Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 42 (16.10.1841)
- Article
- Welt und Zeit
- Date
- 1841-10-16
- Page
- Spalte 647-648 (sequence 2)
- Language
- German
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647 648 Welt U:* Zeit nach BedLraschiv. S.° Meinhard. Bemerkungen zum Orient. Bis du jählings hinab wirst stürzen in schreckliche Liefen, Tief in die Strudel der Wett, dieses verworrenen Meers, Sinken von Abgrund wirst du zu Abgrund sonder Errettung, Und kein Einziger spricht: „Gib ihn, o Liefe, zurück!" li. Die Buhlerirr Welt. Welt! der Vergänglichkeit und der Zerstörung fluthender Urquell! Kann mir dein nichtiger Land Hoffnung gewähren auf Heil? Urgrund jeglichen Mangels, des wesententkleideten Nichtseyns! Kannst du ein wirkliches Gut, bleibendes Erbe verleih'n? Um zu ergründen, ob du zum Beglücken, zum Herrschen du taugest, Forscht' ich nach deines Entsteh'ns Wurzel, dem Grund deines Seyns: „Woher stammst du? wie wardst du gebildet?" — Aber ich fand stets: Zur Zertrümmerung hat dich dein Erbauer gebaut. Die dich gestaltende Hand gestaltete dich zum Verfall nur; Deiner Hinfälligkeit Grund legte dein Schöpfer in dich. Schwach zusammengesetzt aus leicht zu zerstörenden Lheilen, Ist die Verwesung dein Loos, Moder und Faulniß dein Ziel. Nun ich erkannt dein schmähliches Wesen und deine Gebrechen, Sollt' ich um Liebe bei dir werben und huldigen dir? Kann mich die Schönheit noch reizen, die zeigt dein gleißendes Antlitz? Kannst du gefallen dem Aug', da dich verachtet das Herz? Könnt' ich dein Traubengewächs, so herb und bitter wie Mermuth, Halten für köstliche Frucht, schadet' ich rhöricht mir selbst. Kann aus modriger Beule, gefüllt mit dem Gifte der Natter, Schmackhaft Süßes ich zich'n? Honig entnehmen des Leu'n Oder des Baren verwesendem Aas? — Unwürdigen schenkst du Lieb' und Gunst, und verfolgst feindlich^das würd'ge Verdienst; Wählest die Schal' und verschmähest den Kern; reihst um dich dm Pöbel, Ziehest die Schlechten herbei, stößest die Guten zurück. Unheilskrämerm! Mängelverkäuf'rm l so zeigst du dein Wesen! Rufst, Brandstifterin, selbst deine Verworfenheit aus! Boshaft stürzest du Kön'ge vom Thron, und krönst den Verworfnen; Gräbst der Zerstörung Maal ein in der Edeln Portal, Und die Paläste der Frevler erbaut aus Quadern dein Irrsinn; Dein verzehrender Brand wüthet im Garten des Herrn, Rafft wild Libanons Bäume hinweg, und verschonet den Dornbusch; Cedern hauest du um, Tannen verleihst du Bestand. Du umwölkst ruhmwürdigen Glanz des strahlenden Frühsrerns, Sein sapphirenes Licht schwärzest du, thörichtes Weib! Reinigst zum Schein mit Seife der Schlechtigkeit häßlichen Schandfleck; Innerer Arglist leihst außen mit Firniß du Glanz. — Dir, Erzschändliche, sollt' ich vertrau'n? — Mit zärtlichen Worten Lockst du bethörend den Leichtgläubigen Weichling an dich — Um sein Gebein zu zerschmettern. — Geschmückt, wie das leuchtende Frühroth, Lachst durch's Fenster hinab deinen Verehrer du an; Doch er wendet den Blick — du bist verschwunden. Ein Weilchen Schimmert dein Glanz um sein Haus — plötzlich entziehst du dich ihm. Seines Talars reichfaltigen Saum, läßt heute du prachtvoll Ueber dm Höhen der Zeit rauschen; in Kurzem jedoch Muß in des Rud'rers zerrissenen Kleidern er ärmlich sich schleppen. Gnädig windest du jetzt ihm um das glückliche Haupt Strahlende Kränze der Hoheit und Pracht; doch über ein Weilchen Ziehst du den Leviathan zornig am Hamen herbei, Tod und Vernichtung ihm gebend. — Du bist fürwahr zu vergleichen Einem verächtlichen Weib, buhl'rischen, launischen Sinns. Ihren Begünstigten reicht sie heute der Tafel Genüsse, Traulich ruh'n sie im Schooß ihr, wie der M utter das Kind; Doch was die Treulose heute geliebt, das hasset sie morgen, Und die Gehässige kennt nimmer den Bruder, den Sohn. — Hört, o Brüder den warnenden Rath, wie ihr zu entgehen ist, Die mit frevelnder That mordet die eigene Brut! Weicht von ihrer geöffneten Thür'! entzieht ihr den Blick stets! Der Fluchwürdigen gedenkt nimmer, als lüg' sie im Grab! S. Stein hard. III. Bemerkungen zum Orient L84L, Literaturblatt Nr. 38. Bis vielleicht Hr. Dr. Carmoly selbst die in der Note pag. 586 enthaltene Frage beantwortet, erlaube ich mir vorläufig zu bemerken, daß eine Geschichte, die sich bald nach Paragraphen und Pagina's, bald nach Kapiteln und Nummern citiren lassen muß, mindestens ein typographisches Curiosum ist. Ich bedauere, daß die Citate des Hrn. C. nicht speciel angegeben sind. Wahrscheinlich hat derselbe zwei Werke vor sich gehabt, deren eines, „die Geschichte der jüdischen Aerzte", ich weder, selbst kenne, noch mit meinen Mitteln aufzuft'nden glücklicher als die Redaktion des Orients gewesen bin. Dieses Werk mag nach Paragraphen abgetheilt und nach Paginas zu citiren sein; nach Kapiteln und Nummern aber ist, wie Hr. C. in dem Aufsatze citirt, Ebn Abu Oseibiahs: pLw!üH oliuJb (fontes relationum de classibus nvedicorum, oder mit Reiske schlechtweg rifcae celeb. medicorum) abgetheilt, wovon sich zwei Handschriften in der Leidener Bibliothek und eine im brittischen Museum befinden (Choulant). Reiske (I. I. Reiske und I. E. Fabri opuscula medica ex nionuinentis Arabuni et Ebraeorum reo. CH. G. Grüner) kennt nur die Leidener Codices und I. c. pag. 52 nennt er bei Abu Oseibiah im I3ten Capitet Nr« 27 Ebn Gschalgschali} botanicus, interpres Dioscoridis, und Nr. 32 Gochasdai.*) — Der letztere mag der *) Reiske führt im l3ten Capitel nur 5.1 Nummern auf und nennt bei der letzten Ebn l'Asamnn. Wüstenfeld's Geschichte der arabischen Aerzte und Naturforscher konnte ich nicht vergleichen. Wahrscheinlich sind die bei Reiske fehlenden Namen in den Oxforder Handschriften enthalten, denen auch Choulant (Handbuch der Bücherkunde 2C. pag. 386) aber nur bei Gelegenheit des Nicollschen Verzeichnisses, erwähnt. Ich erlaube mir hier zugleich für die Leser von Choulant's Handbuche anzumerken, daß die Biographie des Gabriel ben Bachtishua von