Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1841)
- Article
- Berlin : üb. Anstellung eines jüd. Docenten in Königsberg ... [Nachricht]
- Date
- 1841-09-11
- Page
- Seite 246 (sequence 1)
- Language
- German
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- 246 - . Deutschland. Bevlilt, 19. Mg. Die Universität Königsbergs ist in der neuern Seit dem freisinnigen Beispiele Leipzigs gefolgt, indem die philosophische Fakultät sich bereit erklärte, einem jungen Manne mosaischen Glaubens (einem tüchtigen Sanskritancr) die Habilitation als Pn'vatdoccnt zu gestatten; man hat jedoch noch nicht erfabren, ob das Ministerium darauf eingegangen. Die philosophische Fakultät von Breslau dagegen hat in ihrem unterm 30. September 1840 publicirten Reglement nicht blos von -er Habilitation, sondern auch von der bloßen Zulassung zur Promotion als Licentiat und Dr. der Philosophie jeden jüdischen Kandidaten ausgeschlossen. Man weiß hier nicht, welchem Einflüsse diese gewiß nicht als ein geistiger Fortschritt zu betrachtende Neuerung, die weder durch ein Gesetz noch durch einen auf einer andern preußischen Universität herrschenden Gebrauch -gerechtfertigt wird, zuzuschreiben sei. D20§dett/ 1. Sepkbr.^ Es gereicht uns zum wahren Vergnügen die Mittheilung machen zu können, wie das in Nr. 13 dieses Blattes besprochene Kunstwerk: „die Ueb ergäbe Jerusalems an Alexander, von D. Ottensosser hier, seinen Mäcen gefunden hat. Herr. I. Wertheimer in Wien hat dasselbe an sich gekauft. Wir haben aus zuverlässiger Quelle vernommen, wie dieser edle Kunst- - freund, di'e öffentlich anerkmnungswerthe und allgemein dankbarliche Aufgabe sich gestellt: eine G e m a l d e - G a l l e r i e \ ü bischer Kunstwerke zu errichten, deren Tendenz dieGeschichte d e r I s r a e t i t e n von d e rZ erst ö r un g des z w e i t e n T e m p e l s bis auf die Neuzeit sein soll. Quod bouis bene fit beneffcuim, gratia ea gravida cst bonis. (Plaut.) An die Arbeit ihr Künstler israelitischen Glaubens! und zeiget, datz »höher und himmlischer noch, als die Gefilde der Natur und Geschichte, das Gebiet eures angestammten Glaubens euch begeistern kann; zeiget wie auch in der Kunst das Judenthum der Gegenwart wetteifern kann mit dem Heidenthum der'Vergangenheit. — Die Berliner Akademie der Künste hat von drei Bewerbern um die Michael Beer'sche Preisgabe für Maler jüd.. Glaubens keinem den Preis zuerkannt. — Mögen wir von dem neuerrichteten jüd. Cultur-Verein in Berlin bald solche Lebenszeichen sehen und hören, woran wir zu erkennen im Stande sind, daß seine mit so großer Ostentation entworfenen Statuten auch eine Wahrheit werden. Sonst müssen wir, wie bei so manchen andern jüdischen allgemein nützlich sein sollenden Unternehmungen in Berlin, abermals nothgedrungen rufen: sic transit glaria mundi! — Die Emancipotio.n, dieses langsam wachsende Kind Deutschlands des 19. Säculum, hat hier wieder einige Bewegung vorwärts gemacht. Die Freimaurer-Loge soll mit einer großen Majorität die Ausnahme israelitischer Mitglieder beschlossen und gleichzeitig mit einem Israeliten den Anfang gemacht haben. Unter der Oppositionspartei wollte man namentlich Theologen und Pädagogen gezählt haben. Naturae sequitur semina quisque suae: Die Laternmtrager können selbst am wenigsten sehen. — Der Herr Hofrath Dr. Wolf hier hat von dem Herzog von Braunschweig den Leopold-Orden erhalten. —- Künftig ein Mehr eres über unsere israelitischen Zustände. S......... r. Böhme n. Pr erg? 26. Aug. In der Nacht vom 23. auf den 