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Der Orient · 1841-10-02 · 40 (2.10.1841) · p. Spalte 617-618

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
40 (2.10.1841)
Article
Antrittspredigt ... von Dr. Sam. Holdheim [Rezension]
Date
1841-10-02
Page
Spalte 617-618 (sequence 2)
Language
German
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617 Dr. Holdheim'ö Predigten. Nordische Blüthen, eine periodische Zeitschrift in Wilna. 618 culatur-Erzeugnissen befaßt, Hr.H. d'auert^mkch, nicht deshalb, weil er mit mir befreundet ist, auch nicht weil ich ihn schon jetzt für befähigt halte, etwas Gediegenes und Wissenschaftliches zu leisten, sondern weil er von den öffentlichen Organen lange genug begünstigt worden, so daß er eine gute sorgenfreie Stelle erlangt, und doch seine Muße nicht besser anzuwenden versteht. Es ist betrübend, wie solche Rabbiner schnell ihre Vergangenheit und ihre Zukunft vergessen, im Genüsse ihrer Simcure; wie schnell sich ihrer eine Art Pfaffenstolz bemächtigt, dessen Ausgeburt eben solche Predigten oder der unverantwortliche Müßiggang ist. Hatte Hr. Holdheim' an die Vergangenheit gedacht, so würde er seine Gelangung zu einem Rabbmate, ohne eine regelmäßige Schulbildung, ohne eine regelmäßige Univerfitätsbildung, blos mit einem erworbenen Doctordiplome, als Zufall angesehen, und sich daher bei einer sorgenfreien Stellung weiter zu bringen gesucht haben; wenn er an die Zukunft oder vielmehr an die Bestimmung eines wahren Rabbiners gedacht, die von der-eines christlichen Pfarrers ganz verschieden ist, so würde er nicht jeden Augenblick solche Predigten aushecken und sich geschämt haben, solchen Plunder in die Welt zu schicken. Aber wenn die Schuld so allgemein ist, wenn so viele moderne Rabbiner in" Predigtarbeitm ihre Kräfte aufzehcen und geistig untergehen, warum gerade das an Hrn. Holdheim rügen? Warum überhaupt rügen, wenn Jemand für sein Geld durch das Drucken von Predigten sich vergnügt? Allerdings sollten dergleichen Predigten an sich nicht kritisirt werden; als unter aller Kritik sollten sie dem Schicksale des Maculaturs unerwähnt anheimfallen; aber bei Hrn. Holdheim ist es vorzüglich noch der Zweck und die darin waltende Tendenz, welche doch vielleicht manchen aus dem niedrigen Volke irre leiten konnte, und daher nicht nachdrücklich genug getadelt werden muß. Hr. Holdheim ' will nicht seine Gemeinde oder Gemeinden belehren, sondern beherrschen, er will nicht blos überzeugen, sondern in einem verblendetem geistlichen Stolze als infallibel gelten; er meint, daß es nicht gut sei, wenn das Volk belehrt und überzeugt werde, es ist nicht gut, wenn das Volk an Erkenntniß und Bildung zunehme — freilich weil das Volk dann nicht blindlings dem Rabbiner Glauben schenken wird. Da aber das Rabbinenthum keine Momente zu einer solchen mittelalterlichen, egoistischen, höchst verderblichen Tendenz darbietet, so sucht Hr. Holdheim von den Christen manche Institutionen zu borgen, freilich blos auf dem Papier. So z. B. wird ln seinen Schriften gefaselt von einer Seelsorge des Rabbiner, d. h. daß der Rabbiner sich der Gemüther -bemächtigen soll. Gott! was für eine erbärmliche Seele muß das sein, die sich ihres eigenen Willens entledigt und sich einem Rabbiner blindlings anvertraut. Aber bei der Seelsorge > allein bleibt Hr. Holdheim nicht stehen; er möchte gern das Mittelalter ganz, nicht das Mittelalter des Glaubens, aber das Mittelalter der Autorität, des Gehorsams, und gegen solcheheillose Uebergriffe hat die jüdische Journalistik pflichtmäßig ein Wort zu reden. Ich wünschte, ich könnte Hrn. Holdheim auf wissenschaftlichem Gebiete begrüßen, und diese Bahn, nach vorhergegangenen wichtigen, Studien, und mit Weglassung alles Hochmuths, alles Dünkels, würde gewiß ehrenvoller für ihn sein. — 35) wi nDDni nun nm mnp >mD, oder Blüthen des Nordens, eine hebräische periodische Schrift * in zwanglosen Heften, herausgegeben von Eliefer Lippmann Hurwltz und Samuel Zosef Pinn. Wilna 1841. 8. Erste Lese. Endlich nach einem halben Jahrhundert beginnt der bekannte hebräische Sammler (Meassef) in Rußland Wurzel zu schlagen; die Pirche Zafon sind die ersten nordischen Blüthen einer geläuterten hebräischen Muse? die von einem Vereine Strebsamer zusawmengetragen werden; es ist der Anfang eines jüdischen periodischen Schriftthums in dem großen russischen Reiche. Die Unternehmer, welche mit manchen Opfern und ohne Unterstützung ans Werk gingen, verdienen den Dank ihrer Landsleute und die wohlwollende Aufnahme in Deutschland; das erste ist billig und recht, das letztere human; und so gering auch der Anfang ausgefallen ist, so lassen sich doch die guten Folgen gar nicht berechnen, namentlich wenn Mitarbeiter und Herausgeber mit Selbstverleugnung und Beharrlichkeit in dem begonnenen Gleise fortfahren. Um unfern Lesern ein Bild dieser periodischen Erscheinung zu geben, so theile ich hier den Inhalt der ersten Lese mit: 1) nm twa, ein schönes nicht langes Gedicht von Ei sek ben Jakob, als Einleitung. 2) Schreiben von M. A. Ginzburg über das Judenreich in Abyssr'nien (es steht fälschlich WO, es muß heißen LON). Der Inhalt ist aus Bruce, der Styl vortrefflich; aber hier zeigt sich schon eine Takt- und Sorglosigkeit, die getadelt werden muß. Die Nachrichten von Bruce sind in der neuesten Zeit vielfach berichtigt und bereichert worden; Hr. G. hatte sämmtliche Schriften vornehmen und diesen Gegenstand mit einem historischen Pragmatismus behandeln sollen. Die Nichtkenntniß derselben ist keine Entschuldigung, da in den jüdischen Blattern -daraus aufmerksam gemacht wurde; ich will nur beispielsweise die neuesten Nachrichten, die im Orient zusammengetragen sind, erwähnen. — 3) Etwas über das Siegeslied der Debora, von Hirsch Katzenellenbogen; es ist nicht ohne Interesse. 4) Gedicht von Abraham Bar Lebensohn; Dfjnjo von dem genannten' Eisek ben Jakob und ein Gleiches von Noah Bloch. Ueber das Wesen der v'vwv ist bereits im Oriente gesprochen worden. 5) Die Erklärung von nrrt Tob. 25, 26, wo der Verfasser sich für Euböa entscheidet; ferner über

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