitischen Gemeinde, welche eine solche, wie sie in allen israelitischen Gemeinden eingeführt ist, bisher nicht kannte, erregte manche Unzufriedenheit, die sich in eine Beschwerde auch in diesen Blättern ausgesprochen. Wenn einmal Unzufriedenheit rege geworden, so kennt der Parteiische keinen Unterschied, urtheilt nicht genau, sondern sucht aus Allem, wenn es irgend thunlich, einen Anklagepunkt zu machen, siele auch das Urtheil zu seinem eigenen Nachtheile aus. So wird über ein übermäßiges Personal, als: 46*