Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-09-18 · 38 (18.9.1841) · p. Spalte 585-586

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
38 (18.9.1841)
Article
Chasdai Ben Ishak Sprot
Date
1841-09-18
Page
Spalte 585-586 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897490-2366361--1699-2366382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

585 Lit. Ztnalekten. Chasdai den Jshak Sprot, von Dr. Carmoly. Lit. Uebersrchtm. 58ti gangen, wo er unter dem Khalistn Emir Kiah Kamillah berühmt.wurde, vorzüglich durch sein Verhältniß zu dem Vesir Mamun Abu Abdalla ben Nur-ed-Daula, bis daß dieser Vesir im Jahre der Heg'era 522; d. h. 1128, gekreuzigt wurde. Chasdai ben Sprot zeichnete sich von seiner Kindheit an aus durch seinen großen und tiefen Geist, welcher mit den Jahren immer bedeutender wurde. Er hielt sich glücklicherweise zu Abderrahman HI, dem Khalistn von Kordova, der ihm auch in den Rang seines ersten Ministers erhob. Als dieser Monarch häufig die Gesandten der fremden Fürsten empfangen, suchte sich Chasdai immer bei denselben über den Zustand seiner Brüder in den fremden Ländern zu unterrichten. Im Jahre 948 vernahm er aus dem Munde eines Gesandten aus Khorassan, daß in Khasarien ein jüdisches Königreich existire; aber Chasdai schenkte seinen Worten keinen Glauben, denn er glaubte, daß er ihm das blos deswegen gesagt, um seine Gunst zu gewinnen. Gleichwohl theilten ihm einige Zeit nachher die Gesandten des byzantinischen Kaisers Nomanus 111, mit, daß es in der Thar ein Reich derKhazaren gäbe, dessen König mit Namen Jusuf sich zum Judenthume bekenne, und von wo mehre Schiffe nach den Häfen des griechischen Kalsertlmms kommen, befrachtet mit Fischen, Pelzwerk und andern Waaren. Chasdai Sprot entschloß sich hierauf einen Brief an den König der Khazaren abzusenden, in der Hoffnung, darauf weniger unbestimmte Nachrichten zu erhalten. Dieser Brief ist von einer, Ode zu Ehren des Königs Jusuf eingeleicet, und diese Ode ist das älteste Denkmal der hebrast schen Poesie des Mittelalters, welche auf uns gekommen, und zeigt, daß die Juden den Gebrauch des Reimes, der den srühern Zeiten ganz fremd war, schon von den Arabern adoptirt hatten. Der König der Khasaren würdigte ihn eines Antwortschreibens, welches wahrscheinlich durch einen spanischen Juden, der am Hofe dieses Fürsten lebte, vielleicht von Josef Hagaris, angefertigt wurde. Diese Zwei Briest wurden zum ersten Male gedruckt in Konstantinopel 1575, durch die DienstgeWr'gkeit des Isaak K arisch. — Da viele moderne Schriftsteller von oberflächlicher Wissenschaft und Kritik an die Wahrhaftigkeit dieser Correspondenz zu zweifeln scheinen, so citiren wir hier eine Stelle des berühmten Ibrahim ben Daud (Sestr ha-Kabbala p. 38 b), welcher seine Chronik 1161 geschrieben und sich über diese Briefe so ausdrückt: „Man findet jüdische Gemeinden von dem Lande Salla, das auf dem äußersten Punkt des Abendlandes liegt, bis nach Taßarat, welches an dem andern Rande liegt. Es giebt deren auch in ganz Afrika, in Egypten, Palästina, Arabien, in den Staaten desSennar, Elam, Persien, in den Ländern von Dedan rc. bis zu dem Flusse Jtel, wo die Khasaren sind, welche das Judenthum angenommen. Josef, ihr König, hat einen Brief an den gelehrten Chasda'l Ha-Nasi ben Isaak ben Sprot geschrieben, in welchem er ihm bekannt machte, daß er und sein ganzes Volk den Rabbmism angenommen und danach leben. Wir haben noch zu Toledo Manche von ihren Nachkommen gesehen, welche Gelehrte waren und die uns versicherten, daß sie dem Rabbinismus nach leben." Um dieselbe Zeit empfing Chasdai Sprot eine Antwort auf ein anderes Sendschreiben, welches er nach Bagdad geschrieben, um die Lage seiner unter dem Kbalifat lebenden Brüder zu erfahren. Der Verfasser dieses Briefes war der berühmte Rabbi Dossa, Sohn des berühmten Saadja Gaon (s. Sefer Ha-Kabbala p. 40d). Aber das Schreiben des Chasdai' (und auch die Anrwort). wurden wie seine übrigen Werke eine Beute der Zeit. Dieser Verlust ist sehr zu bebauen; denn nach den gleichzeitigen Schriftstellern vereinigte Chasdai mit einem lebhaften, aufmerkenden und erleuchteten Geiste einen unermüdlichen Eifer zur Arbeit so wie eine unvergleichliche Nüchternheit. Er war, nach einem arabischen Schriftsteller, nicht blos ein großer Politiker, sondern auch ein sehr geschickter Arzt, und er wurde berühmt wegen seiner Kunst zu heilenmit Anwendung des arabischen Therkak. Abu-Daud Soleiman Ben Hassan, ein unter dem Namen Jbn-G'olg^al bekannter Arzt, erzählt folgendes über diese Produktion *): „Unter den Aerztcn Kordova's, welche sich dem Studium des Traktats von Dioscorides hingegeben, hat keiner mehr Eifer und Fleiß darauf verwendet, wegen der Gunst, deren er sich bei dem Fürsten Nasr Abderrahman zu erfreuen hatte, als Chasdai' ben Baschrut (CH. b. Sprot). Der Mönch Nikolas war sein intimer Freund, für welchen er eine unbeschränkte Freundschaft hegte. Chasdai' verdolmetschte die medicinischen Ausdrücke des Dioscorides, so fern sie unbekannt waren« Er war auch der erste, welcher zu Kordova den Theriak zusammensetzte, den man Faruk nennt, indem er die wahre Natur der Substanz, die Schagarjeh heißt, ermittelte, und sie in seine Composition ausgenommen. (Beschluß folgt.) Literarische Ueberfichten. 3!) Ueber die Stellung des Kausmans während des Mittelalters, besonders im nordöstlichen Deutschlande, v. K. L. Kloben. Erstes Stück. Berlin 1841. Eine pragmatische Zusammenstellung der Handelsgeschichte im Mittelalter gehört noch zu den Desideraten, und überhaupt ist noch sehr wenig für die Geschichte des Handels gethan, und schon aus diesem Grund muß man jede diesen Gegenstand besprechende Monographie mit Dank aufnehmen. Wenn ich aber in diesen Blättern eine solche Monographie anzeige, so ist es aber nicht die Geschichte des Handels an und für sich, sondern das Berhaltniß der Juden zum Handelsstande, was den Leser des Orients interessiren kann, und in dieser Beziehung *) Hr. Dr. Carmoly citirt hier eine Geschichte der jüdischen Aerzte, und zwar bald nach Paragraphen und Pagina's, bald nach Kapiteln und Nummern. Wo und wenn ist ein solches Werk erschienen? Ich kann es in keiner Bibliographie finden. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.