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Der Orient · 1841-10-30 · Heft 44 (30.10.1841) · p. Seite 278

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 44 (30.10.1841)
Article
London : Ein jüd. Baronet [Nachricht]
Date
1841-10-30
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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278 ist erwacht und vielbesprochen. Die sogenannte,,große Synagog e", nämlich die von Dukes Place, ist in Unterhandlung mit Rev. Mr. Isaaks, Prediger in Liverpol und Manchester, um denselben in gleichem Amte hier anzustellen, und derselbe hat als Proberede vor einigen Wochen einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag gehalten. In den von Zeit zu Zeit statthabenden Beratungen kam die Errichtung eines zeitgemäßen irrnon rro zur Sprache. Aufrufschrciben zur Organisirung eines jüdischen Bildungsinstituts haben die Notwendigkeit der Verallgemcinung von Intelligenz und Bildung unter uusern hiesigen jüdischen Brüdern dringend besprochen. Diessallige Bestrebungen werden vorzüglich durch ben hochgesinnten von nationalem Eifer beseelten Mr. Franklin angeregt. Derselbe, ist es auch, der gegenwärtig mit Entsagung eigener Ruhe und aller persönlichen Interessen die Begründung eines Blattes versucht, das unter dem Namen npy* **) „The Voice of Jocob“ erscheint, und dessen erste Nummer yyy rwn als Probeblatt ausgegeben, als Beilage unseres heutigen Berichtes zur Einsicht folgt. * Es soll vierzehntaglich ein Bogen erscheinen und har wie der Prospekt auseinandersetzt, zur Tendenz: Beförderung der Gesittung und Wahrnehmung ihrer Interessen unter den Juden, sowie die Aufrechthaltung ihrer Religiosität. Als literarische Erscheinung ist noch zu bemerken, das von Dr. Löwe in ein fließendes Englisch übertragene des Herrn Lewisohn. Das Original wurde in Folge einer vor acht Jahren in Soslow in Polen stattgefundenen Blutanklage verfaßt und mochte in hebräischer Sprache wohl spärlich zur Kenntniß der verfolgenden Partei gelangen. Es steht zu bedauern, daß das geistreiche Damascia (wir meinen den vorzüglichen zweiten Theil) nicht ebenfalls unter dem theilnahmvollen englischen Publikum Verbreitung gefunden. Erwähnenswerth ist noch die am 14. Seplbr. vorgenommene Einweihung einer jüdischen Kinderbewahranstalt (Jew’s infant school), die, wie beiliegendes Programm angiebt, 200 Kinder zu fassen vermag. Die Einweihung ging in folgender Weise vor sich: Man betete, da es zwei Uhr Nachmittags war, nfUß mit wohlgeübtem Chorgesang, darauf hielt der Lehrer der Anstalt eine paffende Rede über die Nützlichkeit eines Bewahr-Institutes, und zeigte zur Zufriedenheit der zahlreich anwesenden Gönner praktisch die Unterrichtsweise. Die jugendlichen Schüler schritten sodann paarweise ab, und man las die sinnig gewählten Psalmen Kap. 8. 24. 34. 111. 127 und 29, denen sich das für diese Gelegenheit verfaßte Gebet DK anschloß. Zum Schlüsse trug der hochbegabte Mr. Francis Goldsmith, Sohn des anfangs erwähnten Sic Isaak Lyon, eine würdevolle begeisterte und begeisternde Rede vor, über die Nothwendigkeit einer frühbeginnenderi religiösen Erziehung. Wir haben seitdem erfahren, die Rede des Mr. Francis Goldsmith sei in dem Sun abgedruckt worden. Sollten wir des Blattes habhaft werden, so wollen wir durch Einsendung an Ihr geschätztes Blatt auch unfern deutschen Brüdern den Genuß der gehaltvollen Rede zuwend tu. *) Wir werden darüber nächstens berichten. Red. **) Verfaßt von Mr. M. Josephs, einem ehrwürdigen Greis, der in harmloser Zurückgezogenheit einer dankbaren hebräischen Muse lebt und dessen Styl an die wortkräftigen Meassimzeit mahnt. Wohlthätige Einrichtungen haben in seinem bisherigen edlen Wirken bald ihren Begründer bald ihren Beförderer