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Der Orient · 1841-10-02 · Heft 40 (2.10.1841) · p. Seite 264

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 40 (2.10.1841)
Article
Breslau: Betheiligung der Juden bei den Empfangsfeierlichkeiten ...
Date
1841-10-02
Page
Seite 264 (sequence 2)
Language
German
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264 Geltung der jüdischen Gemeinden in Preußen drei Deputirte, And zwar zwei Gemeindevorsteher und einen Rabbiner, eine Dankadresse an den König zu richten. Auf die hierzu nachgesuchte Allerhöchste Erlaubniß ordnete der König an, daß die gedachten drei Deputirten sowohl am Empfang II. MM. als auch an der bald darauf gehaltenen großen Cour auf dem königlichen Schlosse Lheil nehmen sollten. So sahen sich die Juden in ihren Deputirten zum ersten Male zu einer Auszeichnung gelangt, die ihnen deutlicher, als irgend ein geschriebenes Gesetz es vermöchte, ihre nicht mehr ferne völlige bürgerliche Gleichstellung verkündete. Auch findet diese Hoffnung in den huldvollen Aeußerungen des Königs gegen die Deputirten ihre schönste Begründung. Denn was allein noch den preußischen Juden zur völligen Gleichstellung fehlt, die Zulassung zu Staatsämtern und die besondere Ueberwachung ihrer kirchlichen Verhältnisse von Seiten des Staates: Beides hat der König in den gnädigsten Ausdrücken in nahe Aussicht ge- -stellt. Die erwähnten Deputirten wurden auch dem Prinzen von Preußen vorgestellt und vernahmen auch aus dem Munde dieses erhabenen Erben der Lugenden der Hohenzollern den Ausdruck der wärmsten Lheilnahme an dem socialen und kirchlichen Fortschritte der jüdischen Unterthanen Preußens. (2. A. Z.) [[ Vom Neckar, 19. Sept. Die Mittheilung der in No. 28. Ihres geschätzten Blattes enthaltenen Petition edler Christen Englands an die dortige Negierung, und der darauf vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten mitgetheilte Beschluß: Die Unterstützung der Juden Palästina's und die Hülfe, die denen geboten werden soll, die in das Land ihrer Verheißung wandern wollen, betreffend, hat bei uns die dankbarste Lheilnahme erregt. Hr. Rabbiner Grünwald in Lehren steinsfeld hat am Trost-Sabbat (Sabbat Na chrnu) eine gut durchdachte, schön vorgetragene Rede über die Messi'asidee, mit Hinblick auf diese hoffnungsreiche Zukunft im Orient gehalten, die wahrscheinlich durch die Presse veröffentlicht werden wird. Nach der Predigt las der Herr Rabbiner den genannten Artikel aus dem „Oriente" vor, der allgemeine freudige Bewunderung erregte.- Der Aberglaube des Mittelalters hat die jüdische Messi'asidee, die noch zu den Zeiten des Rabbi Akiba ein natürliches Gepräge trug, zu einem Wahne umgegossen; der Gegenwart und der Zukunft bleibt es Vorbehalten, diesen ursprünglich so nationalen Gedanken mit jener Klarheit des Geistes zu erfassen, wie wir die andern Nationalgefühle zu betrachten anfangen. Die Idee eines Messias ist die Idee einer materiellen, rationalen Erlösung, die Freiwerdung Palästina's für Israel, wie einst die Erlösung unter dem Perserkönig Cyrus; eine Erlösung nicht durch übernatürliche, phantastische Wunder, sondern durch noch größere, natürliche. Und nicht gar so verschieden von der unsrigen mar jene Zeit des Propheten, als er gerufen: Tröstet, tröstet mein Volk, sprechet Jerusalem Muth ein und rufet ihr zu, daß vollendet ihr Dienst und gesühnet ihre Schuld, sie möge nun Gedoppeltes empfangen für ihre Büßung. — Ueberhaupt nimmt das Interesse-am wahren Guten immer bei unfern Glaubensgenossen hiesiger Gegend überraschend zu. So schließen sich immer mehr Laien dem von Hrn. Rabbiner Grünwald vor vier Jahren schon gestifteten Leseverein an, mit Sehnsucht werden immer die neuern Nummern des „Orients", ,,Zeitung des Iudenthums", „jüdische Annalen" rc. erwartet, mit Lheilnahme schauet man auf das Walten unserer Brüder und es ist schon jetzt die Anschaffung mehrer Exemplare dieser Schriften im Leseverein nöthig geworden. Als Beweis, wie sehr bei uns auch auf dem Lande Wahn und Aberglauben schwindet, dürste der Umstand dienen, daß die Ängstlichkeit, mit der man ehemals zur Anlegung eines neuen Begräbnißplatzes unter den Juden schritt, den