Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1841)
- Article
- London: Ansichten in England über eine Kolonisirung Palästina's ....
- Date
- 1841-08-28
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
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236 rungsquellen die es erschließt, bei den Gefühlen der Pietät, die im Herzen so vieler Juden für diese Gegenden leben, und endlich bei dem Vorschub, welche die Landesregierung, in Rücksicht auf die durch eine thatige und gebildete Bevölkerung zu erlangenden Vortheile leisten würde, folgern sie ferner, würden dahin sich die Schritte aller jener Juden wenden, die von ihrem Vaterlande, der Religion wegen stiefmütterlich behandelt, gezwungen sind, auszuwandern oder wenn sie dieß nicht können, zu verkümmern, überzutreten oder den Namen Jude durch unmoralische Handlungen zu brandmarken. Die Schwierigkeiten, welche bei den Bestrebungen in dem ausgesprochenen Sinn aus dem Umstand hervorgehen würden, daß die dort wohnhaften Juden zerstreut unter der christlichen und muhamedanischen Bevölkerung leben, glauben sie, könnten dadurch beseitigt werden, daß man jene auf einen Punkt conzmtrirt und etwa nach Muster der in der Krim bestehenden jüdischen Ansiedelungen, sie in Kolonien vereinigt. Wie sehr dadurch die Ausführung der so eben angedeuteten Ideen erleichtert würde, ist klar. Aber jetzt entstehen drei andere Fragen, deren Beantwortung über die Ausführbarkeit einer Ansiedelung entscheidet, und zwar: werden die dortigen Juden sich hrrbeilassen; wird die Landesregierung es zugeben; auf welche Art könnten die Mittel hiezu erlangt werdend Die erste Frage mag gradezu bejahend beantwortet werden. Oder ist es denkbar, daß Menschen, die allen GewaMhatigkeitm ausgesetzt sind, die auf die milden Gaben ihrer auswärtigen Brüder beschränkt sind, nicht gerne hier Gelegenheit ergreifen würden, diesen Zustand zu verbessern? Was den zweiten Punkt berrift, so müßte man, um darüber vergewissert zu werden, eine Anfrage bei der Pforte machen. Jndeß giebt es Gründe genug, die zur Annahme berechtigen, daß eine Kolonisationsidee im bewußten Sinne von der so offenbar dem Prinzip des Fortschrittes huldigende Regierung, nicht nur gebilligt, sondern auch in der Ausführung kräftig unterstützt würde. Da die Leichtigkeit diese Gründe aufzusinden jede weitere Erörterung derselben überflüssig macht, so kann folglich zur Beantwortung der dritten Frage geschritten werden. Hier, meint der speculative Engländer, ließe sich das Gute' mit dem nützlichen verbinden. Palästina, so wie überhaupt Syrien, ist ein zum Ackerbau höchst geeignetes Land. Bei der gegenwärtigen großen Wohlfeilheit des Landes daselbst, könnten für verhaltni'ßmäsig geringe Summen große Strecken erworben werden, die in dem Grade als die Sicherheit zunimmt und das Land überhaupt sich hebt immer besser sich verzinsen müßten. — Dieß ist nun im Allgemeinen idle Ansicht der hierländischen, mit diesen Ideen sympathisirenden Bevölkerung. Ich will nun diese in die christliche und jüdische scheiden. Was erstere betrifft, so kann sie, bei einer Sache, wo es sich blos um jüdische Jntreffen handelt nur Wünsche hegen, die Initiative kömmt ihr durchaus nicht zu; obschon anzunehrnen ist, daß sie allen ihr möglichen Vorschub solchen Bestrebungen von jüdischer Seite leiste» würde. Rücksichtlich der jüdischen, ist nicht zu zweifeln, daß es einen oder den andern Mann gibt, bei dem solche Ideen Anklang finden und der im Stande wäre ihre Ausführung zu übernehmen. Aber ihn müßte hierin die Frage bedenklich machen: wie soll ich, der Einzelne, eine