Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1841)
- Article
- Smyrna: Aufruf für die Juden in ...
- Date
- 1841-09-25
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
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— 254 — werden. Die Unterzeichneten haben sich zu einer Collekte für die Abgebrannten in Smyrna vereinigt, zu deren Beförderung fie hiermit auffordern, und sich zur Annahme der milden Gaben bereit erklären. Der Ertrag soll durch ihre Vermittelung aufs Zweckmäßigste angewendet werden, und wie es sich für ein so wohlthatiges und aufgeklärtes Publikum wie das Unsrige geziemt, allen Leidenden ohne Unterschied der Religion zu Gute kommen. John R. Beit, große Theaterstraße Nr. 34. Johs. Greve u. Comp., Hüxter Nr. 12. Lazarus Gumpel, A.-B.-C.-Straße. H. C. Meyer, Neueburg Nr. 17. Julius Oppenheimer u. Comp., Herrengraben Nr. 27. R e i m a r u s u. Comp., holländischer Brook Nr. 28/' Der Rabbiner Friedländer in Brilon hat an seine Gemeinden ein Circular gerichtet, daß bei andern einflußreichen Rabbinm, wenn sie nicht blos für den Müssiggang und ihre Sinecuren leben, Nachahmung verdient. Dieses Circular lautet: „Ein zweites Bild der Zerstörung Jerusalem's stellt sich leider unfern Augen dar! Die Stadt Smyrna in der Türkei ist unterm 3t). Juli c. das Opfer eines Brandes geworden, wie man ihn seit Menschengedenken nicht erlebt. Unsre zahlreichen armen Glaubensbrüder sind dabei ins jammervollste Elend gestürzt! Das ganze Judenviertel mit seinen sieben Synagogen ist eingeäschert. Vorsteher, Lehrer der Gemeinden, und alle Ihr Bekenner der Mosesreligion, o, ly) JDpD 5b "oba B’jmn -m rmon inx! wenn noch ein Fünkchen der Wohlthätigkeit unsrer Ahnen, die Ihr ja bei jeder Gelegenheit gezeigt,, in Euch glüht, helfet, steuert dem Hunger und dem Elende. Jede Gabe, sei sie auch noch so gering, ist willkommen für die, welche durch Pest und Roth dahinwelken! Ich fordre die Vorsteher zur Sammlung für die Hülflosen auf, und ersuche ftey mir fo schnell als n u r möglich zur Weiterbeförderung durch Sir Moses Montesiore das Eingegangene gegen später zu gebende Quittung über geschehene Ablieferung zu senden. Das Elend duldet keinen Aufschub! — Sehr zweckmäßig wäre es, das niJJD nnt einzuschicken, da es hier doppelt zu dem bestimmten Gebrauch verwendet wird. Brilon am 5. Ellul 5601 (22. August 1841). Der Landcabbine I. F r ie d l ä nd e r.^" Deutschland. Wien, 8. Sept. Seit langer Zeit gewöhnt oder verwöhnt, Predigten, einzelne oder in ganzen Heften und Sammlungen, nur von halbgebildeten, ein Wenig französisch-parlirenden Landes-, Bezirks-, Kreis- und Stadt - Rabbinen in die Hände zu nehmen, oder von den speculirenden Buchhändlern unaufhörlich zugesandt zu bekomme«, ergriffen wir einmal mit wahrer Freude die wenigen, aber inhaltsvollen Blätter unsres als Gelehrter genugsam bekannten Doktors Hirschfeld. Derselbe hat nämlich seine Antrittsrede, gehalten am verflossenen Sabbat ha-Gadol, zum Besten der Religionsschule und nur dieses Zweckes wegen drucken lassen. Sonderbar! als wenn ein Gelehrter das Terrain des Predigrdruckens gar nicht berreten dürfe, und dasselbe den genannten Halbgebildeten überlassen müsse, damit diese mit ihren geringen Kräften, mit ihrem trivialen, geistlosen Treiben dem größer» Publicum sich als mächtig zeigen, und die besten Rabbinate einnehmm sollen. Noch immer begreifen unsere Gelehrten nicht, daß sie nicht durch wissenschaftliche Werke, sondern blos durch gediegene Predigten jene Kraftlosen aus dem Felde des Rabbinenthums schlagen können. Das Volk liest, und versteht keine gelehrten Abhandlungen, ihm ist jedes Gedruckte ein gelehrtes Werk, und um so