gefunden. Unter seinen literarischen Leistungen ist ein englisch hebr. Wörterbuch ausgezeichnet. Deutschland. Berlin, 21. Occ. Die Vossische Zeitung No. 241. v. 15. Oct. rheilt mit: Wir erfahren durch das Ausland interessante Dinge, die im Inland Vorgehen, und unter Umständen gewinnen diese dadurch auch an Werth. So ist es mit folgenden Zügen von der edeln Freigebigkeit des bekannten jüdischen Bankiers S a l o m o n Heine in Hamburg. Der Constitntionel erzählt dieselben nach einem Briefe aus Hamburg. Die lutherische Kirche der Parochie, in welcher Herr- Heine wohnt, bedurfte eines Umbaues. Die Kosten waren auf 30,000 Mark berechnet. Die drei Kirchenvorsteher begaben sich zu Heine und baten ihn, seinen Namen an die Spitze einer Subscription, die zu diesem Behufe eröffnet werden sollte, zu setzen. Heine lehnte es ab, forderte sie jedoch aus, zu einem der reichsten Bankiers ihres Glaubens zu gehen und diesen zeichnen zu lassen, dann wolle er dieselbe Summe geben, die dieser gezeichnet habe. Die Kirchenvorsteher gingen zu dem Bankier Bauer, der die Hälfte der ganzen Summe, 15000 Mark zeichnete. Sie kehrten hieraus zu Heine zurück, welcher, seinem Worte getreu, die andere Hälfte gab. — Ein anderer Fall ereignete sich wenige Tage, zuvor. Ein geachteter, doch junger Hamburger Kaufmann kam zu Heine und bat ihn, ihm 30,000 Mark Banks zur Deckung eines Wechsels zu leihen, die er nicht aufzubringen vermöge, deren Nichtzahlung aber ihn um Ehre usid Kredit bringen werde. Aus seinen Büchern könne er seine völlige Solvenz drrthun, wenn er nur gehörige Frist erhalte. Heine ging mit zu ihm, sah die Bücher genau durch und fand die Angabe richtig. Nachdem er dem jungen Kaufmanne einige leichte Vorstellungen gemacht, daß er. nicht vorsichtig genug gewesen sei, drückte er ihm ein Papier in die Hand, und sagte: das ist Alles, was ich jetzt für Sie thun kann, und entfernte sich schnell. Als der junge Mann das Papier entfaltete, fand er seinen eigenen Wechsel mir d?r Quittung für die Zahlungauf der Rückseite. — Köln, 10. Ott. Die in öffentlichen Blättern so oft besprach.ne Criminalprocedur gegen Louis Moritz Henoch, Sohn des geheimen Commerzienraths Henoch aus Berlin, hat nun endlich ihr Ende erreicht. Am 5. Oct. d. I. wurde hier die Assist eröffnet, welche über die auf Theilnahme am betrügerischen Bankerotte des flüchtigen Bankiers A. H. Wolf aus Bonn gerichtete Anklage entscheiden sollte. Selten hat eine Cache ein so allgemeines und lebhaftes Interesse erregt, und noch seltener ist es einem Beschuldigten gelungen, sich so vollständig gegen eine Anklage zu rechtfertigen. Die Verhandlungen fanden wahrend fünf Tagen unter dem unausgesetzten Zudrange eines sehr großen Publikums aus allen Ständen statt. Neununddreißig Belastungszeugen wurden vernommen. Alle scheinbaren Judicien, die nach dem Inhalte der Untersuchuirgsakten zur Begründung der Anklage angerusen waren, zerfielen durch die Aussagen der Zeugen oder durch die klaren Erläuterungen des Beschuldigten. Das Vorurtheil, mit welchem ein großer Theil des Publikums diese Sache früher besprochen hatte, wurde durch die Verhandlungen und die Persönlichkeit des Beschuldigten dergestalt besiegt, daß schon lange vor Beendigung der Sache nur Eine durchaus günstige Stimme für denselben herrschte. So rechtfertigte sich die Ansicht, welche Freunde und Bekannte des Beschuldigten, und insbesondere sein Verrheidiger, Herr Iustizrath Advocat Anwalt Esser II., über dessen Unschuld immer gehegt und offen ausgesprochen hatten, auf die überzeugendste Weise; und es sprachen die Geschworenen gestern Abends gegen 9 Uhr nach ganz kurzer Berathung, einstimmig wie verlautet, das: „Nicht schuldig"

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