24. Aug. starb hier der durch theologische und exegetische Schriften in hebräischer und deutscher Sprache berühmte Herr Herz Homberg, k. k. Schulrath, Inhaber der großen goldnen Ehrenmedaille, in einem Alter von 93 Jahren. *) Er war der letzte jüdische Gelehrte aus der Schule des großen Mendelssohn, der ihn als noch jungen Mann seiner Kenntnisse und seines Charakters wegen hochschätzte', und in dessen Hause er 6 Jahre seinem Berufe als Lehrer und den Wissenschaften lebte. In Oesterreich war Homberg der erste Gelehrte, der einen Religionsunterricht in deutscher Sprache in den jüdischen Schulen einführte, und sich dadurch um den Fortschritt unserer Glaubensgenossen bedeutende Verdienste erwarb. Obwohl er in den letzten Jahren aus Körperschwäche für die Wissenschaft nicht mehr viel leisten konnte, blieb doch seine frühere Tätigkeit Jedermann im Gedächtnisse, und sein Tod wird allgemein bedauert. — Am 25. Nachmittags wurde der Verblichene unter einer zahlreichen Begleitung zur Erde bestattet. Am sogenannten Badehof, ein Ort. wo alle Tobten vor der Bestattung hingebracht werden, hielt der Rabbiner Rapaport eine kurze Leichenrede, aus der ich Ihnen einige interessante Stetten mittheile. —, Nachdem Hr. R. darauf hmwies, wie Israel zu jeder Zeit seine mit den Waffen der That und des Wortes ausgerüstete Feinde zu Schande machte, fragt er nach den Mitteln, deren sich die Vorsehung bedient, sein Volk zu schützen, und folgendes ist die 'Antwort: Es sind jene ausgezeichneten Männer, die bei uns von Zeit zu Zeit erschienen, welche uns gegen jeden bösen Einschlag geschützt, die gegen jede neue Verleumdung mit Muth ausgetreten, oder durch ihr bloßes Erscheinen als anerkannte ausgezeichnete und verdienstvolle Charaktere, jede Herabwürdigung' Israels Zu nichre machten. Einer jener Männer war der gegenwärtig verblichene. Eben so wie der bloße Name seines großen berühmten Lehrers Moses Mendelssohn, genügte auch sein Name, uns die Achtung selbst der feindlich gesinnten zu erzwingen. Ein Mann, der von drei unserer Kaiser geehrt und geschätzt wurde, von einem sogar die goldne Ehrenmedaille als Auszeichnung erhielt, mußte als Zierde unserer Gemeinde betrachtet werden, und auch manche Schlechtgesinnte, welche Israel jedes Verdienst absprechen wollen, zum Schweigen bringen^ Den Verlust eines solchen Mannes, müssen alle, die an Israels Schicksal theilnehmen, und denen der gute Name, unseres Volkes theuer'ist, tief fühlen und beklagen. Nun machte der Hr. Rabbiner darauf aufmerksam, wie unser Streben die Gunst der Nationen zu erlangen, mit unserer Bestimmung, die Völker mit den reinen Principien unseres Volkthums bekannt zu machen, zusammenhängt, und erwähnte schließlich die vielen Vorzüge des Verstorbenen, unter welchen er besonders hervorhob, daß er, obgleich kundig des deutschen Styles, fast alle seine Werke in einem sehr gediegenen Hebräisch schrieb. Wir sehen voraus, daß man sich in noch nicht gar langer Zeit, nach einem solchen hebräischen Schriftsteller in Israel sehnen wird. Die Rede, die das Gemüth sehr ansprach, wurde sehr beifällig ausgenommen, und wir batten einen neuen Beweis, was ein Mann wie Rapaport in unserer zahlreichen Gemeinde zu wirken vermag, und wir gönnen der Hoffnung Raum, daß auch die, von Rapaport in seiner n-, Elul gehaltenen Predigt projektirte Talmud-Tora - Schule zur Förderung der hebräischen Sprache unter der israelitischen Jugend, durch das Mitwirken aller Gutgesinnten, bald ins Leben treten wird. P—m *) Vgl. Or. 1841N, 16, S. 135.