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Der Orient · 1841-08-28 · Heft 35 (28.8.1841) · p. Seite 238

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 35 (28.8.1841)
Article
Breslau : Ausschließung der jüd. Kaufmannschaft ... [Nachricht]
Date
1841-08-28
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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238 als recipictH gibt. Daß ein so isotirter und dem Corporationszwecke völlig entfremdender Zustand weder der Kaufmannschaft, noch dem einzelnen Kaufmann, noch der Vaterstadt, noch dem Vaterlande zur Ehr' und zum Frommen gereiche, sieht Jeder leicht; und eben so leicht, daß ein solcher Zustand für die Dauer nicht bestehen könne. Freilich bildet das alte Herkommen und das verbriefte Statut scheinbar eine Schutzmauer, und auf daselbe gestützt hat die Kaufmannschaft seit Jahren den wohlmeinensten und eindringlichsten Vorschlägen der Regierung hartnäckigen Widerstand geleistet. Es liegt eine erst im vorigen Jahre von der Breslauer Regierung an mehre hiesige jüdische Kaufleute in Betreff der Recipirung an die Börse erlassene Zuschrift vor, in der das tiefste Bedauern ausgedrückt wird, daß alle ihre Mühe, „bei der hiesigen Kaufmannschaft eine Veränderung in ihrer Verfassung herbeizusühren, mittelts welchem auch den achtbaren Handlungshäusern jüdischen Bekenntnisses eine der Bedeutung ihres merkantilischen Gewichts entsprechende Wirksamkeit gesichert werde, vergeblich gewesen sei: man bestehe mit Bestimmtheit auf die bisherige Gestaltung der Zustände, ohne ihren (der hochpreislichen Regierung) Vorstellungen und zweckdienlichen Vorschlägen Eingang zu gestatten rc." So war der Stand der Dinge Noch im vorigen Jahre, und ein betrübender Beweis, daß er auch in diesem Jahr unverändert geblieben, ist die neulich geschehene Ausschließung der Juden von den Empfangsfeierlichkeiten. Allein, was bisher den gerechten Wünschen der Juden und den weisen Vorstellungen der Regierugg gegenüber sich starr und unbeugsam bewahrt hat, das kann und wird die Nähe unsers allgeliebten Landesvaters sicherlich nicht ertragen. Das Licht und die Wärme, die von der Majestät unsers erlauchten Königs ausstrahlen, werden auch hier die Finsterniß erhellen und die Starrheit verjährter Misstände durchbrechen. So wie die Kaufmannschaft zur Zeit beschMeu ist: eine Corporation, die durch eigne Schuld keinMCorporation ist, eine Kaufmannsverbindung, die es nicht verschmäht, an die-Stelle kaufmännischer Interessen die einer Ressource treten zu lassen, lediglich um nur nicht Juden in sich aufnehmen zu müssen; in einem solchen Zustande könnte die Kaufmannschaft nicht ohne Bange und innere Beschämung hintreten vor das Antlitz eines Fürsten, der in feierlicher Stunde das trostreiche Wort zu den Vertretern einer Judengemeinde sprach: „Glauben Ale mir, ich bin kein Freund mittelalteriger Vorurtheile.^ Nur wenn die Kaufmannschaft, ehe der König unfern Mauern naht, die willkürlich gezogene Schranke zwischen christlichen und jüdischen Kaufleuten für immer beseitigt und der Börse ihre wahre Bestimmung gegeben hat, darf sie als wirkliche, lebensfrische Corporation sich den übrigen Corporationen anreihen. So lange jene Schranke besteht und die Börse nur ein Ressourcenlocal ist, erscheint bic, Kaufmannschaft als ein isolirtes Drittheilchen sammtlichec Kaufleute, als eine bloße Kaufmanns-Reffourcengesellschast, und ist so zur Vertretung der Gesammtheit der Breslauer Kaufleute nicht