mehr eine Predigt, da es diese lesen und.zum Theil auch verstehen kann. Das Volk kennt und wählt nicht unsere Gelehrten, wohl aber unsere Pcedigtendrucker. Und diese unsere Predigtenmacher mit welchem Stolze sprechen sie von ihren Werken, als hätten sie Werke, wie „die gottesdienstlichen Vorträge der Juden", „Geschichte des jüdischen Volkes", oder „Was hat Muhammed aus dem Judenthume genommen", „die neue Concordanz" oder „Halachische Exegese" herausgegeben, deren Verfasser leider dem Volk« fast fremd geblieben. Diflieile est satyram non scribeie! — Darum wünschen wir, daß außer den würdigen und m der Tyat auch wissenschaftlich gebildeten Predigern Hamburgs, Wiens rc. gelehrte Rabbinen ihre Scheu oder ihren Widerwillen ablegen, und zum östern Predigten herausgeben mögen, und darum rügen wir an unsrem Verfl, daß er nur dieser heilsamen Stiftung wegen sich entschloß eine Rede zu veröffentlichen, und selbst bei diesem guten Zwecke noch das Urtheil der Recensenten fürchtet. Und warum sich fürchten? Die Gelehrten kümmern sich wenig um die Raisonmrer und deren Raisonnements, sie wissen eine Predigt, wie die uns vorliegende, Geist und Leben athmende, Liebe und Frieden so kräftig verkündende zu würdigen und zu schätzen, und das Volk — lieber Gott — das erblickt ja etwas Gedrucktes! Königsberg, 20. Juli. (Verspätet.) Der russische Gelehrte, Herr Jakov Kaplan aus Minsk, der Verfasser des biblisch-geographischen Werkes „Erez Kedumim," dessen wissenschaftliche völlige Umarbeitung in deutscher Sprache Dr. Freystadt übernommen hat, ist hier am 15. d. M. in Folge seines unermüdeten Fleißes und seiner übermäßigen Anstrengungen im 38sten Jahre seines Lebens mit Tode abgegangen. Die Frucht seines einjährigen literarischen Zusammenwirkens mit Dr. Freystadt am hiesigen Orte war einerseits die bereits erfolgte, von letzterem mit einer dreifachen Einleitung begleitete Herausgabe des fürdie Geschichte der kabbalistischen Philosophie so wichtigen Buches „Choker und Mekubbal" von M. Ch. Luzzatto, andererseits die zum Behufe jener neuen Bearbeitung der längst angekündigten allgemeinen biblischen Geographie gemeinsam unternommenen Ordnung, Berichtigung und Vervollständigung der theils gedruckten, theils handschriftlich vorhandenen Materialien, deren einzelne Artikel auf etwa 1400 sich belaufen. Die überdies bei diesem Werke anderweitig nöthrgen Vorarbeiten sind nun auch trotz der vielen unerwarteten Hindernisse so weit vorgeschritten, daß jedenfalls das erste Heft des für vergleichende Geographie und Bibelerklärung so bedeutsamen Buches zur künftigen Michaelismesse wird ausgegeben werden können. Der Name des Herrn Kaplan wird in der Wissenschaft fortleben. Berlin- 15. Sept. Ich bin so frei, Ihnen hiermit einige Notizen aus Drey Haupt's Chronik des Saalkreises, Halle 1755, bezüglich auf Juden mitzutheilen. Wie aus diesem sehr gründlichen Werke hervorgeht, so haben schon im zehnten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung Juden in Halle gewohnt, denen ein besonderer Stadttheil, das Judendorf genannt, angewiesen war; sie standen unter dem Erzbischof von Magdeburg, der sie, so wie der Rath, gegen alle Unbill schützte. Gegen 1305 wurden sie vertrieben, 1350 aber waren wieder Juden zu Halle. Sie erlebten dann hier dieselben Schicksale, wie ihre Gläubensbrüder anderswo; so 1382 bei Gelegenheit einer Pest rc. — 1459 entfernten sie sich von Halle/da sie sich dem Befehle (veranlaßt durch den Cardinal Cusanus), ein besonderes Zeichen zu tragen, nicht fügen wollten; durch eine Klage beim Kaiser bewirkten sie jedoch wieder die Aufnahme. 1493 abermals vertrieben, kamen sie erst mit der Universität