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Der Orient · 1841-10-16 · 42 (16.10.1841) · p. Spalte 649-650

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
42 (16.10.1841)
Article
Bemerkungen zum Orient 1841, Literaturblatt Nr. 38
Date
1841-10-16
Page
Spalte 649-650 (sequence 2)
Language
German
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649 Beiträge zur Geschichte der Juden im Mittelalter v. P. I. Die Judenverfolgungen .1090. 650 in der UeberschrifL genannte Chasdai ben Jshak Sprot sein; der erstere ist der in dem Aufsatze erwähnte ebn G^olg^al O"?!/ Ebn Djoldjol bei de Sacy), dessen Leben aus Abu Oseibiah uns Siivestre de Sacy in seiner Relation de l’Egypte par Abd-Allatif, Paris 1810, im Original und in Uebersetzung mitgetheilt har. Die von Hr. C. angeführte Stelle: „Unter den Aerzten Kordovas — in seine Composition ausgenommen" findet sich auch bei de -Sacy pag. 497 ein der Abreichung: de s’attirer la faveur du prince N. A. statt: „wegen der Gunst, deren er sich bei dem Fürsten N. A. zu erfreuen hatte" und eben so am Ende: qui entre dans sa composition (von dem es einen Westandtheit bildet) statt: „und sie in seine Composition ausgenommen". Nach diesen Varianten scheint Chasdai zu der von Djoldjol angegebenen Zeit in der Gunst des N. A. noch nicht so sehr befestigt gewesen zu sein, so wie er auch das Schadjarggeh im Theriak nur aufgefunden, aber nicht diese ohnehin schon zu weitläufige Composition noch durch den Schadjarggeh bereichert hat. — Danzig 22. Septbr. Theodor Cohn. M. D. Beiträge zur Geschichte der Juden im Mittelalter von P. I.... I. Die Judenverfolgungen zu Anfang des ersten Kreuzzuges 1096. Der Sturm, welcher die ganze Energie des christlichen Abendlandes im Mittelalter in sich trug, konnte unmöglich das eine ihm Vorgesetzte Ziel, die Eroberung des heiligen Grabes, verfolgen, ohne eben so die fürchterlichsten Verheerungen, wie die wohlthätigen Erfolge herbeizuführen, die beide ganz außerhalb Berechnung derer lagen, welche die schlummerden Kräfte aufrüttelten. Jeder große, zeitbewegende Gedanke zahlt unter seinen Verfechtern und Anhängern stets eine bedeutende Menge, die, unfähig einer vollkommenen reinen Hingebung, nur ihre Leidenschaften und niedrigen Begierden mit dem Zauberworte nennen, das eben die Welt bewegt und die Kreuzzüge, die man ihrer Folgen halber wohl eine (wenn auch absichtslose) Revolution nennen dark, gleichen einer solchen auch darin, daß sie neben wahrem Heldenmuth und Glaubenseifer jene schreckensvollen Schauspiele darbieten, in denen die gegenseitig losgebundenen Leidenschaften jedes Object für gut genug finden, darauf ihren ganzen Fanatismus loszulassen. Um wie viel sicherer aber wurde dasjenige von ihnen erfaßt, daß die höchsten Autoritäten einerseits nicht die Kraft, andererseits kaum den Willen hatten, in Schutz zu nehmen. — Als die Kreuzzüge begannen war der Kaiser, in dem sich die oberste weltliche Macht concentrirte, außer Landes^), und wie es mit Abu Oseibah aus dem Anhänge zu Freind's history of physik auch in die lateinische Uebersetzung dieser Schrift (J. Freind opp. omn. med. ed. 2. Paris 1735. pag. 340) übergegangen ist. I) Heinrich IV. kehrte erst 1097 aus Italien zurück. der höchsten geistlichen bestellt war, geht schon daraus hervor, daß sich jetzt zwei Päbste-) bekämpften, während die particularen geistlichen Gewalten, die in den Händen der Bischöfe lagen, oft selbst von den Leidenschaften beherrscht wurden, die sie hätten zügeln sollen. So waren die Juden, schon ohnedies ein Zielpunkt des Hasses und Neides, den blut- und beutegierigen Haufen bloßgestellt, die unter dem Schutze der geistlichen Absolution die schändlichsten Gräuel begingen. Das Morgenroth der fortschreitenden Bildung und Aufklärung, das mit den Kreuzzügen für's Abendland emporstieg, war für die Juden zunächst ein unheilbringendes und die Ströme Blutes, die man ihnen jetzt abzuzapfen ansing, bilden von nun ab während des ganzen Mittelalters fast den einzigen wahrhaft rothen Faden, an dem ihre leidensvolle Geschichte sich hinzieht und der in unfern Zeiten noch im Orient sich schaudererregend -zeigte. Die Schaareu Peters von Amiens, Gotlschalks, Walters, waren bereits in allzuvoreiligem Eifer nach Palästina vorausgeeilt, um auf dem Wege dahin schon größtentheils ihr Grob zu finden, als mit Beginn der Sommerzeit 2 3) des Jahres 1096 neue Haufen aus England, Frankreich, Flandern und Lothringen sich zu sammeln ansingen 4 5 6). Die Absicht der Kreuzfahrer, das Grab Christi zu erobern, involvirte den Kampf gegen die Ungläubigen, in deren Händen es sich befand; freilich dachte man zunächst dabei nur an Türken und Araber, doch bald gewann der Gedanke Raum, daß es wohl sehr verdienstlich wäre, mit den Juden, die ja doch auch Ungläubige wären, anzufangen, und was die ersten Kreuzfahrer unter Peter sich nur nebenbei erlaubt haben mochten^), das bildete sich unter den jetzt entstehenden Haufen zum leitenden Prinzipe aus. Ihr Entschluß ging dahin, den jüdischen Namen ganz von der Erde zu vertilgen ^), indem sie die Juden allenthalben entweder zur Taufe oder zum Tode bringen wollten. Ein Hauptanführer fehlte; doch befanden sich unter ihnen mehrere vornehme Edelleute, die sich an die Spitze einzelner Schaaren gestellt hatten und von denen wir noch einige namhaft machen können:. Th o m a s von Ferra, Clären bald, Wilhelm, genannt der Stellmacher, ein Graf H e r rm ann u. mehr. And. 7 8 9 10). In der zügellosesten Verfassung, den gemeinsten Leidenschaften sich schamlos hingebend3), warfen sich diese Hausen zuerst nach Cöln^). Ohne Ahnung des ihnen bevorstehenden Unglücks gingen die Juden ihren Geschäften nach, als plötzliche), wahrscheinlich nach früherer Verabredung, Bürger und Fremde von einem Gefühl des Haffes, Geitzes und des Fana- 2) Urban II. und Clemens 11k. 3) Kodein anno (102)6) aetatis tempore inchoante, quo Petrus et Godescalchus praeeesserant. (Alberti Aquensis historia Hierosol. Lib. 1.) 4) Ex occidentalibus (Willermi Tyrensis Hist. 1). e regno Franciae, Angliae, Flandriae, Lotharingia (Alb. Aqu.) 5) Anonym. Sax. schreibt mit Unrecht die Judenverfolgungen den Schaaren Peters überhaupt zu, da alle übrigen davon nichts wissen. 6) Ne alicubi Judaei nominis memoria remaneret. (Dodechini appendix ad Mar. Scot.) 7) Willer Tyr. und Alb. Aqu. 8) Immoderata erat commersatio —cum niulieribus et ptiellis egressis — etc, Alb. Aqu. 9) Primum in civitate Coloniensi« Alb. Aqu, 10) Subito irruentes. Alb. Aqu.

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