geeignet. — Indem wir schreiben/ erfahren wir, daß die Kaufmannschaft beschlossen hat, zwölf jüdische Kaufleute (freilich nur nach eigner Auswahl und als Gaste) zur Teilnahme an den Empfangsfeierlichkeiten einzuladen. Freuen wir uns dieses ersten Sieges des Rechts über das Unrecht in dieser Angelegenheit, aber hoffen wir auch, daß er nicht der letzte sein und daß die Kaufmannschaft bald unverkürzt erfüllen werde, was/ nächst der Ehrfurcht vor der großherzigen Gesinnung unsers Königs, die Pflicht gegen ehrenhafte Standesgenoffen und Mitbürger und die Würde der eignen Corporation ihr gleich dringend gebietet. L. A. Z. O Breslau, 12. Aug. Ein vor wenigen Tagen von den hiesigen Kausmanns-Aeltesten gefaßter Beschluß, an den von ihnen zum Empfang unsers Königs beabsichtigten Feierlichkeiten keinen Juden Theil nehmen zu lassen, hat die Letztern, mehre Hundert meist sehr achtbarer Bürger unserer Stadt, tief verletzt, und es werden, wie verlautet, von denselben ernste Maßregeln gegen diese willkürliche und durch nichts zu rechtfertigende Ausschließung vorbereitet. Bei dieser Gelegenheit wird eine für die Geltung der breslauer Kaufmannschaft selbst nicht unwichtige Frage viel besprochen. Die letztere hat nämlich seit Jahren, um der auch höhern Orts gefoderten, ihr aber mißliebigen Recipirung jüdischer Kaufleute an der Börse auszuweichen, wiederholt sich dahin erklärt, daß sie keine Kaufmannschaft im eigentlichen Sinne, sondern nur eine Kaufmanns- Ressourcen-Gesellschaft bilde, daß ihre Börse nur ein Ressourcen- Lokal sei, und daß demnach die jüdischen Kaufleute als solche keinen Anspruch auf Recipirung geltend machen könnten. Es wird nun von vielen Seiten die Frage aufgeworfen, ob ein so beschaffener Verein als Corporation und als der Repräsentant der Gesammtheit der breslauer Kaufleute betrachtet werden könne, oder ob nicht vorher auch die bis jetzt ausgeschlossene bedeutende Anzahl von Kaufleuten jüdischen Glaubens mit in, corporirt sein müsse. Es wäre um der Ehre und Geltung der Kaufmannschaft selbst willen zu wünschen, daß das Letztere geschehe, und dadurch Breslau endlich in den Besitz einer Börse, wie es einer so bedeutenden Handelsstadt ziemt, gelange. (L. A. 3.) Mainz, 12. Aug. In dem Culturleben der hiesigen israelitischen Gemeinde, bekanntlich eine der stärksten in Deutschland, ist eine bedeutsame Epoche eingetreten, über die sich alle Freunde des Fortschrittes freuen müssen. Bisher nämlich sah es mit dem Gottesdienst und mit den Formen des Ritus noch ganz alterthümlich aus; mit eiserner Strenge hielt der Vorstand, der zur alten Schule gehört, jede, auch die unbedeutendste Neuerung ab, und während die kleinste Gemeinde um uns her bereits die deutsche Predigt, andere sogar Choralgesänge einführten, mußte sich die hiesige, zum größten Theil sehr gebildete Gemeinde mit dem unerbaulichsten Gottesdienste begnügen. Unter diesen Verhältnissen riß hier nachgerade ein religiöser Jndifferentismus ein, der traurig war und sogar gefährlich zu werden drohte. Nun . kam erst der Vorstand zur Einsicht, daß es doch besser sei, etwas nachzugeben, um das Gebäude zu retten, als durch starre Consequenz dasselbe zu ruiniren. Mit wahrem Vergnügen vernehme ich, daß soeben ein gebildeter jüdischer Geistlicher als Prediger für die hiesige Gemeinde cmgestellt worden und bereits von der Staatsregierung genehmigt sei. Der Gewählte soll ausMorddeutschland hier-

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