Rücksichten der Humanität und wahrer Frömmigkeit weicht. Denn die jüdische Gemeinde in Sontheim mit noch zwei Filialen, die bis jetzt ihre Lobten in dem 4 bis 5 Stunden weit entfernten Friedhofe zu AffalLrach beerdigten, hat den Entschluß gefaßt, einen eigenen Friedhof in der Nähe Sontheims anzulegen, dessen Einrichtung nächstens fertig sein, und von Hn. Rabbiner Grünwald mit einiger Feierlichkeit ein; geweiht werden wird. 2^ Böhmische Grenze. Unter den mancherlei Gestalten, m denen sich ein woylgt-oronetes jüdisches Gerneindewesen manifestirt, nehmen Schule und Gotteshaus den ersten Rang ein; sie sind von. höchster Bedeutung, weil sie gleichsam die Träger des Gemeindelebens sind; jeder Fortschritt derselben ist zugleich als ein Fortschritt des Gemeindelebens zu betrachten, und knüpsc das Band fester, das die Gemeinde als religiöse Bereinigung zusammenhält. Von dieser Überzeugung mehr oder weniger durchdrungen, haben einzelne Gemeinden unsres Vaterlands in dem letzten Iahrzehent für Synagogenreform und Schulwesen eine Lhätigkeit entwickelt, dir bei der Beschränktheit der ihnen zu Gebote stehenden Mittel nicht nur Anerkennung sondern auch Bewunderung verdient. Das Gesagte gilt namentlich von der israelitischen Gemeinde zu Böhmisch - L e i p a. Es herrscht hier eine große Gewerbthätig-. keit und Betriebsamkeit, und manche Gemeindemitglicder haben es bis zu einem gewissen Wohlstände gebracht; aber die Sorgen sür's Leben und das tägliche Bedürfnis; bat hier nicht, > wie es leider so oft der Fall ist, den Sinn für die höheren. Interessen verschlungen. Als Vertreter der Gemeinde steht Herr A. Alt sch ul, ein Mann, der den Fortschritt ernstlich will und nach Kräften fördert; von ihm ging zunächst der Impuls zur bessern Gestaltung der hiesigen Verhältnisse aus. Die religiösen Angelegenheiten leitet Hr. Hamburger, ein junger, gebildeter und mit den Bedürfnissen einer Gemeinde vertrauter Rabbiner, der dem Gottesdienste eine würdigere Form gegeben und dessen Wirksamkeit auch auf die übrigen Anstalten nicht ohne wohlthätigen Einfluß bleibt. — Vorzügliche Anerkennung verdient das hiesige Schulwesen. Unter der Leitung eines eigenen Schulcomirees, das aus fünf achtbaren Männern zusammengesetzt ist, bestehen hier zwei Schulen; eine he-- bräische, wo der Herr Hübscher, ein in den biblischen Wissenschaften tüchtig emgearbeiteter junger Mann, voll Eifer und Liebe für seinen Beruf, unterstützt von noch zwei andern ihrem Fache gewachsenen Lehrern wirkt, und eine deutsche, welche durch die anerkannte Lehrtüchligkeit ihres Lehrers, oes Herrn Neu bürg er, ein wohlverdientes Vertrauen genießt. Beide Anstalten sind still und bescheiden in's Leben getreten und wirken segenreicher und ersprießlicher, als so manche derartige Anstalt des Auslandes, die mit großem Geräusch und vielen Versprechungen sich geltend gemacht hat. Ueberdies bestehen hier noch manche andere Institute für Krankenpflege, Unterstützung der Armen, und dergl., von deren Leitung und Wirksamkeit ich Ihnen bei einer andern Gelegenheit mittheilen werde. Nur eines Namens möchte ich noch erwähnen, der, wiewohl von jeder eigentlichen Amtsrhäckgkeit entfernt, dennoch durch seinen Eifer für jedes nationale Interesse, und seinen edlen Wohlthatt'gkeitssi'nn nicht nur die Achtung seiner Gemeinde, sondern auch der übrigen christlichen Bewohner genießt. - Dieses ist Herr Jos. Brumof, der Sohn des früher rühmlichst bekannten Rabbiners Mordechai Brumof. Es giebt hier fast kein gemeinnütziges Unternehmen, dem dieser achtbare Mann nicht namhafte Beitrage als Unterstützung zufließen läßt. — Einer Gemeinde, wo solche Bildungselemente vorhanden sind, und so edle Gesinnungen vorherrschen, ist wahrhaft Glück zu wünschen; sie trägt die Keime der Fortschritte in sich, und was jetzt noch im Beginnen ist, wird früher oder spater der Vollendung zugeführt werden. Ich habe nur den einen Wunsch, daß auch in der Folge der Eifer fürs Gute hier nicht erkalten, und kleinliche, aus eitler Selbstsucht hervorgehende Rücksichten nie dem Interesse der Gesammtheit zum Opflr bringen mögen. Verlag von C. L. Fritz sche< Druck von I. H. Nagel.

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