Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1841)
- Article
- Alexandrien : Organisation der Schulen ... [Nachricht]
- Date
- 1841-10-09
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 Die Wahl des Comitts fand in einer Generalversammlung offen und einstimmig statt; es sind keine Araber darunter, weil die Frage ihrer Zulassung in das Comite durch sie selbst negirend beantwortet wurde, indem die Sache eine europäische sei. Indeß jedesmal, wenn der Nutzen sich fühlbar macht, hat das Cornite die Araber befragt, und selbst die Herren S. Haschim und Rüben Abusnach zu Direktoren für das, was das Arabische betrifft, ernannt, mit berathender Stimme." Rußland. Wilna, Ende Aug. Der Wilnaische Bote No. 55. Dienstag d. 15. Zuly 1841, theilt in Bezug auf die im Orient schon erwähnte Schule in Wilna Folgendes mit: „Der 25. des verflossenen Monats war ein denkwürdiger Lag für die hiesige israelitische Gemeinde. Es hat nämlich an diesem Lage die feierliche Eröffnung der von seiner Excellenz dem Herrn Minister der Volksaufklärung bestätigten, von den HH. Ginz- .bürgend Salkind unter Aufsicht des Herrn Klatschko errichteten Schule statt gefunden. Diese Schule besteht aus 2 Klassen, und es werden in ihr folgende Gegenstände gelehrt: Die Bibel (nach den neuern deutschen Übersetzungen), Religionslehre, Lalmud, die russische Sprache, die deutsche Sprache, Arithmetik und Kalligraphie. Am erwähnten Lage war das Local festlich geschmückt. Im ersten Saale stand aus einem dazu schön bereiteten Gestell die Büste Sr. Maj. des Kaisers in Lebensgröße; über derselben der. Reichsadler, in Gold gemalt, mit der Ueberschrift (in russischer. Sprache): „Es lebe Kaiser Nicolaus 1. ewig!" Zu beiden Seiten der Büste prangten zwei herrliche, zwei Arschin lange Tafeln, auf denen mit goldenen Buchstaben das in den Synagogen übliche Gebet für das Wohl des kaiserlichen Hauses in hebräischer und russischer Sprache geschrieben war. Dies alles bedeckten zwei Ponceau-Tuch-Worhange, die in der Mitte durch silberne Haken zusammengekettet waren. Nebenbei war auf einer kleinen Anhöhe eine Kanzel errichtet, vor welcher auf einem Gestelle mit einer goldgestickten Decke ein aus Lorbeer und Blumen geflochtener Kranz zur Bekränzung der Büste lag. Rings um den Saal standen in mehren Reihen Stühle für die hohen Autoritäten vom Militär-, Civil-, Gelehrten- und Geistlichen-Stande, die alle vermittelst Billets zu dieser Feierlichkeit eingeladen wurden. Im zweiten Saale befanden sich die Schüler und im dritten ihre Väter, das hiesige Kahal, die hiesigen Kaufleute und andere ansehnliche Personen der hiesigen israelitischen Gemeinde. Bei dem Erscheinen der hohen Gäste, wurden selbige mit Musik empfangen und die Schüler begrüßten sie alle einstimmig. Nach einer kleinen Pause traten vier Schüler hervor, zwei eröffneten die Vorhänge, worauf mit einem Male die Kaiserbüste sammt dem Adler und den Tafeln sichtbar wurde; die andern zwei Schüler sagten zu selbiger Zeit die über dem Adler stehende Aufschrift (Einer in russischer, der andere in deutscher Sprache): „Es lebe Kaiser N i c o l au s ewig!" und es antworteten dann alle Schüler mit einer Stimme: „Amen!" Nachher wurde eine passende treffliche Rede gehalten. Darauf las der Lehrer der russischen Sprache in dieser Anstalt, Herr L. Lewanda, die Übersetzung dieser Rede in russischer Sprache vor, und als er beim Schluffe war, wo es heißt: „Diesen Tag hat Gott gemacht,' wir jauchzen und freuen uns an ihm," überraschte alle Anwesenden die Musik mit einer frohen dazu gepaßten Melodie. Hernach verrichtete der Kantor in hiesiger Hauptsynagoge ein Gebet für das Wohl des kaiserlichen Hauses; und als er den glorreichen Namen Sr. Majestät des Kaisers ausgesprochen, kamen zwei Schüler aus dem zweiten Saale in den ersten Saal hinein, nahmen den von Herrn Klatschko ihnen überreichten Lorbeerkranz, bekränzten damit die Kaiserbüste, wobei zwei andere Schüler, die zu dieser Zeit erschienen, ausriefen (einer russisch, der andere deutsch): „Es flechte Dir die Zukunft den Kranz des ewigen Ruhmes!" worauf abermals ein allgemeines „Amen" von den Schülern erfolgte. Nach diesem hielt der Kantor einen Segen seiner hohen Excellenz, dem-Herrn Minister der Volksaufklärung, und zum Schluffe -er Feierlich- ' keit sangen die Schüler im Chor (in russischer Sprache) mit Begleitung der Musik „Gott segne den Kaiser icDann erscholl laut die vollkommenste Zufriedenheit und öffentliche Danksagung der hohen Gaste. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Grgenmsrr. Entwurf eines Gesetzes über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen. Wir Bernhard, Herzog zu Sachsen-Meiningen re. haben die über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in unseren Landen bestehenden Gesetze einer sorgfältigen Prüfung unterwerfen lassen, und verordnen mit Zustimmung Unserer getreuen Stande wie folgt: I. Situ. Allge m eine V e st i m m u n g e n. Art. 1. Die in dem Herzogthum wohnenden Juden sind den christlichen Unterthanen in ihren Rechten und Pflichten gleichgestellt, soweit das gegenwärtige Gesetz keine ausdrücklichen Beschränkungen und Ausnahmen enthalt. Gesetzentwurf über die jüdichen Verhältnisse in Hildburghansen. Wir Bernhard/ Herzog zu Sachsen-Meiningen rc. In der Anlage lassen Wir Unseren getreuen Ständen den Entwurf eines Gesetzes über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen nebst Motiven zur verfassungsmäßigen Berathung zufertigen. Altenstein, den 7. Juli 1841. Bernhard Erich Freund. Debertshäuser. An die getreuen Stände des Herzogthums Meiningen.