Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1841)
- Article
- London : Die Augen der Judenchristen auf Palästina gerichtet ... [Nachricht]
- Date
- 1841-10-30
- Page
- Seite 277 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang ♦ Berichte, Studie» und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei asten löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jatw. jüdische Geschichte und Kleratnr. HerauS.qegeben von VW. I N L i u 3 F ii r st. Eon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, daßLiteralurblattmitgerechnet, zwet Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 44» Leipzig, den 30. October Ä84R» Orient. London (Die Augen der Judenchristen auf Palästina gerichtet, welches die Juden zu ihrem Nutzen wenden sollten.) — Großbritannien (Londo n. Ein jüd. Baronet. Goldsmith. Die Reformsynagoge. Reform-Verhandlungen. Die große .Synagoge. Mr. Franklin. Dr. Löwe. Mr. Josephs.) — Deutschland (33 er litt. Züge v. Sal. Heine. Köln. Freisprechung Henoch's. Rawicz, üb. das Berliner Seminar.) — Licht- und Schattenbilder aus der jüd. Geschichte der Gegenwart. Gesetzentwurf über die jüd. Verhältnisse in Hildburghausen. — Personalchronik, u. Miscellen. — LB. d. Or. Orient. London, 12. Oct. Die Engländer haben den Plan noch nicht aufgegeben, in Jerusalem auch ein protestantisches Bisthum zu errichten. „Palästina, heißt es in Londoner Blättern, welches durch die Ereignisse der letzten 12 Monate von Neuein mit dem Interesse, das ihm so eigenthümlich ist, der christlichen Welt näher gerückt wurde, soll mit England auf eine Weise verbunden werden, welche die Zeit und den Zwist kämpfender Staaten überdauert. Nächstens wird ein protestantischer Bischof für Jerusalem ernannt werden. Schon seit längerer Zeit sind Unterhandlungen darüber mit der preußischen Regierung gepflogen worden, und der König von Preußen hat die britischen Christen, welche das Christenthum unter dem ehemaligen Volke Gottes zu verbreiten wünschen, freigebig unterstützt. Man beabsichtigte anfänglich, das Amt dein bekannten Kenner des Hebräischen, Dr. M'Caul, anzutragen; dieser lehnte es aber mit einer ihm als Mann und christlichen Geistlicher ehrenden Selbstentsagung ab, da er so lange schon die Ansprüche der Juden unterstützt habe mb damit ein Jude den bischöflichen Sitz erhalte. Darauf wurde sie Hrn. Alexander, dem Professor der hebräischen Sprache am Kings College, angeboten, der sie annahm, und im nächsten Monat nach feierlicher Weihe durch den Erzbischof von Canrerbury nach seinem Bischofssitz abgehen wird. Er ist ein Mann von tadellosem Charakter und reiner Frömmigkeit. Seinem christlichen Glaubensbekenntnisse hat er durch Treue und Redlichkeit Ehre gemacht. Seine Ernennung wird hoffentlich einen wohltätigen Einfluß auf die zahlreichen jüdischen Proselyten ausüben, eine Klaffe in der christlichen Kirche, welche große und genaue Beachtung bei Denen erheischt, welche diesem Werke sich gewidmet." L. A. Z. Großbritannien. 1 London, Ende Septbr. Seit unserer letzten Mittheilung haben manche Ereignisse stattgefunden, die Merkmale einer fortschreitenden Zeit bekunden. Wir berühren zuvörderst die Erhebung des Herrn Isaak Lyon Goldsmith zum Baronet, welche Adelswürde ihm noch von dem whig'schen Ministerium bei seinem Amtsaustri'tte verliehen wurde. Unter den Juden Englands ist Sir Isaak Lyon der erste, dem so hohe Auszeichnung widerfahren, * und diese mag wohl als Anerkennung seiner Verdienste angesehen werden, die er sich mit seinen großen pecuniaren Hilfsmitteln um die Förderung alles Guten und Nützlichen erworben. Wenig laßt sich noch von der Reformpartei mittheilen, da ihre Syncigoge erst in einigen Wochen eröffnet wird. Das Gebetbuch derselben, herausgegeben von dem Funktionär der neuen Gemei'ude Mr. Marks, ist bereits im Drucke erschienen. Zahlreiche Meetings, berufen von dem Rabbiner Rev. M r. H ersche l, haben über das Verfahren der bestehenden Partei gegen die erstehende des Reforms berathen, doch sind die Verhandlungen und Entscheidungen nicht bis zur Oeffenclichkeit gereift. Man erwartet, daß kluge Mäßigung alle androheude Feindseligkeit beseitigen und die für das Gemeinwohl unveräußerliche Einigkeit herbeiführen werde. Erfreulich'ist der Ueberblick einer sich nachdrücklich kundgebenden Regsamkeit im hiesigen Genieindeleben. In den Synagogen verdrängt feierlicher Chorgesang das sonst wirre Durckeinanderschreim. Der Besucher wird von wahrer Andacht ergriffen, wenn sein Auge an dem Bilde echtreligiöser Hingebung und sein Ohr an dem Klange der süßen Töne weilt. Das Gebet tritt hier nicht mehr als Klagender und Leidtragender vor Gott, sondern als Bote und Dankspender der innern Ruhe. Das Bedürfniß allgemeiner geistiger Erbauung *) Der dem Srr Moses Montefiore verliehene Adel als Knight, als er vor mehren Jahren die Würde eines Sheriffs in der City Londons bekleidete, ist ein blos persönlicher, während der obenerwähnte sich auf die erstgeborne männliche Nachkommenschaft vererbt. Corr, 44