Maaßregel ergreifen, die, wenn sie auch das Aussehen eines Handelsunternehmens hat, im Grunde doch zu Gunsten meiner Glaubensgenossen genommen ist , die auf das Wohl so vieler meiner Brüder einen unendlichen Einfluß haben kann? — Ich will nun versuchen den Gegenstand von einem jüdischen Standpunkte aus in Beziehung auf die jüngsten Ereignisse sin Damast zu betrachten. Hier stellt sich das Streben zur Verbreitung der Cultur unter den Juden des Orients, so wie das Streben sie sicher zustellen vor ungesetzlichen Eingriffen, als eine natürliche Ergänzung dessen dar, was durch die Sendung nach Egypten so ruhmvoll begonnen wurde; ja man kann es als den zweiten Lheil betrachten, durch den eigentlich der erste seinen vollständigen Werth erhält. Der Mangel an nachdrücklichem gesetzlichem Schutz, so wie die niedrige Bildungsstufe der Juden des Ostens sind Umstände, die schon längst ein Uebel begründet, als dessen Symptom die Ereignisse in Damask anzusehen sind. Allerdings sind diese durch das Einschreiten der civilisirten Welt glücklich bekämpft worden; aber nur diese — nicht das Uebel selbst. Der nächste günstige Augenblick kann es wieder zum Ausbruch bringen. Und .nur so wie in Europa, Szenen denen in Damask gleich, nur durch die höhere Bildungsstufe seiner jüdischen Bewohner und den kräftigen gesetzlichen Schutz vorgebeugt wurde, so kann dies auch nur auf ähnliche Wesse im Orient geschehen. Ueberdies würde ein Unternehmen, wie es hier bezeichnet worden, einer sich bereits in Palästina befindlichen zahlreichen, höchst unglücklichen Bevölkerung aus ihrem Elend ziehen. Es ist bekannt, daß Lausende von Religionsgenoffen in jenem Lande einzig von den Spenden ihrer mitleidigen Brüder leben. Ist schon ein solcher Zustand an und für sich traurig, so wird er es noch mehr dadurch, daß die Gefühle der Pietät, die diese Gaben gereicht, immer mehr erkalten. Diesen Menschen, ohne Europas Hilfe verkümmernd, würde auf die angegebene Weise für die Dauer geholfen. — Welche Meinung man auch über die hier ausgesprochenen Ideen hege, jedenfalls verdienen sie Beachtung. Dem denkenden Deutschen scheint weitere Erörterung derselben aufbehalten zu sein. Deutschland. Berlin, 17' August. Das Ministerialblatt von 1841 Nr. 8 enthält über den bekannten schon oft genug gezeigten Zopf unseres lieben Preußens, nämlich über die Vornamen der Juden, folgendes Reskript, das für die Provinz Posen eine Schellenkappe in Anspruch nimmt, welche die andern Provinzen in die Rumpelkammer geworfen, vermuthlich weil man in der Hauptstadt der Meinung ist, für diese unglückliche Provinz ist alles gut. Doch ich stelle das Ministerial-Reskript her. ,,Durch die Allerhöchste Kabinetsordre vom 19. Juni 1836 ist die Vorschrift, daß Judey keine christlichen Vornamen führen sollen, nicht im Großherzogthum Posen eingeführt, vielmehr nur in einem Specialfalle, der in einem andern Landestheile stattgehabt hatte, an diese durch die Ordre vom 30. November 1828 ertheilte Vorschrift erinnert, und deren erneuerte Einschärfung befohlen worden. Die Ordre vom 19. Juni 1836 hat also den in der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 22. December1833 (Gesetzsamml. 1834. S. 7) für das Großherzogthum publizirten Grundsatz, daß die dm jüdischen Kindern beizulegenden Vornamen von den bisherigen jüdischen Vornamen nicht abweichen sollen, keineswegs aufgehoben oder modificirt, leidet vielmehr auf das Großherzogthum gar keine Anwendung, weshalb denn auch das Ausführungs- Circular-Rescript vom 6. Juni 1836 nur aus einem Versehen der Königl. Negierung zugegangen ist. Ob