Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1841)
- Article
- Beirut : Beschwerde der Juden gegen neue Abgaben [Nachricht]
- Date
- 1841-10-16
- Page
- Seite 269 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang ♦ Berichte, Studien «ud K fit D-as Abonnement für eint Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirtbei allen löbl. Postämtern und aSlen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben v o n Z u I i ii £ F ii t ft Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, dasMerarurblattmitgecechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 42» Leipzig, den 16. October 184JL Orient. (Veirut. Beschwerde der Juden gegen neue Abgaben.) — Deutschland (Berlin. Tod des Abraham Basch. Nachlaß. Anhalt, die langsamen Fortschritte der Emanzipation daselbst.) — Ungarn (G r o ß - K a n i sch a. Uebelstande bei Bef-HUng von Raböinaten. Ein Rabbinen - Seminar wünschenswerth.) — Licht- und Schattenbilder aus der indischen Geschichte der Gegenwart. Gesetzentwurf über die jüdischen Verhältnisse in Hildburghausen. — LV. d. Orients. Orient. Beirut, 25. Aug. (Journ. de Smyrtte.) An einigen Drten hat das Benehmen der Behörden zu Beschwerden von Seiten der Einwohner Anlaß gegeben und die Art, wie dieselben von dem General-Gouverneur ausgenommen worden, laßt die baldige Abhülfe aller Uebelstande nicht bezweifeln. So hatten die Juden in Palästina dem erwähnten hohen Beamten norgestettt, daß man Abgaben von ihnen verlange, die von der Pforte nicht sanctionirt worden seien. Auf diese Beschwerde rnucde ihnen sofort Abhülfe zu Theil und der Gouverneur sandte einen Bericht über diese Angelegenheit nach Constantinopel. Deutschland. Berlin. Am 25. Sept. starb der, wegen seiner ungewöhnlichen Sprachkenntniß und seines biedern Charakters allgemein gekannte und geschätzte Privatgelehrte Abraham Basch, in einem Alter von kaum 42 Jahren. Obwol er keine öffentliche Stelle bekleidete, und seine fast beispiellose Bescheidenheit ihn von der Veröffentlichung seiner kritischen Forschungen über Bibel und Talmud zurückhielt, war sein Name fast allen Notabilüäten im Bereiche orientalischer Sprachkunde auf das Vorteilhafteste bekannt. Er verstand neun Sprachen, und besaß, unter Anderm, in der Anfertigung hebräischer Gedichte eine solche Gewandtheit, daß er hierin vielleicht von Niernand übertroffen wurde. Neben diesen philologischen Kenntnissen fand sein Geist im Schachspiele eine Erholung; die ersten Schachspieler Berlins haben oft seine Taktik bewundert, und zahlten ihn zu den ausgezeichnetsten Spielern. Den literarifchen Nachlaß des Dahingeschiedenen, welcher in Gedichten, Aufsätzen und einem umfangreichen Werke: „Biblische Zoologie^, besteht, werden seine Freunde und Schüler, dir Herren Jolowicz und Dr. L. Weyl, herausgeben. (L. 3.) Anhalt, 28. Septbr. „Eswird eine Zeit kommen, weissagt Herder in den Ideen zur Philosophie und Geschichte der Menschheit, Theil 4^ S. 41, da man in Europa nicht mehr fragen wird, wer Jude oder Christ ist, denn auch der Jude wird nach europäischen Sitten leben und zum Besten dev Staaten beitragen, woran nur eine barbarische Verfassung ihn hindern, oder seine Fähigkeit schädlich machen konnte. In wie weit diese Weissagung sich schon erfüllt hat, ist in diesen Blättern schon vielfach besprochen worden, und wenn auch Europa unfern Propheten - als einen falschen erklärt, die Wahrheit jener Offenbarung wird einst klar leuchten wie die Sonne, und der uns Unvergeßliche wird sich rechtfertigen. Die Zeit läßt einmal keine Lücke und alle Entwickelung ist ihr untergeordnet, und mag man uns gewaltsam zinückführen wollen zum Geiste des Mittelalters, die Zeit zeigt lächelnd auf das 19. Jahrhundert und treibt uns aus dem dunkelsten Versteck wieder hervor. —- Wir sprechen viel und oft über unsere bürgerlichen Verhältnisse, wie von einem Gnadengeschenke, das uns zu irgend einem Feste von einem hohen Gönner verehrt wird. Wir glauben, und darin liegt unser Jrrthum, daß das Fortschreiten des Geistes etwas Willkührliches sei — etwas Ueberraschenbes, für welches wir-wieder in besondere Verpflichtungen gestellt werden. Aus dem Bereiche des Judentums freilich —- aus der Religion selber, finden wir dieses Gefühl natürlich, weil die Dankbarkeit in ihrem Geiste keine Grenze kennt. Anders aber betrachtet diesen Fortschritt des Geistes die Philosophie, sie nennt ihn Entwickelung und als solche etwas Absolutes. Die Emancipation der Juden — ist etwas Absolutes — ein Recht, und eben darum weil sie von dem Weitecstreben, überhaupt von der Entwickelung des Gedankens abhängt. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, ist das was. wir fordern, nicht unser Wollen, sondern das Wollen der Zeit, und sonach als etwas Positives — unabänderlich. Nachdem wir diese Betrachtung verausgefchickt ist es freilich mißlich, wenn wir die Anhalt - Dessauifchen bürgerlichen Verhältnisse in Betracht ziehen und darin noch ein System erblicken, wir es weder von dem Standpunkte der Zeit noch 42